Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 72 (8.9.1892)
- Date
- 1892-09-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1384 dem jüdischen Religionsgesetz widersprechend erklärt. Es kann somit keinem Zweifel unterliegen, daß eine narkotische Betäubung vor dem Schächten von allen maßgebenden Kennern des jüd. Religionsgesetzes als verboten erklärt werden muß. Zeitungsnachrichten nud Correspoudeuzen. Deutschland. Königsberg i. Pr., 26. August. Herr Rabbiner Dr. Bamberger, Vorsitzender des hiesigen Haupt-Grenz-Comitvs für die russischen Juden, erläßt in der „Hartung'schen Zeitung" nachstehende Erklärung: „Gegenüber irrigen Darstellungen in der hiesigen und auswärtigen Presse betreffend die Einwanderung und den Durchzug russischer Juden und die hierdurch erwachsende Gefahr der Einschleppung der Cholera ist zu konstatiren: 1) Sämmtliche oftpreußische Hilfskomitös und zwar zu Königsberg, Eydtkuhnen, Insterburg, Tilsit, Memel, Prostken, sind seit fast drei Wochen geschlossen. Der Schluß erfolgte, noch ehe der erste Cholerafall aus St. Petersburg gemeldet war. Die Comitös werden, wenn überhaupt, erst nach dem völligen Erlöschen der Seuche wieder eröffnet. 2) Durch telegraphische und briefliche Mittheiluugen an die maßgebenden Persönlichkeiten und Zeitungen ist die Schließung der Comitvs in Rußland sofort bekannt geworden, und sind selbst die zur Beförderung nach Amerika bereits vorgemerkten Auswanderer, die sich theilweise schon unterwegs befanden, von der Reise hierher zurückgehalten worden. 3) Der bis jetzt andauernde Zuzug russischer Emigranten besteht, wie man sich auf dem hiesigen Bahnhofe und zumal auf dem Auswanderungss! uppen zu Ruheleben überzeugen kann, überwiegend aus nichtjüdischen Auswanderern mit und ohne Paß. 4) Es ist in Hamburg zweifellos festgestellt, daß die Cholera seewärts dort eingeschleppt worden. 5) Unsere Comitös sind sich, wie seither, auch in dieser schweren Zeit bei ihrer Thätigkeit ihrer Pflicht gegen unsere Provinz und das deutsche Vaterland voll und ganz bewußt und werden auch weiter danach handeln." Hinzugefügt zu werden verdient, daß die Auswanderer bereits seit Monaten, d. h. noch ehe der erste Cholerafall in Rußland vorgekommen war, sowohl an der Grenze, als auch hier einer ärztlichen Untersuchung unterzogen wurden. Aus Elsaß-Lothringen, 30. August. In einer landwirthschaftlichen Versammlung der angesehensten Landwirthe des Kreises Rappoltsweiler hielt der in unserm Reichslande aufs Beste bekannte Kreisthierarzt E. Schild einen interessanten Vortrag, der auch im Druck erscheinen wird, über das in letzter Zeit viel besprochene Thema: „Sollen unsere Schlachthiere geschlichtet oder durch Schlagen auf den Kopf betäubt und dann geschlachtet werden. Vom physiologischen und sanitären Standpunkte aus beleuchtet." Referent giebt dem vom jüdischen Ritus vorgeschriebenen Schächten gegenüber dem Schlagen der Thiere den Vorzug, und zwar aus folgenden Gründen: Das Schachten der Thiere ist keine Thierquälerei: beim Schächten tritt sogleich Lähmung des Gehirns und in Folge dessen Bewußtlosigkeit ein; das Thier empfindet also keine Schmerzen. Der Tod des Thieres ist ein viel schnellerer und sicherer; das Schächten wird von einem geübten Manne vollzogen, wogegen beim Schlagen manche Mißgriffe Vorkommen. Außerdem bietet das Schächten den Vortheil, daß durch das gänzliche Verbluten das Fleisch viel schöner weiß und auch haltbarer wird, da es durch den Mangel an Blutstoffen vor Fäulniß bewahrt bleibt. Referent führte auch au, daß das Schächten von den meisten thierärztlicheu Autoritäten empfohlen werde. Allgemeiner Beifall lohnte die so herrlich gesprochenen und Anerkennung findenden Worte des Redners. Möchten doch die Herren Antisemiten mit dem schönen Beinamen Thierschützler auch einmal aus einem solchen Vortrag etwas lernen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie. Papios Zelle, 6. September. Der berüchtigte Rabbiner Lichtenstein, der für christliche Missionsgesellschaften thätig gewesen, hat endlich abgedankt. Max Klein. Frankreich. Marseille, 6. Sept. Das Pariser israelitische Auswanderer-Eomitk benachrichtigte das Marseiller Cornitö, es sei bis auf weiteres unmöglich, russische Auswanderer aufzunehmen. Der Gesundhettsrath ersuchte den Präfekten zu veranlassen, daß die Regierung die französischen Consuln des Schwarzen Meeres anweise, die Dampfergesellschaften zu benachrichtigen, daß keine israelitischen Auswanderer aus Rußland fernerhin in Marseille ausgeschifft werden. Der Gesundheitsrath beschloß die Herkünfte unter Quarantäne zu stellen. England. E. T. London, 4. Sept. Am 20. August starb in Southsea der weitbekannte Sachverständige und Sammler von Kunftgegenständen Felix Joseph, im Alter von 52 Jahren. Unzählig sind die verschiedenen Sammlungen und Museen, die er beschenkte; besonders hatte sich die Kunst-Sammlung zu Derby seiner Gunst zu erfreuen, der er seine berühmte, ungefähr 600 Gegenstände umfassende Sammlung von altem Derby China noch zu seinen Lebzeiten überließ. Auch das Nottingham-Castle- Museum- und Kunst-Gallerie verdankt seiner Freigebigkeit mehr als 1000 sehr werthvolle Zeichnungen und Skizzen. Ferner ist der Tod der Herren R. Z.Bloomsield, Henry I. Simmons und Zadea Lazarus zu erwähnen, die der Armenpflege und Synagogenverwaltung nicht geringes Interesse zugewendet hatten. In der Nacht vom 21. zum 22.