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Der Israelit · 1892-09-08 · Heft 72 (8.9.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 72 (8.9.1892)
Date
1892-09-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1377 Auch Deiner Füße Staub wische ab. All die kleinen, geringfügigen irdischen Angelegenheiten, die sonst einen großen Theil Deines Denkens bilden, Deines Lebens ausfüllen; all die alltäglichen äußeren Gedanken, die Dich abziehen von dem Ernst und der Weihe des Ortes, wo Du zu Gott beten willst, laß draußen, damit sie Dich nicht stören, die Andacht nicht beeinträchtigen. So vorbereitet tritt hin und bete. Wir gehen den ü'N-iun d*o», den Tagen ernster Einkehr, den Tagen des Gebetes entgegen. Auch äußere Verhältnisse drängen uns vielfältig in unseren Tagen zum Gebete. Möge hiermit die Anregung gegeben sein, wie man beten soll. Machen wir es unseren Vorfahren gleich, die tyi icyy bv D'om trrcpnö px tyi für sich selbst, für ihr Volk und ihr Land Gottes Erbarmen erflehten, nur auf Gottes Gnade sich verließen/ Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Aus Hessen. Dem Böckel'schen Hausen scheint es nicht sonderlich zu gehen; er ist sichtlich schlechter Laune und die Objekte, an denen er sich ausläßt, sind nicht etwa die Juden, sondern die — antisemitischen Konkurrenten, die Ahlwardt und Genossen, bei denen offenbar das Geld besser in den Kasten springt, und die Konservativen, die sich bekanntlich auch rüsten, eine antisemitische Filiale zu gründen. In der neuesten Nummer des „Reichsherold" heißt es wörtlich: „Man laust allen möglichen Irrlichtern nach, und deren sind und waren viele: Stöcker, Ahlwardt, Groussilliers, Pinkert, Ruppel, Henrici, B. Förster rc. Was sind und waren sie anders als Irrlichter, die unsere Bewegung in den Sumpf geführt haben? Aber gerade diese Leute haben viele, viele Freunde gefunden und Millionen find für sie geflossen — für nichts und wieder nichts, während die ehrlichen Verfechter der Sache darbten und arbeiteten. Wenn das nicht bald anders wird, ist alles verloren. Es kann so nicht weiter gehen. Am Unrechten Ort wirst man das Geld mit Händen hinaus und am rechten Ort fehlt es." Den bevorstehenden konservativen Parteitag bezeichnet das Blatt als eine „Komödie"; „schofler" als die konservative Partei schon jetzt sei, könne sie nicht werden, ihre Presse habe ein Talent, langweilig zu sein, das geradezu vernichtend wirke. Es muß starke Ebbe in der Marburg er Kasse sein! M.-Gla-bach, 22. August. Rach der in diesen Tagen stattgehabten Firmung in Eorschenbroisch hielt Weihbischof Dr. Fischer, wie wir in der „Gladb. Volksztg." lesen, eine tiesergreisende Predigt, worin er u. a. alle Anwesenden zur christlichen Duldsamkeit gegen Andersgläubige, speziell gegen die israelitischen Mitbürger, ermahnte und seine ausdrückliche Mißbilligung und Verurtheilung der in einigen Gegenden vorgekommenen Ausschreitungen gegen die Juden aussprach. Aus Weftphalen. Wie den geehrten Lesern bereits bekannt, tagte vor einigen Monaten zu Bielefeld der „Ausschuß der isr. Gemeinden Westphalens." Zu den Sitzungen hatten sich Deligirte verschiedener Gemeinden genannter Provinz eingefunden. Außer andern, besonders über Gemeindeangelegenheiten, wurde auch über einen von der Synagogengemeinde Münster eingebrachten Antrag, dahingehend: „Die Versammlung wolle beschließen, daß nur eine einheitliche Gestaltung des öffentlichen Gottesdienstes in den jüdischen Gemeinden Westphalens einzuführen, eine Abänderung der rfcen, des alltäglichen Gebetbuches vorgenommen werde und daß in dem neuen Gebetbuche die Abhandlungen über die „Opfer," sowie alle Rache- und auf „die Rückkehr nach Jerusalem und die Wiederherstellung des Tempels sich beziehenden Gebete" ausfallen sollen, der übrige Inhalt aber gekürzt und neu übersetzt werde", discutirt. Der Antrag, in dem auch noch ersucht wurde, dem deutschen Elemente mehr Rechnung zu tragen, als bisher geschehen, ist, wie ebenfalls schon bekannt, mit erdrückender Majorität angenommen und zum Beschluß erhoben worden. Auch wurde die Bestimmung getroffen, daß mit der Abfassung des neuen Gebetbuches eine Commission, unter der Redaction von Rabbinern (natürlich Reform-Rabbinern) betraut werden solle. Motivirt wurde der Antrag damit, daß, da die Betheiligung am öffentlichen Gottesdienst in Weftphalen (sie) immer mehr abnehme, es nothwendig sei, die Gebete zu kürzen und die Dauer des Gotesdienstes herabzusetzen, wenn eine regere Betheiligung an demselben wieder herbeigeführt werden solle. Hervorgehoben wurde von einigen Rednern, daß die Bitte um Rückkehr nach Jerusalem und den Wiederaufbau des Tempels mit seinem Opfercultus doch mit der Vergangenheit und der Zukunft des Judenthums in zu naher Verbindung stände, um die darauf bezüglichen Gebete, mir nichts, dir nichts, ohne Weiteres abzuschaffen, wenngleich auch die darauf bezüglichen Prophezeihungen symbolisch (sic) gedeutet werden können. Doch die destructiven Mitglieder der Versammlung stimmten diesen Ausführungen nicht zu und fand der Antrag um Beibehaltung genannter Gebete keine Gnade bei ihnen. Mannigfaltige Betrachtungen drängen sich hier dem ruhigen, unbefangenen, vorurtheilsfreien Beobachter auf, Betrachtungen, sowohl ernster, als auch komischer Natur, die ihn zur tiefsten Betrübniß, anderseits aber auch zum bittersten Spottgelächter nöthigen. Also, für diejenigen verirrten Glaubensbrüder , die den Verpflichtungen unseres göttlichen Religionsgesetzes schon lange Zeit mehr oder minder den Rücken gekehrt, die sich vom Standpunkte

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