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Der Israelit · 1892-09-01 · Heft 70 (1.9.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 70 (1.9.1892)
Date
1892-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1339 wäre es kaum möglich, daß ihr Organ ein Unheil über die bisherigen Bundesgenossen veröffentlicht, wie es vernichtender kaum geboten werden kann. Die „Neuen Tiroler Stimmen" schreiben nämlich: Den Antisemitismus als Religions- oder Racenfeindschaft lehnen wir gleichwie die deutschen Katholiken ab. Wir wissen, daß diese Parteibewegung im protestantischen Preußen und im schismatischen Rußland entstanden ist und daß sie bei uns nur im ungläubigen Wien ernstlich Wurzeln gefaßt hat. Christlich ist sie nicht, katholisch noch weniger, die Kirche hat sie nie gebilligt noch ermuntert. Im Gegentheile lehrt die Geschichte der Kirche, daß diese Lehrerin der Völker immer und überall den Ausschreitungen der Bevölkerung gegen die Juden entgegengetreten ist. Als Programm ist der Antisemitismus der Sammelpunkt der divergirendsten Meinungen der Sozial-Demokratie bis zur Betschwesterei, wie es eben nur eine bloße Negation sein kann. Wenn die Wiener Antisemiten zum großen Theile sich noch dazu als Deutsch-Nationale zeigen und dem alten Culturkämpfer und Freunde Bletchröders, dem Fürsten Bismarck, zujubeln, so scheidet sie das noch mehr von uns, die als Katholiken gute Oesterreicher und Patrioten bleiben wollen. Falls aber die Herren als Reformpartei auftreten, falls sie insbesondere auf sozialem Gebiete ihre Thätiakeit beginnen wollen, werden sie unserer Sympathien sicher sein, sobald wir wirklich christliche, katholische Thaten sehen. Bis jetzt haben wir nur Worte gehört, meist Schmähworte und keine Leistungen zu verzeichnen, gar keme. Auch ihre Programme sind, so weit sie Positives enthalten, durchaus nicht neu. Budapest. Die Redaktionsleitung der „Allgemeinen Indischen Zeitung" ist seit einigen Tagen ans den bekannten Journalisten und bisherigen Hilfsredakteur, Herrn Leopold Großberg, der im Kreise seiner Fachgenossen wie auch beim lesenden Publikum sich der besten Sympathien erfreut, übergangen. Dieser Redaktionswechsel hat im Kreise der ungarischen orthodoxen Leserwelt einen wohlthuenden Eindruck hervorgerufen, indem man in Herrn Großberg einen ehrlichen offenkundigen Verfechter der orthodoxen Interessen kennen gelernt, der sich infolge seiner Charakterfestigkeit in gar keiner Weise von seinem vorgestreckten Ziele abirren läßt. Budapest. Herr und Frau Siegmund Brody feierten am 15. August auf ihrem Sommeraufenthalt in Gödöllö das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Die schöne Feier fand im engsten Familienkreise statt, und nur das Personal der Unternehmungen, an deren Spitze Herr Siegmund Brody steht, ließ es sich nicht nehmen, seine Glückwünsche dem jubilirenden Paare darzubringen. Am Sonntag Abends erschien das ganze technische Personal des „Hungaria"-Buchdruckerei- und Verlagsunternehmers und bereitete dem Ehepaare Brody eine sinnige schöne Feier. Herr Siegmund Brody machte die Mittheilung, daß er als Anfang eines durch ihn zu begründenden größeren Pensionsfonds eine Stiftung von 100.000 Gulden mache für das gesammte Personal des in seinem Besitze befindlichen „Hungaria" Buchdruckerei- und Verlagsuntcrnehmens, nämlich für die Mitglieder seiner Journale sowie für die in der Administration und Buchdruckerei Angestellten, und zwar in der Weise, daß die jährlichen Zinsen der besagten Summe zur Pensionirung der wegen vorgerückten Alters oder Krankheit Arbeitsunfähigen, eventuell ihrer Wittwen und Waisen verwendet werden mögen. Die näheren Modalitäten hat der Stifter noch nicht endgiltig festgestellt, aber das Pensionsinstitut tritt schon im laufenden Jahre in's Leben. Außerdem hat Herr Siegmnnd Brody an demselben Tage für arme israelitische Studenten eine Stiftung von fünfzigtausend Guldeu gemacht. Reichenau N. O. Bei dem jetzt herrschenden Antisemitismus ist es erquickend zu hören, daß ein Mitglied unseres erhabenen Herrscherhauses zur Rettung eines Juden mitwirkte. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag entstand ein Feuer in dem Geschäftslokale des hiesigen Juden Sa lomon Holzer. Auf die allarmirenden Hornsignale des Nachtwächters, eilte zuerst Sr. K. Hoheit Erzherzog Karl Ludwig vom Schlöffe „Wartholz" zur Hilfe. Die Frau Erzherzogin Maria Theresia weilte ebenfalls bei der Brandstätte und hat in Kübeln Wasser herbeigetragen; sie blieb daselbst bis das Feuer, das einen großen Schaden verursachte, gelöscht war. Ed. Fried mann. England. London, 25. August. Nachdem die königl. Regierung die Einfuhr lebenden Viehes aus Sanitüisgründen verbot, sah sich die hiesige jüdische Gemeinde veranlaßt, einige D’önn* nach Rotterdam zu senden, um dortselbst Kleinvieh, namentlich Hammel (mutton) rituell zu schlachten und hierher zu versenden. Dem trat Herr Dr. Ritter, Rabbiner zu Rotterdam, energisch entgegen. Angeblich wollten die englischen D'tarw sich unter Dr. Rttter's Autorität und Aussicht stellen, derselbe habe dennoch unter keiner Bedingung den hiesigen onsrnr, in Rotterdam für England zu schlachten gestattet und erhvUe sich eine Z istimmung von dem berühmten Rabbi Jizchak Elchanan zu Kowno (Rußland) für seine Verbote. Es wurde in den hiesigen Blättern veröffentlicht, daß Herr Rabbiner Dr. Ritter mit Zustimmung des Kownoer Raabiners und noch anderer russischen Rabbinen das von englischen cromicr in Rotterdam geschlachtete Vieh als „verboten" erkläre und nicht nur dürfe das Fleisch nicht gegessen

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