Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 67 (22.8.1892)
- Date
- 1892-08-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1282 wie Alles so öde und leer ist. Es ist traurig, aber eine nicht wegzuleugnende Wahrheit, daß in Gemeinden von fünfzig und mehreren jüdischen Familien, am Freitag Abend gar kein, am Sabbat Morgen nur knapp rrwy yto im Gotteshause versammelt ist. Am Sabbat-Nachmittag, nnp '«no, sowie an den Wochentagen Gottesdienst abzuhalten, wer denkt — hier daran, selbst nicht einmal an ausgezeichneten Tagen, wie nyion ^nn, roun, tmn iwn. Wie ein Wunder ist es zu betrachten, wenn am D’-ns oder 3N3 nypn des Morgens dem Besucher die Synagoge geöffnet ist. Und wozu auch, da Fasten in hies. Gegend nicht mehr modern ist, höchstens, daß am 9. Aw einige noch einen halben Tag, viele sogar am ->'O3 av nicht mehr fasten. Ich parire darauf, daß von zehn Zehntel, außer .upn twn DniEo dvi kein Zehntel eine Synagoge betritt. In hiesiger Gegend kannst Du Dich, lieber Leser davon überzeugen, wenn Du auch sonst noch daran zweifeln solltest, wie alle sogenannten Cultusreformen (?) als: großartige, prachtvolle Synagogen, Einführung von Orgelklang und Weibersang, des 3 oder 7jährigen Cyklus beim Vorlesen der Thora, Abschaffung des sogenannten „Tropps", der Gebetstücke mp’ ,yp’inD non sowie der nnsv für die ausgezeichneten Sabbattage und 'p und wie der „Reform-Firlefanz" (man verzeihe mir diesen obscuren Ausdruck bei so heiligen Angelegenheiten) nicht im Stande sind, diejenigen, die schon so weit fortgeschritten sind, wieder zur Synagoge zurückzuführen und eine regere Betheiligung am Gottesdienste herbeizusühren. Der Rabbiner Sekel Eg er in Braunschweig hat einmal in der Synagoge — es war zur Meßzeit und zufällig am pm mp — eine inhaltliche npm, erst in hebräischer Sprache (damals konnte der größte Theil der Zuhörer einer solchen noch mit Verständniß und zum Nutzen folgen) dann in deutscher, abgehalten und unter Anderem, in Bezug auf die schwache Bethetligung am Gottesdienst das Prophetenwort n:iy pro mmp w yw ’nsa nnh so herrlich und schön erklärt, indem er angeführten Satz die Gottheit sprechen und dieselbe darüber Klage führen läßt, daß ein großer Theil der Meßfremden, statt die Synagoge zu besuchen, in ihren Geschäftslokalen verweilen, die Maaren ordnen, bürsten und reißen u. dgl. mp mehr. — Das, was wir über die schwache Betheiligung am Gottesdienste in den Reformsynagogen gesagt, mag auch die Ursache davon sein, daß man auf dem vor nicht langer Zeit in Bielefeld Jattgefundenen westph. Gemeindetag den Antrag — derselbe ist von der Gemeinde Münster ausgegangen — auf Modernisirung der ri/sn gestellt, der auch von 2/3 der stimmberechtigten Mitglieder angenommen und zum Beschluß erhoben wurde. Wie sehr aber die Antragsteller vom Jrrthum befangen und von falschen Voraussetzungen ausgehen, wenn sie glauben, daß die Abtrünnigen dadurch wieder zum Beten im Allgemeinen und zur Theilnahme am Gottesdienste in der Synagoge im Besondern zurückgeführt würden, das nachzuweifen, bleibe einem späteren Referate Vorbehalten. M. Rosenwald, Iserlohn. Wiesbaden. Ein Herr Dr. Grün, angeblich Rabbiner von Oberndorf, spielte sich hier in Wiesbaden als streng orthodox auf und benützte die dortigen Frommen soweit als möglich. Nachdem er indessen dieselben „abgeklopft" hatte, hielt er öffentliche Vorträge „man möge die unzeitgemäße Trauer um die Zerstörung Jerusalems aufgeben und sich möglichst mit dem Christenthume amalgamieren". Wir würden es nicht der Mühe werth gehalten haben, hiervon etwas zu erwähnen, denn diese Vorträge waren ein Sammelurium von neologen Trivialitäten und reformistischen Gemeinplätzen, indessen will, wie wir hören, Herr Dr. Grün an andern Orten dieses sonderbare Treiben fortsetzen und sei deßhalb hiermit vor ihm gewarnt. Gleicherwiesen, im August. Unsere Gemeinde ist von einem schweren Verluste betroffen worden. Nachdem vor kaum 5 Jahren unser verdienstvoller, hochgeehrter Lehrer C r a m e r von uns genommen worden ist, hat nun auch dessen ebenbürtiger Bruder, der Kaufmann Herr Israel Eramer am 18. Ab im Alter von 73 Jahren für immer das Auge geschlossen. Hat jener von Amtswegen jahrelang hier höchst segensreich gewirkt, so fällt diesem das Verdienst zu als Privatmann in der uneigennützigsten Weise für das Wohl der Gemeinde und der jüd. Gesammtheit überhaupt thätig gewesen zu sein. Der Vollendete zählte zu den leider immer seltener werdenden Männern, die vermöge ihrer Festigkeit und Unwandelbarkeit im Glauben, ihrer Anhänglichkeit an der Gotteslehre und am väterlichen Glauben, sowie überhaupt durch die Schwere ihres edlen, die Pietät herausfordernden Charakters ein wirksames Gegengewicht gegen die destructiven Bewegungen unserer Zeit bilden. Während der ältere Bruder dem Lehrerberufe sich widmete, hob Israel Eramer in seinem Gewerbe durch eisernen Fleiß und eisernen Willen die Familie aus der Dürftigkeit zum Wohlstand. Dabei verstand er es, wie selten einer, *pn Dy mm mobn pK, Studium des Gotteswortes mit weltlichen Geschäften und weltlicher Bildung in schönen Einklang zu bringen. Von Natur aus mit reichen Gaben des Geistes und des Herzens ausgerüstet, wurde er im Lernen durch die Anregung, die von seinem gelehrten Bruder ausging, noch in seinem Mannesalter wesentlich gefördert.