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Der Israelit · 1892-09-08 · Heft 72 (8.9.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 72 (8.9.1892)
Date
1892-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXm. Jahrgang. / Der Israelis Ein Zentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Vr Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 8. S e p t. 5652 (1892). Leitender Artikel. Das Gebet. Von Rabb. Dr. Sänger. Zu den Worten des kommenden Wochenabschnittes: o’pnn n« rwj/^> “pao -pp^N 'i ron ovn ^221 *]22^ ^22 DniN rWJJl mDEfl □'DDIC'Dn rwi n^KH „An diesem Tage gebietet Dir der Ewige, Dein Gott, auszuüben diese Satzungen und Vorschriften, und Du sollst sie beobachten und üben mit Deinem ganzen Herzen und mit Deiner ganzen Seele", bemerkt der Midrasch: ronrwj wo n"n 'n H222J 7ixn2n „Das ist's. was da geschrieben steht: Kommet, wir wollen uns bücken und niederknien, uns beugen vor dem Ewigen, unserem Schöpfer." Moscheh habe vorausgesehen, daß einst unserem Volke die Gelegenheit fehlen werde, die O'212'2 „die Erstlinge der Früchte seines Bodens" seinem Gotte als Zeichen der Dankbarkeit und als Beweis seiner Pflichterfüllung darzubringen, und habe deßhalb angeordnet, daß Israel dreimal täglich zu seinem Gotte sein Gebet richte, weil vor Gott das Gebet angenehmer sei, als alle guten Werke und alle Opfer. Mosche selbst habe, obgleich er so viel Gutes im Dienste Gottes gewirkt, als Gott ihm mittheilte, daß er nicht in das ersehnte, gelobte Land kommen solle, gebetet: „Laß mich doch hinüberziehen und sehen das schöne Land . . .", und darauf habe Gott zu ihm gesagt: two rby naosn „Steige hinauf auf die Spitze des Pißgah." Darum heißt es: ypbtt mn ovn “]t£np iij/dd nD'ptfn p nt>v02 2'N2 no mwyb \d „An diesem Tage hat der Ewige, Dein Gott Dir geboten zu thun", das, was vorher steht, zu beten: „Schau (0 Gott) aus Deiner heiligen Wohnung vom Himmel . . " Es wird uns in dieser Erklärung und Auseinandersetzung des Midrasch ans Herz gelegt, wie hoch Gott das Gebet anschlagt, wann und wie wir beten sollen. Die Menschen sind nicht einig über die Bedeutung des Gebetes. Wohl gibt es Zeiten und Verhältnisse, wo selbst der Leichtsinnigste, der Gottesleugner aus Angst und Noth und aus bedrängtem Herzen ein Gebet zu Gott richtet. Es giebt auch sehr Viele, welche es für verdienstlicher halten, gute Werke zu üben, als täglich, und zwar dreimal zu beten. Und nicht weniger sind es, die da sagen: Ich habe so viele Entbehrungen mir aufzulegen, so viele Opfer zu bringen, um als rechtschaffener, ehrlicher Mann dastehen zu können, daß das sicherlich Gott angenehmer und wohlgefälliger ist, als wenn ich täglich Stunden im Gebet verbringe und meine Pflicht gegen mich und meine Familie vernachlässige. Ohne näher auf diese verschiedenen Auffassungen, die ja doch alle sehr einseitig sind, eingehen zu wollen, haben wir nur das dabei hervorzuheben, daß das Noth gebet keine Anerkennung Gottes ist, daß man für die „guten Werke" auf den Lohn Gottes rechnet und sie als Rechtfertigung, ja, geradezu als Freipaß für manche nicht „gute That" betrachtet, und für die Opfer, die man sich als „rechtschaffener" Mensch auferlegt, geradezu den Dank Gottes zu verdienen glaubt und gar nicht daran denkt, daß man auch Gott manchen Dank schuldet. Gewiß ist es anerkennens-, sogar rühmenswerth, wenn man Werke der Liebe und Barmherzigkeit übt, wenn man unter Opfern sich als ehrlicher Mensch durchs Leben schlägt. Aber man thut das doch nicht blos Gott zu lieb, man hat dabei doch auch sich selbst im Auge und die Welt, in der man lebt. Daß bei allem unserem irdischen Thun auch das Herz dabei sein muß, das Herz, das unser Gott von uns verlangt; daß wir bei allem unserem irdischen Thun auch an Gott denken. daß wir damit in Seinem Sinne handeln, das ist die oberste und vornehmste Anerkennung, der vornehmste Dank und das richtige Pflichtbewußtsein, das nicht für jede rechtschaffene Handlung belohnt sein will. Unser Volk hatte die Pflicht, die ersten reifen Früchte seines Landes Gott zu widmen, bevor es

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