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Der Israelit · 1892-09-05 · Heft 71 (5.9.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 71 (5.9.1892)
Date
1892-09-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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I U V H •", 1362 2lrrs der Oberlousitz. Cinc prächtige Illustration zu den Schimpfereien, womit so oft von cmtyernitischcr Seite der "Jude" und Zwischenhändler der Verthenerung des Getreides sowie unsauberer Rianipulationen beschuldigt wird, liefert folgendes Geschichten, welches der „Oberlaus. Volksbote" berichtet. Ein großer Gutsbesitzer aus der Bautzener Gegend, der als fleißiger Kirchgänger, conscrbativcr vcißsporn und Judenfresser bekannt ist, hatte seit zwei Jahren seine reichen Erträge an Roggen anfgespeichert und war trotz der hohen Getreidepreise nicht zu bewegen, seine Vorräthc zu verkaufen, „da die Preise noch viel höher werden müßten, ehe er losschlüge". Bei dem gegenwärtigen Sinken der Roggenpreise sah er sich aber mm doch zum Verkaufe gezwungen. Es zeigte sich nun aber, daff der Roggen mit unzähligen sogenannten Krebsen durchsetzt war, wodurch er für den menschlichen Genuß unbrauchbar wurde. Statt nun den verdorbenen Roggen als Viehfntter zu verwenden, tödtete er die Krebse durch Chlordämpfe und verkaufte die hierdurch ungenießbar gewordenen Körner an verschiedene kleine Müller für tadellos gute abgelagerte Frucht. Da? aus dem Mehl gebackene Brod ward aber übelriechend und ungenießbar, so daß die betreffenden Müller neben ihrem Gelde auch ihre Kundschaft einbüßten. Auch müssen dieselben ihre Mühlen erst gründlich reinigen lassen, bevor wieder gutes Getreide gemahlen werden kann. Oe st er r.- Ungar. Monarchie. Wien, 18. August. Wien kränkelt an dem Uebel, daß wir des Guten gar zu viel haben, d. h. zu viele kleine Vethäuser besitzen, so daß man vor lauter Bäumen den Wald, d. h. die Hauptsynagogen nicht sicht. Und in der That ist es in dieser Hinsicht sehr traurig hier bestellt. Denn, während die Neologen vier herrliche Gotteshäuser oder Tempel und zwar einen in der inneren Stadt, einen in der Leopoldstadt, einen im Alsergrund und einen in Mariahilf besitzen, haben die Orthodoxen hier kein Mutter- oder Central-Gotteshaus, höchstens, wenn man die Synagoge in der Schiffgasse, in der der Schwiegersohn des tbid nnrt, der allgemein hochgeehrte Rabbi Salo Spitzer als Rabbiner und }t£m (Prediger) fungirt, ein solches nennen will. Dagegen findet sich hier eine beträchtliche Menge von kleinen Synagogen, und fast in einer jeden unserer 19 Stadtbezirke befinden sich wenigstens zwei derselben, oft aber noch bedeutend mehr. So besitzt die innere Stadt den Tempel in der Seitenstettergasse, in der bekanntlich Dr. Jellinek als Prediger fungirt, dann die Synagoge in der Schönlaterngaffe, in der so lang er lebte, der Dajan Rabbi Jsak Handel Tonelles seine Andacht verrichtete, dann die polnische Synagoge und schließlich die Klaus oder Chassidim-Schul. In der Leopoldstadt, dem zweitgrößten Bezirke Wiens, haben wir wieder den großen Tempel in der gleichnamigen Gaffe, der das Bethaus desWabbiners Dr. Güdemann ist, dann die neugebaute, herrliche Synagoge der Sephardim, vulgo den türkischen Tempel, dann den schön angelegten Tempel in der Fugbachgaffe, in welchem Rabbiner M. Pollak seine Andacht verrichtet, dann die schon genannte Schiffschul und schließlich noch mehrere kleine Vethäuser. Reben der Schiffschul befindet sich auch das Beth- Hamidrasch, in dem ebenfalls Früh und Abends gebetet wird, und immer nach dem Nachtgebete wird dort von dem durch seine glänzenden Vorträge bekannten Rabbi Baumgarten, ein Abschnitt aus dem Talmud klar erläutert. Mehrmals in der Woche hält hier der Rabbi Josef Bär Kohn '"2 niD-Vorträge. Derselbe machte sich jetzt durch Herausgabe der Werke seines oben erwähnten Schwiegervaters Rabbi Salomon Spitzer in der ganzen Welt bekannt. Auf der Landstraße im 3. Stadtbezirke gibt es fünf Bethäuser, unter denen das in der Unteren Viaduktengaffe, in dem Rabbinatsassessor Jacob Jtzig Loeb Fleißig '-2 als Rabbiner und Prediger fungirt, den ersten Platz einnimmt. In der benachbarten Synagoge, in der Adamsgasse, fungirt Rabbiner Freund '"2, der sich durch seinen 100jähr. jüdischen Kalender einen Namen in der jüdischen Gelelntenwelt gemacht hat. So geht es fort durch alle übrigen Stadtbezirke, diesen schließen sich dann die Vorstädte mit ihren Bethäusern und Tempeln an und dann kommen die Vororte mit ihren kleinen Bethäusern und Minjanim. Wenn dann der Monat Elul mit seinen ernsten und heiligen Tagen kommt, .dann vermehrt sich freilich die Anzahl unserer Bethäuser fast ums Doppelte; doch gleich nach dem Versöhnungstage schließen sich diese provisorischen Bethäuser, um erst im kommenden Jahre wieder geöffnet zu werden. Im Ganzen dürfte es in Wien zwischen 30—40 Synagogen geben. Selbstverständlich herrscht in fast jeder dieser Synagogen eine andere Zeitcintheilung und die Betstunden variiren dort, wie es den Herren Vorstehern beliebt. So gibt es in den 5 Synagogen der Landstraße ganz verschiedene Stunden für das Schacharithgebet, wodurch der Besuch derselben sehr erschwert wird. Freilich vartiren hier die Betstunden blos um eine Viertel oder höchstens eine halbe Stunde, aber in einer großen Stadt mit ihrem blühenden Verkehr und Handel, wo Zeit Geld, macht dies schon einen bedeutenden Unterschied. Eine einheitliche Leitung aller unserer Synagogen, welche dann auch die gleichen Gebetstunden zur Folge hätte, wäre daher sehr am Platze und würde den Besuch derselben nur fördern. Dabei könnte ja eine jede dieser Synagogen ihre eigenen Vorsteher, Gabbaim und Ehebruch beibehalten; nur müßte sie einen oder zwei Delegirte, die

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