Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1892)
- Date
- 1892-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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auszusprechen, die Hoffnung zu hegen, daß die Thora, welche uns Moscheh gegeben ein Erbtheil der Gemeinde Jakob's für alle Zeiten bleiben werde, nur wenn sie uns durch die gründliche Erforschung derselben als „verlobt" erscheint, vom Reiz der Neuheit und der Lebensfrische umgeben und darin von lieblicher Anmuth umflossen. Zeitungsnachrichten und Correspon-enzeu. Deutschland. Mainz, 29. August. Von dem Wunsche geleitet, unseren Lesern vor dem Neujahrsfeste eine kleine Freude zu bereiten, haben wir unserer heutigen Nummer einen jüdischen Portemonnaie- Kalender beigelegt. Derselbe enthält auf dem Umschläge die erste Seite unserer Nummer 54 in photographischer Verkleinerung, am Schluffe eine Omertabelle, sowie ein Verzeichniß von Märkten; zwischen den Blättern, die das Kalendarium enthalten, sind leere Seiten zu Notizen angebracht; mögen unsere freundlichen Leser und Leserinnen nur Gutes und Angenehmes darauf zu verzeichnen haben. Mainz, 28. August. In dem heutigen Begrüßungsabend der „Neununddreißigsten General- Versammlung der Katholiken Deutschlands" in der Stadthalle, betonte Oberbürgermeister Oechsner die Unveräußerlichkeit der Gewissens- und Religionsfreiheit, die zu erhalten es nur unseres Willens bedürfe. Es folgten Ansprachen der Gäste. Boul führte aus, in Baden hätten die Katholiken noch keine Gleichberechtigung mit den andern Staatsbürgern (Pfuirufe.) Alle Katholiken müssen deßhalb die badischen Katholiken in ihrem Kampfe unterstützen. Lingens verlangt gleiches Recht für Alle; auch die jüdischen Glaubens sind, sollen nicht um ihrer Confession willen unterdrückt oder benachthetligt werden. (Bravo.) Er bringt ein Hoch auf den Oberbürgermeister Oechsner, den Beigeordneten Geyer und die Stadt Mainz aus. Berlin. Ueber ein neues Kunststückchen der Antisemiten wird in der Breslauer Morg.-Ztg. berichtet. Das Blatt gelangte in den Besitz einer Liste, welche eine Reihe von Namensunterschriften Gewerbetreibender enthielt, die sich angeblich verpflichtet haben sollten, „praktischen Antisemitismus" zu treiben und daher dem Wohlwollen der Herren Antisemiten empfohlen wurden. Es hatten bereits mehrere der auf der Liste Genannten in Zeitschriften an die genannte Zeitung erklärt, daß ihr Name ohne ihr Wissen auf die Lifte gesetzt sei, und daß sie auf das Vertrauen, welches die Antisemiten in sie setzen, verzichten. In einer ihrer letzten Nummern bringt das Blatt wiederum solche Zuschriften. Ein Herr Joseph Priemer jun. erklärt, daß er niemals eine Unterschrift zu derartigen Zwecken gegeben habe. Schlossermeister R. A. Kneis schreibt, daß er gegen seinen Willen unverschämterweise von dem Verfasser jener Liste auf diese gesetzt sei. Wie die Antisemiten die Sache anfangen, ergiebt sich aus folgender Zuschrift des Schneidermeisters Ernst Slota: „In Nr 192 Ihres Blattes fand ich unter dem Verzeichniß der antisemitischen Geschäftsleute meinen Namen eingeschaltet; erlaube mir gefälligst mitzutheilen, daß ich ohne jedes Wissen zu welchem Zwecke meinen Namen gegeben habe. Zu mir kam ein Mann, welcher mir mittheilte, er käme eben von den Herren Weiß und Binner, von denen er geschickt sei, und die auch ihren Namen gegeben hätten, zu einer vortheilhasten Geschäfts-Annonce. Da mir der Mann nicht vom Halse ging, sagte ich: „na meinetwegen". Bald darauf sah ich meinen Namen in dem oben erwähnten Verzeichniß; jetzt wurde mir erst klar, zu welchem Zwecke mir mein Name abgezwungen wurde. Ich erkläre hiermit, daß ich kein Antisemit bin, noch zu dergleichen Agitationen meinen Namen hergegeben habe. Es wäre undankbar gehandelt, wenn ich mich von den Antisemiten bekehren lassen wollte, da ich bei meinem umfangreichen Verkehr mit jüdischen Geschäftsleuten nur stets Gutes erfahren habe." Hoffentlich werden solche Fälle nicht nur der Oeffentlichkeit, sondern auch den zuständigen Behörden unterbreitet werden. Die Skrupellosigkeit gewisser Antisemiten geht jetzt so weit, daß ihnen gegenüber Schonung nicht am Platze ist. Berlin, 23. August. Das Leben und Treiben der Nordafrikanischen Juden schildert Rudolf Fitzner (Tunis) in Nr. 9 des „Globus". Die nordafrikanischen Juden sind sämmtlich Talmudisten und leben streng nach den Gesetzen ihrer Religion. Wenn sie auch durch Jahrtausende geknechtet und getreten wurden, so hielt sie doch stets der Glaube aufrecht, daß sie allein die Kinder des auserwählten Volkes wären, und ließ sie stumm und geduldig alle Prüfungen und Erniedrigungen ertragen. Sie halten sich für die Glieder einer geistigen Aristokratie. Ein Theil derselben hat sich dem Handwerk gewidmet und gewinnt in ehrlicher Arbeit ein ehrliches Brot. In den Bazaren findet man sie vielfach als Schneider, Schuhmacher, Glaser, Metall- und Goldarbeiter thätig, und diese Handwerker haben bei fleißiger Arbeit oft einen nicht geringen Grad von Geschicklichkeit im Gebrauch ihrer primitiven Werkzeuge erworben. Andere sind Seifensieder, Stubenmaler, Weißtüncher oder spielen bei festlichen Gelegenheiten als Musikanten Geige, Klarinette und Tamburin, auch jüdische Köche und Kutscher sind in den Küstenstädten eine häufige Erscheinung. Die jüdischen Gemeinden schließen sich aneinander eng zusammen und bilden eine festgefügte Phalanx gegen die sie umgebende Welt der Ungläubigen. Der Rabbiner besitzt eine fast unumschränkte Macht über die Angehörigen seiner Synagoge, er verhängt Strafen von leichter Geldbuße bis zum Bannfluch und sorgt aus den in die Kasse der Gemeinde einfließenden Gelder in der umfassendsten Weise für nothleidende Genossen. Ein Jude wird nie in Noth und Elend verkommen, er findet einen starken Stützpunkt in seiner Gemeinde, die ihm