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Der Israelit · 1892-09-08 · Heft 72 (8.9.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 72 (8.9.1892)
Date
1892-09-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1380 Jene Herzlosen haben sogar Armen, die keine Baarschaft hatten, Kleidungsstücke abgenommen. Wenn diese dann nach der Stadt kommen und dort ihre Klage verlauten lassen, so kräht kein Hahn darnach, und Niemand verhilft ihnen wieder zu ihrem Gelde. Es wäre doch die Pflicht des Exekutivkomitös unter der Leitung des Herrn Bienstock oder die des Vereinigten Vorstandes der sephardisch-aschkenasischen Gemeinde in Jaffa im Interesse ihrer unglücklichen jüdischen Brüder energische Maßregeln zu ergreifen, und sollten sie sich erforderlichenfalls mit dem Jerusalemer Vorstand in Verbindung setzen, damit dieser die nöthigen Schritte beim Pascha thäte. Sonst wird das Gnadengeschenk seiner Majestät des Sultans leicht aus einer Wohlthat zu einer Geißel für die unglücklichen Auswanderer werden. (Jsr. Wschr.) > Vermischtes. < Frankfurt a. M., Ende August. „Die Kräftigung des isr. Handwerkerstandes", das war der Zweck, welcher Mitte Juli eine Anzahl wackrer Männer zur Gründung eines Vereins „selbstständiger isr. Handwerker" zusammenführte. Die ungünstige Geschäftslage der auf dem Boden des überlieferten gefetzestreuen Judenthums stehenden Handwerker, welche durch das in Kraft getretene „Sonntagsgesetz" weiter bedroht ist, hat (wie ein diesbezügl. Prospekt des Vereins besagt) es zur zwingenden Pflicht gemacht, auf Mittel und Wege bedacht zu sein, wie die ideale und materielle Besserstellung des gesammten jüdischen Handwerkerstandes zu bewerkstelligen sei. Wir halten es für unnöthig auszusprechen, daß eine Vereinigung, die sich obige Ziele gesteckt hat, der denkbar thatkräftigsten und weitgehendsten Förderung aller Wohlgesinnten anzuempfehlen ist. Es ist für den jüd. Bürger von jeher Ehrenpflicht durch moralische und pekuniäre Unterstützung des jüd. Handwerkerstandes dem feindlichen Vorurtheil entgegenzutreteu, daß wir ausschließlich dem „Handel" lebten und die werkthätige Arbeit als eine solche verachten, welche mit der jüdischen Ehre nicht vereinbar ist. Worms, 4. Sept. Gestern wurde unter allgemeiner Betheiligung der Gemeinde das 25jährige Jubiläum des hiesigen Rabbiners Herrn Dr. Stein gefeiert. Der Jubilar wurde von dem Gemeindevorstande, von Deputationen verschiedener Vereine und der Gemeinden des Bezirks beglückwünscht und vielfach beschenkt; auch wurden mehrere kunstvoll ausgestattete Adressen überreicht. Worms. Am Mittwoch, den 24. August feierte Herr Moses Schwarz dahier mit seiner Ehefrau, geb. Michel das diamantene Hochzeitsfest. Das Jubelpaar erfreut sich einer verhältnißmäßig guten Gesundheit, die wir demselben noch recht lange wünschen. Ofthofen. (Kreis Worms.) Bei der gegenwärtig in Heidelberg stattfindenden Ausstellung der „Freien Deutschen Bäckergenosscnschaft" erhielt die Rheinhessische Walzenmühle A. Lorch dahier für ihr bekannt vorzügliches Fabrikat den ersten Staats preis, die goldene Medaille als höchste Auszeichnung. Gimbsheim. (Kreis Worms.) Am Samstag den 27. August fand die Einweihung der neu hergestellten Synagoge statt. Am Vorabend wurden in feierlichem Zuge die Thorarollen ins Gotteshaus getragen. Samstag Morgen fand der .Hauptgottesdienst statt, an welchem sich außer zahlreichen Fremden, die Vertreter der bürgerlichen Gemeinde nebst anderen Ortsbeamteu einfanden. Herr Lehrer Leder mann besprach in beredter Weise die Bedeutung und den Segen eines Gotteshauses und schloß seinen Vortrag mit einem herrlichen Weihegebet. Aus Starkenburg. Herr Trier in D a r mstadt hat, um sein Interesse für die Bestrebungen der Landwirthschast zu bekunden, einen werthvollen Preis dem Bienenzüchtervereiu zur Verfügung gestellt. — In der letzten Zeit sind in unserer Provinz bereits 27 israel. Lesezirkel entstanden, in welchen nur ausgewählt gute Zeitschriften und Bücher gelesen werden. Stuttgart. Geheimer Hofrath Ä l b e r t v. K a u l l a ist zum Königlichen Großbritanischeu Konsul dahier ernannt worden. Feuilleton. „Fiirstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (15. Fortsetzung.) „Aber um Gottes willen, was hat es denn gegeben?" wandte sich Eleonore Battiany, — da die Erzherzogin vor Schluchzen noch immer kein Wort fand — an die Aja — „was hat das arme, liebe Kind?" Die Gräfin Pallavicini zuckte die Achsel und Maria Josefa hatte sich nun so weit gesammelt, um die Worte hervorzuftoßen: „Gräfin Eleonore, ich bin das unglücklichste Geschöpf der Welt." „Also, was ist denn eigentlich vorgefallen?" frug die Battiany dringend, und da die Erzherzogin von Neuem in einen Thränenstrom ausbrach, wandte sie sich wieder an die Pallavicini und sprach: „Wenn die kaiserliche Hoheit zu aufgeregt ist, so muß ich doch Sie, Excellenz, um Aufklärung bitten." „Ich weiß selbst nichts Genaueres! Ihre kaiserliche Hoheit war für heute drei Uhr Nachmittag eingeladen worden, von mir begleitet in der Hofburg zu erscheinen und voll Glück und Freude fuhren wir hin, wir glaubten nichts anderes, als der Kaiser wolle der Frau Erzherzogin ankündigen, daß Prinz August von Sachsen-Polen um sie angehalten. In der Anticamera des Kaisers wurde mir bedeutet die Rückkunft der kaiserlichen Hoheit abzuwarten, ich wartete, wie mir die Pendule zeigte, fünfundzwanzig Minuten — mir erschienen diese in

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