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Der Israelit · 1892-08-25 · Heft 68 (25.8.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 68 (25.8.1892)
Date
1892-08-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1290 Du gedankenlos, so zufrieden dahinlebst, als wärest Du in der That so glücklich, als wandeltest Du auf herrlichen, gebahnten Straßen, als gingest Du durch gut bebaute Gegenden, als würden nur Vlumen Deinen Weg umsäumen, als beschiene Deine Straße nur glänzendes Sonnenlicht, als wölbte sich ein ewig blauer Himmel über Dir; da Du Dir den Anschein giebst, als wäre das Lächeln des Glückes Deinem Angesichte bleibend ausgeprägt. — Und doch fehlt Dir so Manches, so Wesentliches um wahrhaft glücklich und zufrieden zu sein! Ergeht ja selbst in unseren Tagen ein Mahn- und Weckruf ernstester Art, nicht gar so zufrieden mit uns zu sein. So daß selbst in jenen Centren des Judenthums, in denen man das moderne Judenthum mit seiner Leugnung des Gottesgesetzes als das wahre Israel der Gegenwart in allen Tonarten bis jetzt gefeiert, heute Manhrufe erschallen, aufzuwachen, nicht weiter die Bahnen zu wandeln, die man seit längerer Zeit eingeschlagen, die aber die Religion aus jenen Kreisen vollständig verbannt haben. So erscholl im vorigen Jahre dieser Mahnruf aus der Metropole des deutschen Reiches (S. Jsr. Nr. 70 Jhrg. 91), und so ertönt heute aus Wien ein gleicher, ja noch stärkerer Mahnruf über den Verfall der jüdischen Religion, über den Schrecken erregenden Jndifferenttsmus. In jenen Kreisen glaubt man freilich, mit dem Besuch des Gotteshauses und dem Anhören einer Predigt, die Religion, gegen die man fast ein Jahrhundert zu Felde zog mit allem modernen Rüstzeug, und den religiösen Sinn, den man aus dem Herzen unseres Volkes auszumerzen versuchte, wieder Herstellen zu können, damit den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Daß man aber das erstorbene, jüdische Leben wecken, den verloren gegangenen jüdischen Geist beleben muß durch die min und in ihrem Sinne, davon will man nichts wissen, darüber geht man mit Stillschweigen oder einigen, schönen Redensarten hinweg. Denn das zu fordern, fehlt es an Ernst und Muth. Ich wollte nur die Thatsache constatiren, daß man heute auch in modernsten jüdischen Kreisen mit dem heutigen Judenthum, d. h. mit der Religion, wie sie in diesen Kreisen geübt, resp. nicht geübt wird, die aber doch jüd. Religion sein soll, gar nicht mehr recht zufrieden ist. Aus den vielen Gesetzen des Abschnittes der ersten Elul-Woche, und aus den auch unsere Zeit nahe berührenden Sätzen leuchtet ein kurzes Wort hervor, wie ein hellstrahlender, glänzender Stern unter den vielen, kleinen Sternen: oy rrnri man „Vollkommen, ehrlich sollst Du sein mit dem Ewigen Deinem Gotte." Ehrlich sein: Indem Du, wenn Du Dich als Geschöpf Gottes bekennst, Gott aber auch als Deinen Schöpfer anerkennst. Ehrlich sein: Wenn Du weißt, daß Gott über Dir ist, Dir Alles reicht, was zum Leben nöthig ist, Ihm dafür auch den schuldigen Dank zollst. Ehrlich sein: Wenn Du Gott als Deinen Herrn erkennst, Ihm auch Deine Kräfte in Seinem Dienste leihst, Seinen Willen, der ja doch Deinen Willen beherrscht, zu erkennen suchst und danach Dein Thun einrichtest. Ehrlich sein: Indem Du Gott auch das Recht zugestehst, Dein Leben durch Vorschriften zu regeln. Wo ist heute diese Vollkommenheit, diese Ehrlichkeit der Gesinnung im modernen Judenthume! Wie der Prophet im Namen Gottes klagt: us uytsnm noip now’ onjn njn' D’js nS *piy „Fürwahr, sie wenden mir den Nacken und nicht das Angesicht zu, aber zur Zeit des Unheils rufen sie: Auf, und hilf uns!" So ist auch heute die scheinbare Erkenntniß, daß das moderne Judenthnm seine Aufgabe nicht erfüllt hat, nicht den religiösen Sinn geweckt und belebt^ nicht das Judenthum gefördert, nicht das religiös-jüdische Leben erhalten konnte, nicht die jüdischen Tugenden und reinen Sitten, nicht das reine, edle Familienleben weiter zu entwickeln und zu entfalten verstanden: Diese Erkenntniß ist nicht der Lauterkeit der Gesinnung, nicht der Liebe zur Wahrheit, nicht der Aufrichtigkeit der nun gegenüber entsprungen, sondern der Furcht, entstanden durch die schlimme, böse Zeit, die auch dem modernen Juden aufs Neue zuruft: Ihr seid Juden! — Ihr seid Juden! — Das aber, was man darunter versteht, wollen sie nicht sein, tragen sie ja nur den Namen Juden. Ja, das ist für Viele der bittere Vorwurf, die harte Anklage! rmn cron VpV« '*i oy. Ernst und redlich war und konnte es ja nicht mit dieser Veredlung und Hebung des Judenthums gemeint sein, wenn man ihm den jüd. Boden dabei entzog, die jüd. Grundlage zu entziehen versuchte. Darum auch der Tadel von Außen, daß die heutigen Juden keine Religion haben, keine Religion achten, daß sie Gegner jeder Religion seien. Tadellos bist Du nur, wenn Du mit dem Ewigen Deinem Gotte wandelst. Dann wird und kann Niemand aus Deinem Judenthum eine Anklage erheben, kann Niemand eine Waffe gegen Dich schmieden rh& uh yhy w ’to „Jede Waffe, gegen Dich geschmiedet, wird mißlingen, »y*«nn -]nx Dipn tai „und jede Zunge, die gegen Dich auftritt zum Gerichte, wirst Du als böswillig hinstellen." '*i 'iay n^>nj nxr 'i dim tind onpun. „Dies ist das Erbe der Gottes dien er und ihr Verdienst von Mir, ist der Spruch des Ewigen."

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