Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1892)
- Date
- 1892-09-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1342 sind und wahrhaftig mit Willen habe ich Ihnen nicht Grund hierzu gegeben. Es scheint, daß Sie mich nicht bemerken, eine Begegnung mit mir vermeiden wollten! — Sollten Sie mir etwa deßhalb zürnen, weil Sie an jenem Abend um meinetwillen verwundet wurden, eine Narbe behielten? O! die Narbe steht Ihnen ganz vortrefflich. . . ." Lea hielt erschreckt inne, sie mochte wohl auch nicht weiter sprechen, ihre Augen hatten sich mit Thränen gefüllt und sie fürchtete beim nächsten Worte in Schluchzen auszubrechen. Levi ergriff ihre Hand und sprach zuerst sich gewaltsam bezwingend ruhig, sich aber nach und nach erwärmend: „Die Narbe habe ich schon seit einer Reihe von Jahren — und ich achte Sie nicht gering . .. ich zürne Ihnen auch nicht.wer könnte Ihnen auch zürnen?! .... Jm Gegentheil . . . . ich hatte Sie vorhin in der That nicht bemerkt; — aber Fräulein, daß ich einer Begegnung mit Ihnen ausweiche — das muß ich allerdings zugestehen!" „Warum — weßhalb?" frug Lea und blickte in angstvoller Spannung zu dem hochgewachsenen Manne empor. Raphael Levi vermochte nicht sofort zu antworten, seine breite Brust hob und senkte sich in schweren Athemzügen — endlich stieß er hervor: „Weil ich Sie glühend und doch noch selbstloser als glühend liebe, weil ich Thor fürchte, Sie könnten mich wieder lieben — weil zwischen uns eine unüberstetgltche Kluft gähnt .... weil ich Unglücklicher nicht das Schicksal eines geliebten Wesens an meines knüpfen darf! .... F-äulein Lea, ich flehe Sie an, vergessen Sie meiner, lassen Sie das Begebniß, das uns zusammengeführt, wie einen wesenlosen Traum aus Ihrem Gedächtniß verschwinden. Wenn Sie mir Dank schuldig zu sein glauben, beweisen Sie mir ihn dadurch, — daß Sie meiner zu vergessen suchen! — Leben Sie wohl! Auf Nimmerwiedersehen!" Levi wollte fortstürzen, aber Lea erhob sich rasch zur vollen Höhe ihrer herrlichen Gestalt, erfaßte seinen Arm und sprach mit ihrer schönen vor Aufregung vibrirenden Altstimme: „Herr Rafael Levi — ein Mann, wie Sie, kann nur die volle Wahrheit sprechen, ich glaube Alles, was Sie gesagt — ich glaube, daß Sie mich glühend, daß Sie mich selbstlos lieben, — ich glaube, daß sich unserer Verbindung unübersteigliche Hindernisse entgegenstellen. . . . Wir müssen uns in das Unabänderliche fügen! Aber — wenn ich nicht Deine Gattin werde, Rafael Levi! — so wahr ich an den einig-einzigen Gott glaube — dann sterbe ich unvermählt!" Lea stürzte athemlos fort. Rafael blickte, wie aus einem Traum erwachend um sich und fuhr sich langsam mit der Hand über die hohe Stirne. „Was war das?" sprach er, „war's eine Hallucination? eine kata morgana, ein schmerzlich süßer Traum?.Nein, nein! Es war Wirklichkeit .... es war eine jener schweren, harten Stunden, an denen Dein armes Leben so überreich ist, Du Armer, Unglücklicher!" Levi zuckte plötzlich zusammenschauernd empor. „Pfui! elender, herzloser Egoist! Du denkst an Dich, während vielleicht." Rafael Levi wurde in seinem Alleingespräch von zwei fremden Juden, die nach dem Herbergvater frugen, unterbrochen; — er ertheilte ihnen Auskunft und schritt dann langsam gesenkten Hauptes aus dem Hause. (Fortsetzung folgt.) Der ,3lracltt' erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel nt drstrhen det E. $. Kteinamer, Leipzig, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigrspaltene Petitzeile oder deren Rau«. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland »»» Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt lHauptbIatt>: leitender Ärntel: Das Thorasludium. Bon Rabb. Dr. M. Jung, Ung.-Brod. — Zeilungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Leipzig. Köln. Memel. — Oesterreich-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Reichenau. — England: London. — Frankreich: Paris. — Rußland: Wilna. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Aus Altona. Hamburg. Lübeck. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Koltha. — Schweiz: Bern. — Rußland: Moskau.—Marocco: Tanger. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Berichte. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Breslau. Inhalt der wiffenschaftl. Beilage: JDitfm ron^n. — Ueber den Werth der Agadah. — Recension. Inhalt der Extra-Beilage: Ein broschirtes Exemplar der y'Jin ni5 mit Notizblättern u. Omertabelle. Verantwortliche Redaction: Oöcar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.