Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1892)
- Date
- 1892-09-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1336 und das Ewige faßt in sich die graueste Vergangenheit sowohl wie das glühende Morgenroth der jüngsten Zukunft. Aber die Thora ist nicht allein ein Abbild der Weisheit und Herrlichkeit Gottes, sondern auch eine Meerestiefe, auf deren Oberfläche die Weisheit des Menschen sich abspiegelt. Nicht die göttliche Weisheit, welche in jedem Satze der Thora hell leuchtet, war es allein, die den Verstand des Israeliten mächtig anzog, sondern jene Eigenthümlichkeit derselben, daß sie eine Fundgrube für die Ideen der Menschen bildet. Diese Eigenthümlichkeit der Thora wird im Midrasch mit folgendem Satze angedeutet: mit .TP DHDW1 “I1JH VUD ms?n P813) “jnjiDN nm nnpaV crtenn iönw „Mit jedem Tage erscheinen neue Engelschaaren zum Dienste des Herrn aus dem Feuerstrome, der von Gott ausgehend sich ergießt und stimmen neue Lieder an, denn so heißt es: „An jedem Morgen entstehen neue Schöpfungen, groß ist Deine Treue." Der von Gott ausgehende und sich ergießende Strom ist der Feuerstrom der Thora, m vx nv'v, die daraus auftauchenden Engelschaaren sind die durch die Forschung aus der Thora geschöpften Ideen und Gedanken. Sie singen ihre Lieder, eine jede neue, dem göttlichen Born der Thora entströmte Idee ist eine neue Verherrlichung derselben. Sie gehen schließlich im Strome unter, obgleich Resultat der Menschensorschung sind sie aus einem Gusse mit der Thora, nichts anderes als verschwindende Tropfen im Meere der Thora. Und diese alltäglichen Neuschöpfungen durch den Menschengeist sie bewirkten, daß Israel mit einer beispiellosen Zähigkeit die Thora festhielt und sein Herzblut zur Rettung seiner Thora stets hinzugeben bereit war. Daher der Midrasch: "jn'td ,naa 'i ^ip mo iai i?ipi "low» l^ipa iiDyb Su’ 'na Pa pN hin p«n nm D’Dt&n tn Npn la anatp n"apn ,pon ^ipa nipipn ^a ,naa 'i Pip t*bx ,naa 121b “pis xbo ’JN .31 N32* misoon ibn jn” 'i iowb' Die gewaltige Wirkung, welche die Offenbarung der Thora hervorgebracht, hat zum Thetl ihre Ursache darin, daß die verkündende Gottesstimme noch heute nicht verhallt, noch heute im Munde der Erforscher der Thora forttönt, im Gottesworte „ein großes Heer" eine Fülle von Ideen enthalten, die der Menscheugeist aus dessen Tiefe an's Tageslicht ördert und durch die kraftvollen Bestrebungen die Thora zu ergründen, die gefundenen Gedanken und Ideen zu Lieblingskindern der Menschen werden. Es liegt nun auf der Hand, daß diese göttliche Eigenthümlichkeit der Thora, die Verschmelzung des Alten mit dem Neuen, die Ausstattung des Alten mit Lebensfrische und des Neuen mit gebietender Ehrfurcht, ohne Forschung in der Thora undenkbar ist. Der Ausspruch unserer Weisen: naiv ixa ntn ova vp M nyn nv'ö nnwa xbx i«a nrn opa yy, ’PD ■6ruru ovn \bta ahn Q’Jty' ist kein Machtgebot, welchem wir uns blindlings zu unterwerfen haben, daß wir die Thora als neu betrachten mögen, obgleich sie uns alt erscheint und wir die Thora als erst jetzt gegeben uns vergegenwärtigen müßten. Eine solche Aufforderung käme einem Gebote gleich, den eisig wehenden Sturmwind als einen sanft säuselnden Frühlingshauch zu betrachten. Die Thora soll uns nicht als neu erscheinen, sondern durch Forschung in derselben in Wirklichkeit neu sein. Durch das Forschen in der Thora geht uns mit jedem Tag ein neues Licht auf, neue Sonnen tauchen auf an unserem Geisteshorizont, und umstrahlen die Thora mit neuem Glanze. Sie scheint nicht neu zu sein, sie ist es. Ein solches Erforschen der Thora führt nicht allein zur glühendsten Begeisterung für dieselbe, sondern auch zur kräftigen Betätigung der erforschten Wahrheiten im Leben, eine jede durch mühevolles Forschen gewonnene Idee ist uns lieb und theuer, wir fürchten, sie könnte unserem Geiste spurlos entschwinden und sind deßhalb vom Streben erfüllt, derselben in der Erhebung zur lebensvollen That ein ewiges Denkmalzu errichten. Ein solches Forschen füllt aber auch unser Herz mit Dank für den Geber der Thora, dieser göttlichen Quelle, voll der herrlichsten Weisheit. *6: croanp iW nr nan ,pN,n mnx na ob» 'napn wtew ny »nwYB Q’K'a^ V?KtP »rmtri’s nipn nmina iana by min n« oaiy by und wie der Talmud erläuternd htnzufügt: Die Verödung Palästinas war eine Folge der Hintansetzung der Thora von Seiten Israels: Die Hintansetzung der Thora war aber nicht ein plötzliches, unmotivirtes Fallenlassen, sondern das Endresultat der nicht genügenden Erforschung derselben. Der Anfang des traurigen Endes war, daß die Thora aufgehört hat eine sprudelnde Quelle zu sein, man ftudirte sie aber nur „kursorisch", sie verlor dadurch ihre Lebensfrische, den Reiz des Neuen, stand dem „Forscher" fremd gegenüber, sein Herz kannte nicht die beseligende Freude, welche derjenige empfindet, dem nach langem Forschen eine neue Idee aufgeht, die über bisheriges Dunkel Licht verbreitet, füllte sich deßhalb nicht mit Dank für die gespendete Jdeenfülle der Thora und diese anfängliche Vernachlässigung des Thorastudiens, sie führte schließlich zur völligen Hintansetzung und Verwerfung der Gotteslehre. Wie tiefsinnig bemerken deßhalb unsere Weisen zum Satze: ntsniD nno ,ntPo uP ms min, np’n Pn hdiind Sie sind nicht berechtigt, den Satz