Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 68 (25.8.1892)
- Date
- 1892-08-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIII. Jahrgang. , J\ö 88 Der Israelit. Gin Eentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehman» in Mainz. Donnerstag, den 28. August 5652 (1892). Leitender Artikel. •ypbn 'i ov rrnn con „Sei vollkommen, ehrlich mit dem Ewigen Deinem Gotte." Von Rabb. Dr. Sänger. Wie in der riirssn des ersten Sabbat im Elulmonat der Prophet im Namen Gottes der trauernden, niedergebeugten Stadt Jerusalem zuruft: Dia nx *pd n»n» i^x D'b»ii' 'Dip niipn.-i 'iiipnn Dvn. „Ermuntere Dich, ermuntere Dich, steh auf, Jeruscholajim, die Du getrunken hast aus der Hand des Ewigen den Kelch Seines Grimmes ..!" 'im D’Wrv "fmxen naa '»ab jvx iw »»!*> mj?' »iw „Erwache, erwache, leg' an Deinen Siegesschmuck, Zijon, leg' an Deine Prachtgewänder, Jeruscholajim .."D1I2 »nnsnn o*b»n* »a» »v'.p -,Dpv »-ijDnn pa na rpa» -pxis. „Schüttle Dir den Staub ab, setze Dich aufrecht Jeruscholajim, löse die Fesseln Deines Halses, gefangene Tochter Zijons!" also ergeht in dieser Zeit des Elul auch an das schlafende, schlummernde, an das in den Staub sich beugende Israel der Weck- und Nachruf, aufzuwachen, aufzustehen, sich aus dem Staube zu erheben, den Siegesschmuck anzulegen, in herrliches Gewand sich zu hüllen. Wie die stete, alle Thatkraft lähmende Trauer nichts ändert an unserem Loose, an unserer Lage, wie sie dieselbe nur noch trostloser gestaltet: so wird auch der Mensch im Allgemeinen nicht gewinnen, nicht besser, wenn er gedankenlos dahinlebt, sich nicht aus dem „ermüdenden Gleichmaß der Tage" zu erheben und aufzuraffen versteht, nicht den Staub abschütteln, nicht von der Scholle sich loslösen kann, die ihn niederzieht, niederdrückt und festhält, weil er ihr sein Brod, seine Existenz verdankt. Zufriedenheit ist gewöhnlich eine große Tugend. Aber es ist nur bedauerlich, daß man meistens da zufrieden ist, wo man es nicht sein sollte, und unzufrieden, wo man recht gut zufrieden sein könnte. Mit seinem irdischen Besitz ist so leicht Niemand ganz zufrieden. Da wendet man den Spruch unserer Weisen an rpo» ^did xb*n „Wer nicht zunimmt, nimmt ab." Mit sich selbst aber, mit der eigenen Förderung und Bereicherung, mit der Erfüllung der Anforderungen und Ansprüche an der inneren Ertüchtigung des Menschen und seiner Veredlung, ist man leicht zufrieden. Ja, es kann sogar Vorkommen, daß man auch nicht einmal im Jahre eine dahingehende Forderung an sich stellt. Damit verhält es sich wie mit dem Traumleben. Man träumt von schönen Gegenden, die man durchwandert, von köstlichen Genüssen, von fabelhasten Reichthümern, von hohen Ehren, fühlt sich unendlich beglückt und befriedigt, bis das Erwachen diesen Träumen ein unangenehmes Ende bereitet. Da träumte Einer, er befinde sich in einem herrlichen Palaste, und erwacht als armer Mann zwischen seinen engen vier Wänden, wo die graue, fahle Morgendämmerung ihm seine Armuth nur noch deutlicher und empfindlicher vorführt. So auch erwacht man zuweilen aus seiner Zufriedenheit mit sich selbst und hat die unangenehme Empfindung, daß das verträumte Glück doch etwas zweifelhaft ist und fühlt sich nicht ganz zufrieden. Es fehlt einem etwas, und dieses etwas macht sich überall fühlbar. Der Mahn- und Weckruf des Propheten will unser Volk der Trauer entreißen um das Verlorene, will ihm zeigen, daß es seine Hoffnung nicht aufgeben darf, daß ihm noch eine schöne Zukunft Vorbehalten ist, aber es muß sich selbst erst finden, sich aufraffen und erheben. So auch will der Mahn- und Weckruf des Elulmonats uns nur dem falschen Traumleben, den Träumen von falschem Glück, von Glanz und Pracht und Herrlichkeit und Zufriedenheit entreißen, 'm rvn» n»x »Dip ’Yiiynn miynn. „Wach auf, wach auf, mein Volk, erhebe Dich, da Du getrunken hast aus dem Becher des Taumels", da