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Der Israelit · 1892-09-01 · Heft 70 (1.9.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 70 (1.9.1892)
Date
1892-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1340 werden, sondern sogar die Geräthe, worin dasselbe gekocht wurde, müßten „gekaschert" werden. — Das hiesige p nn, welches sich dem Ausspruche des Kownoer Rabbiners, der bekanntlich als der größte lebende Talmudist allgemein anerkannt ist, fügte, telegraphtrte den englischen D’ornv, Rotterdam zu verlassen. Frankreich. Paris Nicht blos in Deutschland suchen versinkende Parteien sich am Strohhalm des Antisemitismus zu retten. Der Bonapartismus hat in Frankreich ebenfalls den Versuch gemacht, dnrch Begünstigung antisemitischer Bestrebungen sich eine, wenn auch noch so anrüchige Popularität zu verschaffen. Diesem Streben ist Prinz Viktor Napoleon energisch entgegengetreten. Sein Berather, Edmond Blanc, sendet an den „Figaro" ein Schreiben, in welchem er als der Dolmetsch der Gesinnung des Prinzen Viktor erklärt, derselbe wolle weder einen sozialen noch einen religiösen Krieg. Wenn er sich erinnere, daß er der Erbe des Urhebers des Konkordats sei, so habe er ebensowenig vergessen, daß sein Großvater es gewesen, der die Juden entgiltig emanzipirt habe, indem er ihnen das französische Bürgerrecht zuerkannte. Paris, 25. August. Am nächsten Montag wird vor dem Pariser Schwurgericht die Verhandlung über das vielbesprochene Duell zwischen dem Marquis de Morös und dem Hauptmann Mayer, welches dem letzteren das Leben kostete, beginnen. Die Angeklagten sind de Morös, der des freiwilligen Mordes beschuldigt ist, seine Zeugen Gu«rin und de Lamase, endlich die Sekundanten Mayer's die Hauptleute Oelorme und Poujade. Diesen 4 Sekundanten hauptsächlich wird die Verantwortlichkeit zugeschrieben, denn die Untersuchung hat ergeben, daß sich die Haltung de Morös in dem Zweikampf, der kaum 3 Sekunden dauerte, nicht beanstanden lasse. Der Angkläger, General-Advokat Lafon, wird den Sekundanten die Leichtfertigkeit Vorhalten, mit welcher sie zu dem Duell ihre Zustimmung gegeben, nachdem sie doch in einer ersten Besprechung erklärt hatten, es liege kein Grund für dasselbe vor. Desgleichen will er ihnen zur Last legen, daß sie den beiden Duellanten gestattet haben, sich der ungewöhnlich schweren Degen (sogenannter colichemardes) zu bedienen, welche die Zeugen de Morös mitgebracht hatten, obgleich ihnen andere Degen zur Verfügung standen und sie wissen mußten, daß Mayer sich in einem Zustande ungewöhnlicher Schwäche und Ermüdung befand. Es sind zahlreiche Zeugen vorgeladen; unter ihnen befindet sich Herr Ernst Cremieu-Foa, der das Duell veranlaßt hatte, indem er den Blättern unvorsichtige Mittheilungen über den Zweikampf seines Bruders, des Rittmeisters Cremieu- Foa, mit de Lamase machte. Mit besonderer Spannung erwartet man die Aussage des Journalisten Leo Taxil. Dieser, der sich ehedem durch seine Spottschriften über die Bibel bekannt gemacht hatte, ist jetzt der gründlich bekehrte Redakteur des ultramontanen Blattes „La France chrßtienne“. Seine Aussage bildet eine der Hauptstützen der Anklage, denn er will von einem der Sekundanten des Marquis de Mores, Guerin, die Aeußerung gegehört haben: „Wir wollen eine Judenleiche!" Guerin stellt jedoch dieselbe entschieden in Abrede. 29. Aug. Unter großem Andrange des Publikums begann heute vor dem Schwurgericht der Prozeß gegen den Marquis Mores, der am 23. Juni im Degeuduell den Professor der polytechnischen Schule, Hauptmann Mayer tödtete. 30. Aug. Der Staatsanwalt verurtheilte in den schärfsten Worten die antisemitische Kampagne. Die Angeklagten hätten vor sich eine Blutfurche gezogen, bald würde die öffentliche Entrüstung ihre Presse und ihre Federn vernichten. Die Jury möge die Männer verurtheilten, die versucht hätten, in Frankreich einen Religionskrieg zu entfesseln. Die Jury sprach Morös und die übrigen Angeklagten frei. Am Ausgang des Gerichtssaales fand eine Kundgebung der Genossen der Freigesprochenen statt. Rußland. Wilna, 19. August. In Jendagzejo ist der reiche jüdische Gutspächter Rafael Goldmann in der Nacht von einer aus circa zwanzig Personen bestehenden Räuberbande überfallen und sammt seiner Familie und Dienerschaft, im Ganzen 11 Personen, grausam ermordet und beraubt worden. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (13. Fortsetzung.) „Ich kann den tiefen Schmerz der armen Mutter mitfühlen", sprach Levi bewegt, „und ich hoffe, daß es des Oberhoffaktors mächtigen Einfluß gelingen werde, die Rückgabe des Kindes an die Mutter zu erlangen. . . . Aber Ihr spracht von sieben Angekommenen und habt bis jetzt nur zwei genannt!" „Es kamen noch an: Der Sofer*) aus Eisenstadt, ein Jeruschalmi") und sein Diener, ein Handelsmann aus Prosnitz und eine Frau — vielleicht ist es ein Mädchen — aus dem Reich." „Aus dem Reich? Aus Deutschland?" schrie Levi leidenschaftlich auf, „warum habt Ihr nicht diese gleich genannt!? Wie sieht sie aus;. wo ist sie?.... wo kann ich sie sprechen?.... So gebt doch Antwort, Ihr seht es ja, mich verzehrt die Ungeduld!" „Ihr laßt mich ja vor ungestümer Neugier 1) Gesetzesrollenschreiber. 2) Jerusalemite.

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