Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 71 (5.9.1892)
- Date
- 1892-09-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1868 Die hiesige Synagogengemeinde hat sich, nachdem die ältere im Jahre 1350 bei Ausbruch der Pest vernichtet worden, im Jahre 1680 wieder zu bilden angefangen und ist seitdem stetig, besonders erheblich in der letzten Hälfte dieses Jahrhunderts gewachsen. Seit nun zweihundert Jahren war die Gemeinde zur Ausübung des gemeinsamen Gottesdienstes ans die Benutzung gemietheter Lokale angewiesen und obwohl diese seit langer Zeit keinen ausreichenden Raum für die Mitglieder mehr boten, mußte die Errichtung eines eigenen Gotteshauses wegen der fehlenden Baumittel unterbleiben. Am 28. Januar 1888 erboten sich dann, bei Anwesenheit des Landrabbiners Dr. Gronemann, der sich lebhaft für den Bau interessirte, sechs Gemeindemitglieder, zu dem Zwecke die Summe von 30,000 M. herzugeben, und mit diesem Angebote war die Möglichkeit geschaffen, den Bau in Angriff zu nehmen, dessen Ausführung sich tndeß noch vielfach Schwierigkeiten entgegenstellten, die erst überwunden werden mußten. Unterstützt wurde das Vorhaben durch das bereitwillige Entgegenkommen der städtischen Behörden, die der Gemeinde den schön gelegenen Bauplatz für eine geringe Summe überließen. Der Bauplan ist vom zeitigen Stadtbaumeister Rich. Kampf entworfen, die Ausführung unter dessen Aufsicht dem hiesigen Maurermmeister Joh. Päpper übertragen. Die Kosten des Baues mit der inneren Einrichtung sind auf 80,000 M. veranschlagt. Am 3. Mat d. I. wurde der erste Spatenstich gethan, am 1. Juli der Vau begonnen Im Jahre der Grundsteinlegung waren Regierungs- Präsident: Kammerherr v. Colmar-Meyenburg, Oberbürgermeister der Stadt: Geh. Reg.-Rath Otto Lauenstetn, Wortführer und Vicewortführer des Bürgervorsteher - Collegiums: Justtzrath Gravenhorst und Ludolph Jenckel, Vorsteher der Synagogengemeinde.- Marcus Heinemann, Lehrer und Predidiger der Gemeinde: Theodor Philipp. Heute am 1. September 1892 ist dieser Grundstein in Gegenwart des Landrabbiners Dr. Gronemann sowie der Spitze der Königlichen und Städtischen Behörden an die Stelle niedergelegt, wo die heilige Lade ihre Stätte finden wird. Wir erbitten von Dir, Allvater, Deinen Schutz über die, die an diesem Deinem Hause arbeiten, daß kein Unfall ihnen begegne, und erflehen von Dir, daß Dein Auge wache über den' vollendeten Tempel, in dessen geweihten Räumen Jeder Trost und Erhebung finden möge, der sich im Gebet zu Dir wendet und in denen fort und fort Dein heiliges Gebot gelehret werde: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Lüneburg, den 1. September 1892." Während nun die Musikkapelle eine Beethovensche Sonate spielte, Unterzeichneten der Reihe nach folgende Herren das wichtige Schriftstück: Landrabbiner Dr. Gronemann , Regierungs - Präsident v. Colmar Meyenburg, Oberregierungs-Rath V.Massow, Regierungs-Rath Meter, Geheimer Regierungs-Rath Oberbürgermeister Lauenstein, Stadtsyndikus Keferstetn, vertretender Bürgervorsteher-WortführerJenckel, Stadtbaumetster Kampf. Nachdem die zur Aufnahme der Urkunde und einiger anderer Gegenstände bereit gehaltene Blechkapsel verlöthet war, erfolgte um 3/4l Uhr die Einsenkung und Vermauerung seitens des Baumeisters Herrn Päpper. Außer den von diesem ausgeführten üblichen Hammerschlägen, folgten unter üblicher Redebegleitung solche Seitens der Herren Regierungspräsidenten, Oberbürgermeister Lauenstein, Stadtbaumeister Kampf, Lehrer der Synagogeugemeinde Philipp, 1. Vorsitzender der Gemeinde, M. Heinemann, 2. Vorsitzender, Levy und Bürgervorsteher Jenckel. Alsdann excutirte die Musik das „Hallelujah" aus Händels Oratorium Messias, worauf der Geh. Reg.-Rath Oberbürgermeister Lauenstein folgende Worte an die Versammlung richtete: „Hochgeehrte Versammlung! Nachdem die Urkunden versenkt und die üblichen Hammerschläge gethan sind, möchte auch ich der Freude Ausdruck geben, daß die verhältnißmäßig kleine israelitische Gemeinde Hierselbst ein würdiges Gotteshaus errichtet. Große Mühen und Anstrengungen waren erforderlich, Schwierigkeiten und Hindernisse aller Art zu überwinden, bevor der Bau gesichert war; aber die unermüdliche Thatkraft und Energie derjenigen, welche sich für die Erbauung einer neuen Synagoge interessirten, führte zum Siege. Rühmend ist anzuerkennen, daß sich die kleine Gemeinde für diesen religiösen Zweck so erhebliche finanzielle Opfer auferlegt, daß auch die wohlhabenden Gemeindemitglieder, um den Bau zu ermöglichen, freiwillig so Bedeutendes geleistet haben. Gewiß, die israelitische Gemeinde ehrt sich durch dieses Werk, welches auch von der Verwaltung und Vertretung der Stadt nach Kräften gefördert ist. Möge nun der Vau unter der Leitung geschickter Meister und den fleißigen Händen der Arbeiter rasch emporwachsen zu seiner Vollendung! Möge auch der Allmächtige Alle, die bei diesem Bau beschäftigt werden, vor Unglücksfällen schirmen nud bewahren! Wenn der Tempel, welcher errichtet wird zu Ehren des Gottes, welchen wir Alle anbeten, vollendet dastehen wird in den ansprechenden architektonischen Formen, welche der Geist und die Phantasie des Künstlers für ihn ersonnen hat, so wird er sein ein immerwährendes Denkmal opferfreudiger Religiosität und eine Zierde der Stadt, welche auch die Mitglieder der israeli-