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Der Israelit · 1892-09-01 · Heft 70 (1.9.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 70 (1.9.1892)
Date
1892-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1341 nicht zu Wort kommenhörte Lea den Gemeindediener erwiedern, „sie ist nicht zu Hause, sie ist gleich nach ihrer Ankunft, etwa vor zwei Stunden weggegangen.... ah! sie kommt eben zurück, ich sehe sie unserem Haufe zuschreiten,.... da diese ist's, die in eines der Herbergezimmer tritt." An dem Geräusch, das diesen Worten folgte, erkannte Lea, daß Levi rasch zum Fenster eilte und dasselbe aufriß; aber die Frau mußte nicht die so sehnlich Erwartete sein, denn Lea hörte, daß er tief aufseufzend, halblaut ausrief: „Ich hätte es wissen sollen, daß ich, wie immer auch heute vergeblich hierhergekommen! . . . . Daß der Mensch sich stets von Neuem von grundlosen Hoffnungen täuschen läßt!" Lea hatte von dem Momente an, wo sie Levi das Erstemal gesehen, nicht eine Stunde seiner vergessen, wachend und träumend umschwebte sie sein Bild und sie hatte es sich auch nicht einen Augenblick verhehlt, daß sich einer Verbindung mit ihm, die größten Hindernisse entgegenstellen würden, — allein, daß es möglich wäre, daß Rafael Levi ihre Liebe nicht erwiederte, — daran hatte sie nicht im Entferntesten gedacht! .... Der Gedanke lag ihr so endlos fern, daß er in ihrer Seele gar nicht aufzutauchen vermochte; — und plötzlich, urplötzlich, hörte sie aus Levis eigenem Munde, daß er sich in Sehnsucht nach einer Frau — wohl seiner Gattin oder Braut verzehrte!.Sie fühlte einen heftigen Stich im Herzen .... wie in einem Märchen, das sie in ihrer Kinderzeit gelesen, durch eines Magiers Wort, sich ein prachtvolles Schloß, zerberstend, in einen Schutthaufen verwandelte, so zerfielen ihre schönsten Hoffnungen zu Staub! Sie wollte ein Wiedersehen — das sie vorKurzem noch ersehnte — nun um jeden Preis vermeiden, sie wollte so rasch sie konnte davon eilen, aber sie vermochte es nicht, ihre zitternden Füße trugen sie nicht, sie mußte sich auf einem Mauervorsprung im Flur niederlassen. In dem Momente trat Rafael Levi aus dem Zimmer. Seine bleichen Züge trugen das Gepräge tiefster Traurigkeit. Offenbar in schmerzliche Gedanken versunken, wäre er, ohne Lea zu bemerken, an ihr vorübergeschritten, wenn ihm nicht zufällig der Knotenstock in seiner Rechten entfallen und er beim Aufheben desselben, Leas knisterndes Gewand gestreift hätte. „Ah, Fräulein Arnstein!" rief er und Helle Röthe flammte in seinen Zügen ans, „welch unerwartetes Glück Sie hier zu finden . . . ." er brach ab und setzte dann, offenbar nur um etwas zu sprechen, verlegen fort, „was führt Sie hierher?" „Ich kam im Aufträge meiner lieben Mutter; ich wollte nachsehen, ob nicht hilfsbedürftige Glaubensgenossen angelangt wären." „Wie gut, wie edel Sie und Ihre Frau Mutter sind! Sich Armer, Verlassener, Unglücklicher, vielleicht in der weiten Welt heimath- und ziellos Herum - irrender erbarmen — ist das schönste Werk der Menschenliebe!" Es trat eine Pause im Gespräche ein, Levi blickte wieder düster vor sich hin. — Lea fühlte es, daß es nicht passend wäre, das Gespräch abzubrechen, sie wollte es nur kurze Zeit fortspinnen und möglichst bald mit einer passenden Redensart abschließen; — das aber war einem Manne gegenüber, von dem sie nichts anderes wußte, als wie er hieß, und daß er ihr einen großen Dienst erwiesen, nicht leicht und sie begann stotternd — und schon während des Sprechens erkennend, wie unpassend das, was sie sprach, war. „Auch Sie fragen nach einer Person, die Sie sehnsüchtig erwarteten." Levi blickte befremdet auf und sprach fast heftig: „Woher vermuthen Sie das? ... . Sie kennen mich ja gar nicht, Sie wissen nicht wer ich bin, Sie kennen ja nicht einmal meinen Namen!" „Als ich den Flur betrat, hörte ich — ohne daß ich dies beabsichtigt hatte — durch die halb offene Thüre, was im Zimmer gesprochen wurde. . . . . Uebrigens ist Ihr Name mir nicht unbekannt. Meine Mutter hat Sie vor wenigen Tagen im Kabinete meines Großoheims Wertheimer, nach meiner Schilderung erkannt und ihn um Ihren Namen gefragt, Herr Rafael Levi". „Sie haben Ihren Eltern von mir und unserer Begegnung erzählt?.Das hätten Sie nicht thun sollen, Fräulein Arnstein!" „Ich habe es nur meiner Mutter gesagt", erwiederte Lea rasch, „vor der habe ich kein Gehcimniß." Es schien Lea, als wenn ein freudiger Zug über Levis Gesicht flöge; aber das währte nur einen Moment, seine Mienen verdüsterten sich wieder und er sprach fast hart: „Der Name eines Unbekannten hat keinen Werth, ist inhaltslos, nur ein leerer Schall .... Ihr Großoheim konnte Ihrer Frau Mutter gar nichts über mich sagen.Sie kennen mich eben gar nicht. ... Sie sprechen mich heute zum zweitenmale in Ihrem Leben. . . ." Das widerstrebende Wesen Levis regte das junge Mädchen aus und sie sprudelte trotzig hervor: „Ich spreche Sie heute das zweitemal in meinem Leben und kenne Sie doch.Sie sind ein edler, aber ein höchst sonderbarer Mensch! . . . . . Weßhalb benehmen Sie sich so abweisend gegen mich? — Schon das Erstemal verschmähten Sie — den mir erwiesenen Dienst hartnäckig verkleinernd — meinen Dank, — ich muß glauben, daß Sie mich gering achten, über mich aufgebracht

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