Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 72 (8.9.1892)
- Date
- 1892-09-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1379 „Ministerium unterm 26. v. Mts. Nr. 794 ge- „richtete Eingabe ergebenst zu eröffnen, daß mit „höchstem Rescripte vom 29. August d. I. Nr. „15777 in Berücksichtigung des aus den 1. Octo- „ber l. I. fallenden höchsten israelitischen Fest- „tages der Eintritt der Einjahrig-Freiwilligen „israelitischer Konfession in diesem Jahre aus- „nahmsweisezum 3.October genehmigt wurde." Merchingen, Anfang W>k. Tiefe Trauer bemächtigte sich unserer Gemeinde durch den plötzlichen Tod des Herrn Abraham Strauß. Er war bei Juden und Christen beliebt, hochgeachtet wegen seiner Einfachheit, seiner Hochherzigkeit und Mildthätigkeit, er war Jedem ein treuer Berather, ein neidloser, opferfreudiger Freund, ein Vater der Wittwen und Waisen. Schmerzlich ist daher für uns dieser Verlust. Von seinem ersten Auftreten bis zu seinem Ende hat er sich um unsere jüdische und politische Gemeinde verdient gemacht. Schon früher, noch als junger Mann, zur Zeit der Vorstandschaft seines sel. Vaters, Lazarus Strauß rry, führte er im gerechten Eifer für die Erhaltung des wahren Judenthums die Feder siegreich gegen die Neologie, und später, als jener nach fünfzigjähriger kraftvoller, segensreicher Thätigkeit das Zeitliche segnete, wurde dieser einstimmig zum Leiter der Gemeinde und des Bezirks berufen. Seiner unermüdlichen Thatkraft verdankte unser Bezirk die Wahl der frommen Rabbinen, des Dr. Louis Heilbut V"ar für Merchingen, und nach dessen frühem Hinscheiden die des jetzigen Bezirksrabbiners in Mosbach, Herrn Dr- Löwenstein, Erfolge, durch die sich offenbarte rwn roo pn ro ne\ Solche glaubenseifrige Männer berief er an die Spitze der Bezirke in dem zielbewußten Streben, in den Gemeinden den religiösen, frommen Sinn unter den Lehrern und dtch 'Vya zu erhalten und aus den Kindern eine Generation heranzubilden, die im schweren Kampfe mit den Neuerungen der heutigen Zeit festhält an mm und nisn. So wird keiner der heiligen Gebräuche hier seitdem vernachlässigt, alle jüdischen Institutionen werden auf's äußerste beobachtet und aufrecht erhalten. War doch auf die Instandhaltung des any, der mpo, der ntmtp sein Augenmerk besonders scharf gerichtet. Daß diese Leistungen den besten Erfolg hier aufzuweisen haben, muß man dem Einfluß seiner Persönlichkeit zuschreiben, einer Macht, die er sich erworben durch seine Beliebtheit, seine gewissenhafte Pflichterfüllung, feine im tiefsten Innern empfundene Ueberzeugung, die eines jeden Gegners Widerspruch ausschloß und dte Gestnnungstreuen nie ermüden ließ. Denn wie er im öffentlichen Leben wirkte, so war er auch im eigenen Hause strengstens nixoa p*ip*7D. Er war ein fleißiger Besucher unseres und befolgte die nrao ebenso streng und ernst, wie er sie seine Familie lehrte, und diese wußte und verstand seine Ansichten hochzuschätzen. War er ja der beste, liebevollste Gatte, der strenggute Vater, der angenehme Verwandte, wie er sich denn überhaupt in seinem ganzen Leben durch seine offenkundige Liebenswürdigkeit ausgezeichnet. So hat denn Herr Dr. Löwen st ein wohl mit vollem Recht in seiner tiefempsundenen Rede am Grabe des Freundes dem Dahingeschtedenen nachgerufen: „Die achtundsechzig Jahre Deines Lebens, theuerer Freund, waren ein wahres „o”n" eines echten »tot». Mögen die, die Dir nahe standen, Dir gleichen". rraxjn. D. K. England. London, 3. Sept. Der Zuzug russischer Juden hat fast ganz aufgehört. Die Juden, welche in Gravesend eine Zeit lang wegen Choleraverdachtes unter Zelten zubringen mußten, befinden sich jetzt im Ostende Londons. Sie durften nicht eher ihren Geschäften nachgehen, bis die Behörden völlig von ihrem Gesundheitszustand befriedigt waren. Die Behörden wissen aber auch jetzt noch die Adresse jedes Einzelnen. Frankreich. Paris, 2. September. Die russischen Juden, welche hier in der Rue de Charenton ein nothdürftiges Unterkommen gefunden hatten (es sind 50 Familien) reisten gestern Abend nach Dieppe ab, wo sie auf Kosten des hiesigen israelitischen Hülfsvereins nach Canada eingeschifft werden sollen. An diesen Hülfsverein dürften in der nächsten Zeit noch andere harte Anforderungen gestellt werden. Ein Dampfer der Comp. Fraisstret hat gestern abermals einige 30 jüdische Auswanderer aus Odessa und Konstantinopel nach Marseille gebracht, wo sie im größten Elend ankamen; 200 andere werden ihnen binnen Kurzem folgen. Alle werden nach Paris geschickt werden; bis dahin hat der israelitische Wohlthätigkeitsausschuß von Marseille ihre Verpflegung übernommen. P a l ä st i n a. Jerusalem, 29. Aug. Die hier erscheinende hebräische Zeitung „Habazeleth" theilt mit, daß der Sultan bezüglich der Einwanderung russischer Juden in Jaffa Erleichterungen hat eintreten lassen. Einzelnen Personen ist es gestattet, ohne Hinderniß die Stadt und das Land betreten zu dürfen, während nach wie vor jede Masseneinwanderung ausgeschlossen bleibt. Leider aber stellte sich bald heraus, daß unter der Zahl derer, die sich Israeliten nennen, eine Art von Mäklern sich befinden, die unter die Jobber allerschlimmster Art gehören. Diese Leute kommen als Vermittler auf die Schiffe, und sobald sich daselbst etwa 5—10 Juden befinden, so schwatzen sie ihnen vor, daß das als Masseneinwanderung gälte, und nehmen unter dem Vorwände, die Hafenpolizei bestechen zu wollen, den unkundigen Einwanderern das Geld ab. Diese, die von Rußland her keine andere Handlungsweise kennen, gehen darauf ein.