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Der Israelit · 1892-09-08 · Heft 72 (8.9.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 72 (8.9.1892)
Date
1892-09-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1376 selbst seiner Hände Mühe genoß. 'pbtt 'i bipa Tiyoip „Ich habe gehört und gehorcht der Stimme des Ewigen meines Gottes", sprach es, ^aa »nwy ’jma „ich habe gethan ganz so, wie Du mir befohlen," pBHp pyrav no’ptwi, „so schaue doch herab aus Deiner heiligen Wohnung." by D'orn »pao ^r-riw' px bw by\ i&sy. „Es bittet um Erbarmen ein Jeder für sich selbst, für sein Volk und für sein Land." Nicht aus Dank und nicht des Lohnes halber betet es zu Gott und erfleht Gottes Barmherzigkeit, sondern in Anerkennung des gütigen Schöpfers will es Alles als einen Gnadenbeweis aus Gottes Hand empfangen, wie auch Moscheh selbst das Beispiel gibt. Er, der sein ganzes Leben in den Dienst Gottes stellt, sein Volk belehrt und unterweist im Gottesworte, der so viel Leid und Ungemach durch das Volk zu erdulden hatte, er bittet: may«, „O laß mich doch hinüberziehen in das schöne Land." Und darauf bemerkt Rabbi Elieser b. Jakob: n^cra nnx nyty ns» )b “icNJ ntPD bv vtvyo Pa Cattau? rryoo inv nby ib iqhj )hdi nby. „Besser ist eine Stunde im Gebete, als gute Werke, denn wegen aller Handlungen Moschehs, wurde zu ihm doch nicht gesagt: „steige hinauf," aber jetzt spricht es Gott zu ihm." Wann man beten soll, auch darüber herrschen verschiedene Meinungen. Soll schon das Gebet aus dem Herzen kommen, ein Herzensbedürfnitz sein, so, meinen Manche, bete man eben nur, wenn das Herz uns dazu treibt. Demnach, wem das Herz keine Anregung bietet, der braucht auch nicht zu beten. Ja, wenn der liebe Gott mit der Gewährung aller zum Leben erwünschten und notwendigen Dinge auch so lange warten wollte, bis wir zu ihm bittend und betend kommen! Wie so Mancher verkehrt in Kreisen und lebt in Verhältnissen, die ihm zu einem solchen Herzensbedürfniß auch nicht den geringsten Anlaß bieten, mtc'yp -pLv ypbx 'n nrn orn. „Am heutigen Tage befiehlt Dir der Ewige, Dein Gott, zu thun", was vorher steht, nämlich Dein Gebet zu ihm zu richten. Darum fordert uns der Midrasch im Namen und mit den Worten des Psalmisten aus: rrnntw kq utsny 'n ’jsb nmaj nyw „Kommt, wir wollen uns bücken und niederknien, uns beugen vor dem Ewigen, unserem Gotte." Die Anerkennung Gottes, die darf nicht von Verhältnissen, von Zeiten, von Gefühlsstimmungen abhängen, täglich, Morgens, Mittags und Abends, in der Jugend, im Mannesalter und am Lebensabend haben wir die Pflicht an Gott zu denken. Das gehört mit zu den göttlichen Geboten, gehört mit zu den obersten Pflichten des Menschen. Nebst dieser täglichenPflicht gibt es freilich Stunden im Leben, wo unser Innerstes uns hindrängt zu Gott, wo wir, da alle Menschenmacht uns nicht Helsen kann, uns bedrückt fühlen, oder wo das Gefühl großen Glückes uns zum Ausdruck des Dankes treibt. Deßhalb lauten auch dementsprechend die B ed in gu ngen, wie es einst im Heiligthum Vorschrift war: imr&ai ^yataai ^poa rvan "in*? d*in Dia' vb vpn byw pasoi. „Man betrete nicht den Tempelberg mit Stock, mit Schuhen, mit dem Gurt und dem Staub an den Füßen." Der Stock ist eine Stütze bei körperlicher Schwäche, also eine Hilfe zum Gehen. Wenn man aber Gottes Hilfe, Gottes Schutz erfleht, wenn man vor Gott hintritt, um für irdische Schwächen und Gebrechen Seine Verzeihung anzuflehen, dann lasse man die Stütze für körperliche Gebrechen weg, dann stütze man sich nicht darauf, nehme sie nicht mit, zeige nicht, daß man schwach und gebrechlich und lasse sie nicht als Milderungsgrund dienen. Wir meinen ja immer, wir können persönliche Schwächen, irdische Verhältnisse als Rechtfertigung gelten lassen. Laß Deinen Stab fort und verlasse Dich auf Gottes Hilfe. Unler Schuh schützt unfern Fuß vor den Unebenheiten des Weges, so daß wir dadurch leichter gehen können. Wir schreiten leichter über die Unebenheiten des Bodens weg, nehmen sie schließlich nicht mehr wahr. Nicht also dürfen wir vor Gott hintreten. Denn wir könnten sonst nur die größten und schlimmsten Uebertretungen als solche anerkennen, die kleineren aber als unwesentliche ganz übersehen, gar nicht spüren. Und doch ist gerade diese Nichtbeachtung der geringen Fehler die Schuld, daß wir erst eine Uebertretung merken, wenn sie in unseren Augen groß erscheint. Man darf keine Schuhe anhaben, darf nicht geschützt sein gegen die Unebenheiten des Bodens, sondern soll fühlen, daß er oft hart und uneben W, damit man den Weg zu Gott um so leichter finde. Auch nicht mit dem Gurt um die Lenden soll man vor Gott hintreten, mit dem Gurt, in dem mau sein Geld aufzubewahren pflegt. Laß all Deine Schätze weg, die Dir sonst im Leben bei den Menschen so leicht Eingang verschaffen, so leicht Dir die Pforte öffnen; laß all Deine Schätze weg, durch die Du Dir sonst alle Genüsse und Annehmlichkeiten verschaffen kannst: Gott erkennt nur das Vermögen an Dir an, das Du i n Dir selbst trägst, den Reichthum Deiner Tugenden und guten Handlungen, Deine edle Gesinnung; diese erschließen Dir am ehesten des Himmels Pforten.

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