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Der Israelit · 1892-08-29 · Heft 69 (29.8.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 69 (29.8.1892)
Date
1892-08-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1315 Weise und geringen Bedürfnissen sich mit einem mäßigen Gewinne begnügten und überdies bessere, dauerhaftere Maare lieferten. Die Kaufleute jammerten wieder: Die Geschäfte gingen viel schlechter, als zur Zeit der Anwesenheit der Juden — aber alle vereinigten sich in rührender Ucbereinstimmung zu der Erklärung: Sie könnten weder die Steuern der Inden, die sie zu zahlen sich veiflichtet hatten, noch ihre eigenen entrichten, nnd der Kaiser mußte diesen Versicherungen um so mehr Glauben schenken, als die Steuerbehörden berichteten, sie vermögen, auch bet Anwendung der schärfsten Zwangsmittel, nicht die Ausstände der landesfürstlichen und städtischen Gicbigketten einzutreiben. Die traurigen Verhältnisse der Sradt Wien machten sich sogar in den allerhöchsten Kreisen in drückendster Weise fühlbar. Die Steuergelder der Wiener Einwohnerschaft, — die in der Regel am sichersten und raschesten cingingen und am nächsten lagen — wurden für die Bedürfnisse der kaiserlichen Familie und des Hofstaates verwendet. Da nun diese Giebigkeiten seit der Vertreibung der Juden entweder gar nicht oder nur spärlich einflossen, ergriff die Hofkammer anläßlich der Begutachtung des Gesuches der vertriebenen Juden um Gestattung der Rückkehr, Veranlassung dem Kaiser allerunterthänigst die Bitte zu unterbreiten, er geruhe zu befehlen, daß die Vertriebenen mit thunlichfter Beschleunigung zurückgerufen würden, und unterstützten ihre Bitte mit dem drastischen Grunde, daß es sogar an Mitteln fehle, um die Küchel und Keller Euerer Majestät zu versorgen. In demselben Gutachten wird es auch ausgesprochen, daß es nur „etliche Krämer und Handelsleuth" gewesen, welche die leicht bethörte Masse irre geleitet und hierdurch das Unglück herbeigeführt und wird namentlich mit stärkster Betonung versichert, daß die Hofkammer das Gesuch der Juden um Rückberufung nach der Residenz für ein sonder ares Glück halte und selbiges keinsfalls aus Händen zu lassen vermeinet, schließlich behauptet die Hofkammer, daß alle die Gründe, welche die Petenten seiner Zeit für die Austreibung der Juden angeführt, auf Lügen und Verleumdungen beruhten und die Triebfedern der Bittwerber, entweder jener Gewinnsucht, die sie selbst den Juden vorwarfen, oder blindem Glaubenshasse entstammten. Wenn schon das Vorangeführte die Rückberufung der Juden als unabweisliche Nothwendigkeit erscheinen ließ, so mochten wohl auch noch Gründe anderer Art, den von Natur aus gütigen, edlen, nur von nichtswürdigen, elenden Rathgebern irregeführten Kaiser vermocht haben, durch Widerruf des vor drei Jahren mit großer Feierlichkeit verkündeten Beschlusses, vor aller Welt zu bekennen, daß dieser ein Unrecht gewesen. Wie wir schon erwähnten, hatte der Bischof von Wiener Neustadt, Graf Kolenits, die Fehlgeburt der Kaiserin als eine Strafe dafür bezeichnet, daß der Kaiser, Juden in seiner Residenz dulde und hatte versichert, daß mit der Austreibung derselben sich Gottes Zorn von der kaiserlichen Familie abwenden und dessen reichster Segen über sie herabftrömen werde. Allein die Voraussetzungen des Bischofs waren nicht eingetroffen, im Gegentheil die Kaiserin war in der Blüthe ihrer Jahre weggerafft worden, ihre beiden Knaben starben im zartesten Alter und der fromme, herzensgute Kaiser mochte darin einen deutlichen Wink des allmächtigen und allgerechten Gottes, eine gerechte Strafe für die Vertreibung unschuldiger, unglücklicher Menschen erkennen. Kaiser Leopold gestattete nicht nur die Rückkehr der vertriebenen Juden, sondern er that noch weit mehr, zwei jüdische Finanz-Genies Samuel Oppenheimer und Samson Wertheimer, die früher nicht in Wien, sondern in Worms gewohnt hatten, durften sich in seiner Residenz niederlaffen und wurden ihnen Privilegien aller Art zugestanden, ihnen hohe Ehren erwiesen, einflußreiche Stellen eingeräumt, die höchste kaiserliche Huld in Wort und Schrift ausgesprochen, die glänzendsten Auszeichnungen verliehen. Allein die rückkehrenden Juden (die beiden vorgenannten Neueingewanderten waren als Hofbeamte vonallenGiebigkeitrn befreit), mußten so hohe Steuern zahlen, daß cs den Unbemittelten nicht möglich war von dieser Vergünstigung Gebrauch zu machen. Es ist daher erklärlich, daß es unter den Mitgliedern der damaligen, neugebildeten Wiener Judengemeinde keine Armen gab. Dagegen strömten alle armen Juden aus Böhmen, Mähren, Ungarn, Polen dem deutschen Reiche, ja sogar aus der Türkei und Palästina nach Wien, wo es nur reiche Juden gab und bildete namentlich Samson Wertheimers — auch von zeitgenössischen christlichen Schriftstellern, ja sogar von dem berüchtigten Judenhasser Schudt, anerkannte — weltberühmte Wohlthätigkeit einen mächtigen Magnet für alle Hilfsbedürftigen. Werthetmer benahm sich gegen Jedermann, ohne Unterschied der Confession mit herzgewinnender Milde und wußte seinen Wohlthaten jeden Beigeschmack von Beschämung fern zu halten. In seinem Hause bestanden eigenthümliche, merkwürdige Einrichtungen. Jeder fremde Jude, der nach Wien kam, i

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