Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 72 (8.9.1892)
- Date
- 1892-09-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1382 nicht, ich will ihn nicht zum Gemahl, ich kann ihn nicht leiden! Meine liebe Nichte, erwiederte der Kaiser, das wird sich schon in der Ehe geben. Die Mitglieder eines regierenden Hauses erfreuen sich vor hundert Millionen anderer Sterblicher so vieler Vorzüge und Vortheile, daß sie auch billig die Pflichten, welche ihnen ihre Geburt und hohe Stellung auferlegt, willig übernehmen müssen. Eine Prinzessin hat auch auf volittsche Erwägungen Rücksicht zu nehmen — und wie der Onkel Kaiser so redet, hat es schon in meinem armen Herzen zu kochen angefangen, aber ich armes Hascherl Hab' geglaubt, daß ichs beim Onkel Kaiser doch vielleicht im Guten durchsetz'! Ich hob Holter denkt, wenn ich ihn an seine eigene Jugend erinnere, wird erweich werden und sog: Onkel Majestät, der Prinz Eugen hat erzählt, daß allerhöchst Sie, Onkel Majestät, nach dem Wunsche meines Papas und der ganzen kaiserlichen Familie, allergnädigst eine schöne und mächtige Prinzessin zur Gemahlin hätten wählen und dadurch Oesterreich und der Welt den Frieden hätten geben sollen; aber Ihnen, Onkel Majestät, hat Hotter die Tante Majestät, die damalige Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig viel besser gefallen — und Onkel Majestät, nöt für ein G'schloß wolltens, die Ihnen bestimmte Prinzessin nehmen — allerhöchst Sie kämpften tapfer um Ihr Lebens- und Liebesglück — und blieben Sieger! Mein edler Vater, Kaiser Josef, der damalige Chef des glorreichen Hauses Habsburg, erhörte aus Bruderliebe Ihre Bitte, er wollte nicht Ihr Lebensglück zerstören, lieber setzte er den ungleichen Kampf mit Europa fort, setzte seine Krone, die Existenz der Monarchie aufs Spiel. Allergnädigster Oheim! ich hoffe allerhöchst Dieselben werden seiner Waise die Huld gedenken, die mein Vater allerhöchst Ihnen angedeihen ließ." „Wie geschickt das liebe, arme Kind seine Sache führte", flüsterte die Gräfin Pallavicini der Gräfin Battiany zu, diese aber sprach laut: „Kaiserliche Hoheit, das war klug und muthtg von Ihnen." „Es hat mich aber rein nix g'nutzt", versicherte die anmuthige Prinzessin, traurig das Köpfchen senkend, „a klans Bisserl schien der Onkel Kaiser ergriffen, aber gleich darauf fuhr er auf und rief: Prinz Eugen ist mein erster Minister, er hat mir und dem Staate große Dienste geleistet, aber das berechtigt ihn noch lange nicht, sich in die Privat- Angelegenheiten der kaiserlichen Familie zu mischen, meine Nichte durch alte, alberne Geschichten zum Ungehorsam gegen mich aufzureizen — aber daraufhabe ich ihm gleich schlagfertig geantwortet: Onkel Majestät Allerhöchst Dieselben geruhten ja vor Kurzem selbst zu sagen, daß die eheliche Verbindung einer kaiserlichen Prinzessin eine politische Angelegenheit sei und in solchen Fällen pflegen allerhöchst Sie, allerhöchst Dero Minister um Rath zu fragen — und die Geschichte allerhöchst Ihrer Werbung ist nicht gar so alt, — die Tante, Kaiserin Majestät, ist ja noch heute die schönste Frau in Europa — und albern ist die Geschichte erst gar nicht — im Gegenthetl, sehr schön ist sie und wenn ein Dichter sie zu einem Poem benützt, wird sie ewig fortleben und die Schilderung allerhöchst Ihrer standhaften Liebe wird noch nach Jahrhunderten die Welt entzücken und tausend Liebenden, deren Wünschen man Widerstand entgegensetzt, aufrichten und zum weitern Kampf für ihr Lebensglück anspornen!" „Das war ein sehr glücklicher Coup!" rief die Gräfin Pallavicini, und auch die Gräfin Battiany nickte Beifall zu. (Fortsetzung folgt.) Der ,3lr«eltt' erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Drei- M Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Purch den Buchhandel m fetfitftlt drt E. /. Kietnaürer, stetpstg, Aoßpiah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Ran». — Oesterreichische Banknoten laut EourS. — Dtreete Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland »ad Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzufenden. Inhalt <Hauptblatt): Leitender Artikel: Das Gebet. Von Rabb. Dr. Sänger. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen : Deutschland: Aus Hessen. M.-Gladbach. Aus Westphalen. Würzburg. Merchingen. — England: London. — Frankreich: Paris. — Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der erste« Beilage: Leitender Artikel: Die Betäubung der Schlachtthiere durch narkotische Mittel. Von Bezirksrabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Königsberg i. Pr. Aus Elsaß-Lothringen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Papios Zelle. — Frankreich: Marseille. — England: London. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Schlesien. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Waag-Neustadtl. — Rußland. Verantwortliche Redaciion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.