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Der Israelit · 1892-08-22 · Heft 67 (22.8.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 67 (22.8.1892)
Date
1892-08-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1283 Daß thm aber nicht das Lernen, sondern besonders die That Hauptsache gewesen, dafür wissen ihm die hies. Gemeinde und die weitesten Kreise Dank über sein Grab hinaus. Die Gebote unserer heiligen Religion hat er aufs Pünktlichste ausgeübt. Arme und Dürftige, Wittwen und Waisen, Verwalter der Lehrhäuser und Leiter sonstiger gemeinnütziger Anstalten können bezeugen, daß er ein wahrhaft wohlthätiger Mann und unermüdet im Wohlthun gewesen. Warme Fürsprache und Förderung fanden durch ihn auch alle zum Wohlv'^i' und des h. Landes bestehenden Lehr- und Wohlthätigkeitsanstalten; mit verschiedenen Leitern derselben stand er in direktem Verkehr. Er hatte stets den Muth, seine gewonnene Ueberzeugung zu bekennen und suchte laue und schwankende Gemüther zu begeistern. In der Synagogen- und Ortsgemeinde bekleidete er die verschiedensten Ehrenämter; in früheren Jahren hatte er in Gewissenhaftigkeit und Gewandtheit die religiöse Funktion eines Schochet ausgeübt. Was ihn uns unvergessen machen wird und ihm ein treues Gedenken sichert, das sind seine freiwilligen, uneigennützigen Leistungen als pli. Begabt mit einer sichern, wohlklingenden Stimme und durch mehr als gewöhnliche Kenntnisse der heiligen Sprache besähiat die Gebete nach ihrem Inhalte genau zu erfassen, hat er von frühester Jugend an, länger als ein halbes Jahrhundert vor der Lade Gottes stehend, durch seinen Vortrag die Herzen der frommen Beter auf den Schwingen der Andacht, besonders an den hehren Tagen des Jahres, zu Gott emporgehoben. Welche Verehrung Herr C. in unserer Gemeinde und darüber hinaus genoß, zeigte sich bei seinem Leichenbegängniß, das am Freitag stattfand. Die Doppelgemeiude Gleicherwiesen-Simmershausen war vollzählig erschienen, auch eine ganze Anzahl Nichtisraeltten, darunter der evangelische Pfarrer und Lehrer unseres Nachbarortes Streufdorf, woselbst das Hauptgeschäft des Verstorbenen sich befindet, waren herbeigeeilt, um dem Manne, der auch bei Andersgläubigen wegen seiner strengen Rechtlichkeit beliebt war, die letzte Ehre zu erweisen. Im Trauerhause widmete Herr Daniel Rosenthal, der gewesene langjährige Vorsteher unserer Gemeinde seinem treuen Mitarbeiter am Gemeindewohl und dem größten npna fyn des hies. Ortes einen ehrenden Nachruf, während am Grabe der Lehrer unserer Gemeinde die Verdienste des Heimgegangenen gebührend hervorhob und den Trauernden Trost spendete. Gleich nach dem Leichenbegängnisse wurde dem Cultusvorstande eine von dem Verstorbenen verfaßte und auf seinen Namen lautende Stiftungs- Urkunde überreicht, in der derselbe seine Erben anweist ein Kapital an die Gemeinde auszuhändigen, dessen Zinsen religiösen und wohlthätigen Zwecken dienen soll. n"3ion Lübeck, 9. August. In einem längeren, von dem Schriftsteller Herzfeld herrührenden Artikel in der Zeitschrift „Die Gesellschaft" über die Mission des Judenthnms findet sich folgende Stelle: „Das Judenthum wird einst die Welt beglücken, ja erlösen. Es ist die nationalitätsäurefreie, chemisch reine und rein humane Universalseele, welche versprengt ist unter hundert kleinsiche Duodezvolksseelchen, diese Spottgeburten von Dreck und Feuer, von Diplomatenkniffen und Kanonenschlünden. Es hat die Aufgabe, die zersplitterten Nationalitäten zu einer einzigen großen Gemeinschaft zusammenzuschweißen, der Rohheit die Seele gesteigerten Menschenthums einzuhauchen, gegen den Säbel mit dem Chek, gegen die Kaserne mit dem Waarenmagazin anzurennen. Dieser Kampf ist tragisch, weil er wegen der Ungleichheit der Kräfte ein Märtyrerkampf bisher sein mußte und noch lange, lange sein wird. Dem Juden muß die Führung früher oder später anheimfallen. Hätten wir nur doppelt so viel Juden und halb so viel Soldaten, Prediger, Beamte, Gymnasial- Profefforen, Zeitungsreptile — dann könnte der deutsche Adler seine Schwingen entfalten zum Sonnenflug, während er jetzt nur kampfbereitend seine Klauen auf- und zukrampft, seinen barbarischen Schnabel wetzt. Das Judenthum hat ein gutes Recht Theilnahme an der obersten Verwaltung des Landes zu verlangen, nicht nur Sitze im Reichstage, nein, am — Ministertische! Dem Juden muß die Führung anheimfallen." Wir wissen nicht, bemerken hiezu die „Lübeck'- schen Anzeigen", welche Wirkungen auf unsere nichtjüdischen Mitbürger der Verfasser dieser dithyrambischen Ueberschwänglichkeiten und die Zeitschrift, welche ihnen Ausnahme gewährte, sich davon versprochen haben, wenn beide aber der antisemitischen Agitation willkommene Waffen an die Hand haben geben wollen, so dürften sie diesen Zweck erreicht haben. Der Gebrauch, den nach dem Vorgänge des bekannten „Wiener Volksblattes" die antisemitische Presse von den wiedergegebenen Auslassungen macht, kann darüber kaum im Zweifel lassen. St. Wendel, 8. August. Der Umstand, daß die antisemitische Bewegung hier immer mehr Anhänger findet, zeigt sich, der „Köln. Ztg." zufolge, auch darin, daß den jüdischen Viehhändlern an Markttagen keine Ställe mehr vermiethet werden. Die jüdischen Handelsleute besuchen daher die großen Viehmärkte unserer Kreisstadt nicht mehr. Rußland. Petersburg, 31. Juli. Dem „Grashdanin" zufolge beschäftigt sich gegenwärtig das Departement für geistige Angelegenheiten und fremde Konfessionen mit der Frage der Regulirung der jüdischen Wohlthätigkeitsvereine. Diesem Organ gemäß, welches als offiziös gilt, wird das genannte Departement binnen Kurzem dem Reichsrath die Vorlage zu einem Gesetz unterbreiten,

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