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Der Israelit · 1892-08-29 · Heft 69 (29.8.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 69 (29.8.1892)
Date
1892-08-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1819 Danzig, 16. August. Die Danziger Zeitung schreibt: Die Hoffnungen der Antisemiten sind plötzlich merkwürdigerweise besonders ans den Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg gerichtet. Weßhalb, weiß niemand sonst. Das Hauptorgan der „Deutsch-Sozialen" schreibt folgenden Blödsinn: „Obwohl wir an den unmittelbar bevorstehenden Rücktritt Caprivis keinesfalls glauben, vertiefen sich in Berlin doch die Gerüchte über seine zunehmende Amtsmüdigkeit. Selbst das freundliche Winken der „Kreuz-Ztg.", welche jetzt wieder in das gouvernementale Fahrwasser einlenkt, vermag ihm nicht die frühere Zuversicht zurückzugeben. Die politische Agonie seines Systems tritt immer deutlicher zu Tage. Unter solchen Umständen ist es begreiflich, daß sich die Augen der politischen Kreise mehr und mehr auf Graf Eulenburg richten, der sicherlich sehr bald die Zügel in die Hand nehmen wird. Die Miquel'sche Kanzlercandidatur hat sich inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst. Man spricht nicht mehr davon! Die unabsehbare Zukunft gehört unzweifelhaft dem Grafen Eulenburg, welcher auch in der Iudenfrage eine uns günstige Auffassung haben dürfte. (!!) Er ist gewiß kein Freund dieser Eindringlinge und wird sie hoffentlich auch dementsprechend behandeln." Womit Graf Eulenburg es verdient hat, eine solche Anerkennung gerade von dieser Seite zu erhalten, haben wir bisher noch nicht ergründen' können. Dasselbe antisemitische Blatt bringt übrigens noch andere Neuigkeiten. Der verhaßte Justizminister Schelling wird nach einem Berliner Telegramm seine Entlassung nehmen, und zwar heißt es in dem Telegramm „wegen eines Conflicts mit dem Cioilcabinet in Folge eines im „Reichsboten" vom 4. August veröffentlichten Artikels über „Christlichen Royalismus." — Es wird in dem betreffenden Artikel behauptet, daß zur Zeit in Ministerien und Bureaus geklagt worden, daß die nothwendigen Tagesarbeiten im Civilcabinet, selbst bezüglich Todesnrtheile, nicht genug fortschreiten. Wie man den Artikel mit einem Entlaffungsgesuch des Ministers in Zusammenhang bringen kann, ist unverständlich. Das wäre doch nur dann möglich, wenn Herr v. Schelling selber die Anklagen im „Reichsboten" gegen das Civilcabinet veranlaßt hätte. Selbst der Gewährsmann der antisemitischen Blätter wird das schwerlich glauben. Daß der übrigens streng conservative Herr v. Schelling den Haß der Antisemiten schon längst auf sich gezogen hat, ist bekannt. Sie vergessen eben, daß Herr v. Schelling Justizminister ist und als solcher handeln muß. Der Zorn gegen die Gerichte, wenn sie Urtheile fällen, die ihnen nicht gefallen, entstammt derselben Quelle. Kiel. Vor Kurzem ist der hiesige cmerit. Eautor und Lehrer, Herr B. Jsaacsohn gestorben. Derselbe, ein pflichtgetreuer Beamte, war eine in allen Kreisen der Bevölkerung beliebte Persönlichkeit. Bro rrberq, 12. Aug. Der bisherige Amtsgerichtsrath Herr Peltasohn hiersclbst ist unter Beförderung zum Landgerichtsratli au das hiesige Landgericht versetzt worden. Herr P. ist seit einer Reihe von Jahren Vorsitzender des Repräsentantcnkollegiums der hiesigen Synagogcn-Gemeinde. Aus Stratzburg wird geschrieben: Die „Antisemitische Korrespondenz" brachte kürzlich die folgenden Notizen: „In Metz versammelte unser Abgeordneter v. Liebermann am 22. Juli die Mitglieder der dortigen Ortsgruppe, die sehr zahlreich erschienen waren. Ter Arbeitseifer und die Begeisterung der dortigen Gesinnungs-Genossen für die deutschsoziale Sache läßt hoffen, daß die deutschsoziale Bewegung auch dort bald ein Faktor im öffentlichen Leben werden wird. Im Elsaß haben die Deutschsozialen in mehreren Orten, besonders in Straßburg und Mühlhausen, festen Fuß gefaßt, und die deutschsozialen Antisemiten des badischen Oberlandes betrachten es als ihre besondere Aufgabe, auch die bäuerliche Bevölkerung im Elsaß zur Abwehr gegen das Judenthum aufzurusen oder zu organisiren." Wenn wir auch die Mittheilnngen der „Antis. dorr." über die Fortschritte des Antisemitismus im Reichsland im Einzelnen für übertrieben halten, so dürfte doch soviel davon richtig sein, das; allerdings Versuche zn einer Eroberung des Elsasses für den Antisemitismus gemacht und geplant werden. Daß der Antisemitismus von der Reserve nichts wissen will, welche sich seither die Altdeutschen im Reichsland auferlegt haben, alle Parteiunterschiede hintanznhalten und nur Deutsche zu sein, versteht sich bei seiner bekannten Gewissen- und Serupellosigkeit von selbst. Die deutschen Beamten im Reichsland aber, ohne deren Betheiligung bei der eigenthiimlichen Lage der Dinge dort eine solche Agitation nicht ins Leben gerufen und betrieben werden kann, werden sichs doch zu überlegen haben, ob sie als die ersten dem Antisemitismus zu Liebe jene patriotische Zurückhaltung aufgeben wollen; und auch die Regierung von Elsaß- Lothringen würde sich schwerlich vor dem Verdacht einer Begünstigung schützen können, wenn es wirklich in Metz oder Straßburg oder Mühlhausen zu einer antisemitischen Hetze kommen sollte, lind so barf_ man einstweilen doch noch das Vertrauen haben, daß die antisemitischen Hoffnungen für das Reichsland — Hoffnungen und fromme Wünsche bleiben. Metz. Wie unbegründet die Behauptung der Antisemiten ist, die Inden seien Feinde des Deutschthums, beweisen die folgenden Bemerkungen in dem Artikel „Metz" in Nummer 101 der „Köln. Ztg." vom Jahre 1880: „Am treuesten an der deutschen Muttersprache hielten die Juden fest. Die Machthaber der ersten französischen Republik fanden keinen andern Ausweg, die jüdische Bevölkerung mit den neuen Grundsätzen bekannt zu machen, als für dieselbe eine deutsche Zeitschrift Herstellen zu lassen. Dieselbe erschien vom Jahre 1789 ab wöchentlich in sogenannter jüdisch-deutscher Sprache

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