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Der Israelit · 1892-08-29 · Heft 69 (29.8.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 69 (29.8.1892)
Date
1892-08-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1313 Hamburg. Eine dankenswerthe Einrichtung, welche wohl verdient, in einem jüdischen Blatte lobend hervorgehoben zu werden, hat die Hamburg- Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft getroffen. Es wird nämlich von jetzt ab auf allen von Hamburg, Stettin und Genua nach Amerika abgehendcu Schiffen dieser Gesellschaft den jüdischen Passagieren Dr. Papilskys koscherer Fleisch-Extrakt verabfolgt. Wer die Entbehrungen kennt, denen ein gesetzestreuer Jude aus der Reise im Allgemeinen und auf Seereisen insbesondere unterworfen ist, der wird es wohl zu würdigen wissen, welche Wohlthat dem jüd. Reisenden durch eine Taffe kräftiger und schmackhafter Fleischbrühe die er sich mit Hilfe von stets vorhandenem kochenden Wasser und dem darin sich leicht auflösenden koscheren Fleisch-Extrakt zu jeder Zeit bereiten kann, gewährt wird. Diese humane Rücksichtnahme der Hamburg-Amerikanischeu-Packetfahrt-Actien-Gesellschaft auf die jüdidischen Mitreisenden zeugt sowohl von der Toleranz als auch von der großen Fürsorge der Direktion genannter Gesellschaft für das Wohl der ihr auvertrauten Passagiere. Insterburg, 10. August. Da auf den 1. Oktober er. das Versöhnungsfest fällt, so haben die Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde beschlossen, die Stadtverwaltung zu bitten, den obligaten Ziehtag aus den letzten Tag des September er. zu verlegen. Posen, 18. August. Zu der Frage des Antisemitismus spricht sich der „Orendownik", das Organ des polnischen Bürgerthums, folgendermaßen aus: Der Standpunkt der Polen muß unserer Meinung nach folgender sein: „Die Juden können wir weder vertheidigen noch in Schutz nehmen, aber wir müssen uns auch von der antisemitischen Agitation fernhalten, denn wir können dieselbe mit nichts begründen. Wir Polen, die wir selbst unter dem Drucke von Ausnahmegesetzen wie Staatsbürger zweiter Klaffe behandelt werden, können nicht für die Beschränkung der konstitutionellen Rechte der Juden eintreten, denn dadurch würden wir ein Werkzeug gegen uns selbst schärfen." Memel, 25. August. Die hiesigen Stadtverordneten ersuchten den Regierungspräsidenten in Königsberg telegraphisch um Maßregeln gegen die Gefahr, welche die alltäglich zahlreich hier durchziehenden russischjüdischen Auswanderer in der jetzigen Cholerazeit bilden. In Eydtkuhnen wird das Gepäck der russischen Reisenden desinfizirt. Den russischen Juden wurde die Vergünstignngen der Beförderungen bei Auswanderung entzogen. Schiffe mit Decklast dürfen Auswanderer nicht mehr befördern. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Kolonie«, 26. August. Der Besitzer einer der bedeutendsten Taliswebereien des hiesigen Platzes meldet uns, daß alle Mittheilungen bezüglich der Weberstrike ungeheuer aufgebauscht und übertrieben seien, es hätten blos 40 Weber, die den Müßiggang lieben, auf Anstiftung eines Aufwieglers Namens Zetterbaum die Arbeit eingestellt. Die falschen Gerüchte seien zur Erpressung von Geldern in die Welt gesetzt, der k. k. Gewerbe-Jnspcctor hätte bereits in dieser Angelegenheit die Untersuchung eingeleilet. Frankreich. Paris, 24. Aug. Man hat endlich für die russischen Juden, die hier in voriger Woche cingetroffen sind, eine nothdürftigc Unterkunft gesunden. Bis zum Sonntag campirten sie, mehrere hundert an der Zahl, im Lyoner Bahnhof, wurden aber mit ihrer Unreinlichkeit den Reisenden und den Beamte« so lästig, daß man sie auswies. Sie verlegten dann ihr Lager nach der Rue de Lyon aus einen kleinen, mit Bäumen bepflanzten Platz hart au der Mauer des Gefängnisses Mazas, wo die Neugierigen sie in Menge anstaunten. Sie schienen ihr Elend mit orientalischer Ergebung zu ertragen, die Männer wie die Frauen, welche letztere besonders durch ihre grenzenlose Zerlumptheit das Mitleid erweckten. Sie schliefen und bereiteten ihre Mahlzeiten, die blos aus Kaffee und Brod bestanden, unter freiem Himmel. Die Kinder bettelten ein wenig, waren aber hauptsächlich damit beschäftigt, sich zu balgen. Einer der armen Leute, der sich halbwegs verständlich machen könnte, erzählte einem Berichterstatter des „Figaro" ihre traurige Odyssee. Bon Odessa batte man sie nach Konstantinopel gebracht: dort abgewiescu, wurden sie nach Marseille befördert, wo das israelitische Konsistorium für sie ermäßigte Fahrpreise nach Lyon erwirkte. In Lyon schaffte das dortige Konsistorium sie nach Dijon, und von da wurden sie in gleicher Weise nach Fontainebleau geschickt, wo sie gänzlich mittellos drei Tage im Walde kampirtcu, bis für ihre Uebcrfahrt nach Paris gesorgt wurde. Ihrem Aufenthalte in der Rue de Lyon hat endlich die Polizeipräfckteur ein Ende gemacht, indem sie von dem israelitischen Hilssvcreiu ihre Unterbringung in einen bedeckten Raum erheischte. Ein solcher fand sich in zwei .Hotels zwölfsten Ranges in der Rue de Charenton, die freilich ebenfalls Umstände machten, die Gäste aufzunehmeu. Wie es heißt, sind die Mittel für ihre Ueberfahrt nach Amerika beschafft, und Ende der Woche sollen sic dorthin eingcschifft werden. > Vermischtes. Varidsburg W-Pr., 7. August. Im vorigen Jahre suchte nach beinahe drei Jahrzehnten Herr David Bischofswerder aus Penzance in England seine Geburtsstadt auf. Seinem Wunsche, die Glücksgüter, mit denen ihn der himmlische Vater gesegnet, auch zu wohlthätigen Zwecken zu verwenden, sollte hier Gelegenheit zur Bethätkgung geboten werden. Bei einem Besuche unserer Synagoge fiel ihm sogleich die Baufälligkeit derselben auf. Freiwillig erbot er sich, das Gotteshaus, in welchem sein Vater 23 Jahre als Vorbeter

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