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Der Israelit · 1892-08-29 · Heft 69 (29.8.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 69 (29.8.1892)
Date
1892-08-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1314 thiitig war, mit eigenen Mitteln schöner zn gestalten. Heute steht nun das Werk dieses edlen Wohlthäters als eine Zierde der Stadt da. Unsere Freude wurde noch vermehrt, als wir durch das persönliche Erscheinen des Herrn B. beehrt wurden. Augenzeuge der Freude, die er uns Allen an dem Tage bereitet hat, wollte er sein und sich selbst während dieser Zeit ganz seiner Vaterstadt widmen. Für unsere Stadt war diese Zeit eine Feftepoche. Von dem Hause des Kaufmanns Herrn M. Arndt bis zur Synagoge hatte unser Bürgermeister Herr Pieper Tannenbäume zu beiden Seiten der Straße aufstellen lassen. Leute aller Konfessionen weitteiferten, um dem Manne, der außerdem noch an Bedürftige ohne Unterschied der Religion in reichem Maße spendete, ihre Dankbarkeit zu erweisen. Seine edle Gattin, die auch ihrerseits zur Verschönerung unseres Gotteshauses beitrug, indem sie die Anzahl der Thorarollen durch eine neue Thora vermehrte, — die einen Werlh von ungefähr 8000 Mark repräsentirt, — und seine sümmtlichen Geschwister hatten es sich nicht nehmen lassen, dem Feste durch ihr Erscheinen höheren Glanz zn verleihen. Mit Begleitung der Musikkapelle wurden unter dem Baldachin sämmtliche Thorarollen von den Brüdern und Angehörigen unseres Wohlthäters aus dem Hanse des Vorstehers nach der festlich geschmückten Synagoge getragen, in welcher dann nach einem Empsangsgcsange des hiesigen Gesangvereins und nach Einsetzung der Thorarollen an ihren heiligen Platz Herr Rabbiner Dr. Schick die Weiherede hielt. Nach der Feier in der Synagoge fand im Hause des Herrn Arndt ein fröhliches Zusammensein statt, wobei derselbe im Namen der ganzen Gemeinde seinen Dank spendete und mit einem Hoch auf unfern Wohlthäter endete. Sodann dankten noch unter Anderen Herr Bürgermeister Pieper. Erst beim Tagesgrauen nahm das fröhliche Fest sein Ende. Weisenair. Durch die Munificenz des hiesigen israelitischen Frauenvereins, sowie durch den Opfersinn der Gemeindemitglieder wurde die hiesige KnUnsgemeinde in den Stand gesetzt, eine Renovation ihres Gotteshauses vornehmen zu können und ist damit einem langgefühlten Bedürfnisse Rechnung getragen worden. DieMaler- und Lackierarbeiten sind eine vortreffliche Ausführung eines emsigen Mainzer Meisters und Glaubensgenossen Louis A s n e s. Rotterdam Am l. August starb hicrselbst einer der hervorragendsten Bürger, der praktische Arzt, Herr A. Symons. Sein Name wird noch lange in Verbindung mit der hiesigen Tanbstnmmen-Anstalt genannt werden, welche als Pionier tut Taubstummenunterricht einen bedeutenden Ruf erlangt hat. Schon im Jahre 1852 hatte der Verstorbene auf einer Versammlung von Aerzten die Aufmerksamkeit auf die Nothwendigkeit der Einführung des Taubstumnienunterrichtes gelenkt und durch seine faßlichen historischen Essay's über diesen Gegenstand die Anregung zur Errichtung des Instituts gegeben, welches durch fast 40 Jahre seine Segnungen über Holland verbreitet hat. Während dieser ganzen Zeit war Hr. Symons Mitglied und Secretär des Euratoriums und wurde 1878 bei Gelegenheit der 25jährigen Gründungsfeier der Anstalt von dem verstorbenen Könige zum Ritter des Ordens des niederländischen Löwen ernannt. Der Verstorbene war Vater des Professors Symons an der Universität zu Groningen. Feuilleton. .Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (12. Fortsetzung.) Von allen Seiten gedrängt, sah sich endlich Kaiser Leopold gezwungen, sich dem, was ihm nicht nur als der Wille der ganzen Bevölkerung, sondern auch als der Wille Gottes dargestellt wurde, zu unterwerfen und 1670 mußten alle Juden Wien verlassen. Nebenbei bemerkt, ertrugen die Unglücklichen den harten Schlag mit rührender Gottergebung. Nicht ein Einziger ließ sich verleiten seinem Glauben untreu zu werden; — aber was die Nachwelt als Seelengröße bewunderte, wurde von einem zeitgenössischen Fanatiker in maßloser Verkennung als unerhörte Halsstarrigkeit bezeichnet!! Allein die Folgen dieses verhängntßvollen Schrittes stellten sich mit großer Raschheit und in allerfühlbarsten Weise ein. Die Hoffnungen, welche die Wiener Bürger auf die Vertreibung der Juden gesetzt, hatten sich nicht erfüllt, ini Gegentheil diese unglückselige Maßregel hatte dem Wohlstände der Stadt schwere Wunden geschlagen. Es wäre unglaublich, wenn dies nicht durch, derzeit noch exiftirende, authentische Staatsakten mit voller Zwerfellosigkeit erwiesen wäre, daß der Wegzug einer Hand voll Juden, der Bevölkerung und dem Staate so unermeßlichen Schaden zufügen konnte. Es waren noch nicht volle drei Jahre, seit der Vertreibung der Juden verflossen — und dieselben Wiener Bürger, welche den Kaiser bestürmt hatten, die Juden zu verjagen, dieselben Bürger, welche nach deren Abzug in frenetischen Jubel ausgebrochen, und in allen Kirchen Dankgebete verrichtet hatten, — dieselben Bürger baten jetzt knieefälligst und allerunterthälligst um Rückberufung der Juden. Die ehrsamen Innungen, die Hausbesitzer und die gesammte Einwohnerschaft der Residenz klagte: Die Kaufleute wären nichts als Schinder, welche durch ihre gottlose Hab- und Gewinnsucht die Preise aller Waaren zu so unerträglicher Höhe hinaufschraubten, daß der gemaine-und derjBürgersmann für sich, Weib und Kind kein Gewand anschaffen könne. Die christlichen Kaufleute, welche in Prunk leben und sündhaften Aufwand treiben, marchandiren weit ärger als die Juden, welche bei bescheidener Lebens-

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