Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 67 (22.8.1892)
- Date
- 1892-08-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXLli. Jahrgang. Kettllge }it M 67 des „Israelit". Literarische Wotiz. Den Freunden der Religionswissenschaft und der Alterthumskunde durfte bei den gegenwärtigen Fehden für und gegen den Talmud die Nachricht nicht unwillkommen sein, daß die „Real- Encyclopaedie für Bibel und Talmud" von Dr. I. Hamburger, Landesrabbiner in Strelitz (Mccklbg.), nunmehr in dritter Auflage erscheint und zur leichtern Anschaffung in Heften von 10 Bogen, Lexicouformat. (a 2 Mark) ausg-geben wird. Anmeldungen auf dieselbe werden in jeder Buchhandlung, sowie vom Verfasser entgegengenommen. — Das Werk, zugleich ein „Conversationslexicon des Judenthums", hat 3000 Artikel aus der Geschichte, der Ethik, dem Kultus, der Dogmatik, der Rechts- und Staatslehre in Bibel und Talmud mit der Zwischen-, Neben- und Nachliteratur dieses Schriftthums. Die bedeutendsten Fachgelehrten: Prof. Dr. S. Munk s. A. und Prof. Dr. Ernst Renan in Paris, Prof. Dr. Franz Delitzsch s. A. in Leipzig, Dr. Leopold Zunz s. A. in Berlin u. a. m. sprachen sich über die Arbeiten in demselben sehr günstig aus. Dem Empfehlungscomit6 schlossen sich unter Andern an: Prof. Dr. Bacher in Budapest, Dr. Adolf Jellinek in Wien, Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld in Posen u. a. m. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Aus Hessen. In der jetzigen vom wüstesten Klassen- und Rassenhaß durchseuchten Zeit gibt es für uns Juden keine bessere Waffe als das Bestreben, unsere Jugend zu brauchbaren, wissenschaftlich geschulten und fürs Leben gründlich vorbereiteten Menschen heranzubilden und mit inniger Liebe zum angestammten Glauben und zur Lehre der Väter zu erfüllen. Es ist deßhalb hocherfreulich und von jedem aufrichtigen Jehudi von höchstem Interesse zu erfahren, daß eine der ältesten Anstalten Deutschlands, die seit fast vier Jahrzehnten, wie keine andere, allgemeine Bildung, gepaart mit echt jüdischer Erziehung, zu verbreiten bestrebt ist, von Jahr zu Jahr immer größere Anerkennung findet. Wir meinen das Lehr- und Erziehungs-Institut zu Pfungstadt, das nicht nur unserm engern Vaterlande, sondern idem gesummten Judenthum zur Zierde gereicht. Diese Anstalt darf sich getrost jeder andern bezüglich ihrer wissenschaftlichen Leistungen an die Seite stellen und sendet Jünglinge hinaus ins Leben, die mit gründlicher Ausbildung für die verschiedenartigen Berufszweige innige Religiosität und ehrenvollen und achtungswerthen Charakter verbinden. Nicht blos ins Geschäftsleben sieht man Schüler jener wackern Anstalt treten, um hier eine geachtete Stellung einzunehmen, eine Reihe von Jünglingen ist bereits in die oberen Klassen höherer Lehranstalten übergetreten, um sich zu Lehrern, Rabbinern u. dgl. auszubilden. So wirkt die Anstalt überallhin segenbringend und findet nicht blos in immer größeren Kreisen des jüdischen Publikums, findet auch bei der Vorgesetzten hohen Behörde Vertrauen und Anerkennung. Wie wir hören, geht der rührige Leiter des Instituts damit um, den Lehrplan der Schule nach zweckentsprechender Ergänzung des Lehrpersonals in nächster Zeit wesentlich zu erweitern und so den Zöglingen eine noch umfassendere Ausbildung zu gewähren. Es ist wirklich eine Freude zu sehen, wie die der Anstalt anvertrauten Kinder der besten Familien körperlich gedeihen, mit Lust und Freudigkeit an die Arbeit gehen und zu geistig und sittlich brauchbaren Söhnen unseres Volkes heranwachsen. Möge diese wackere Anstalt, die Pflanzstätte jüdischer Bildung und Erziehung, auch fernerhin gedeihen! Ans Westfalen. In unserm jüngst veröffentlichten Artikel über die rel. Zustände in den industriellen Bezirken Westfalens haben wir Dir, gesch. Leser, in kurzen Umrissen, ein kleines, trauriges Bild entrollt, wie man hier mit Frivolität die heiligen Tage des Herrn, die Sabbat- und Feiertage entheiligt und die Speisegesetze Übertritt. Im Nachfolgenden wollen wir, um unserm, im beregten Referat gegebenen Versprechen nachzukommen, zeigen, wie traurig es in angeführten Landestheilen Westphalen mit rinwp dem öffentlichen Gottesdienste bestellt ist. Man mißverstehe uns nicht, ich spreche speziell von hiesiger Gegend. Denn, im Rgbez. Münster hat man G. s. D. noch fromme Gemeinden, wie mir, der ich lange Jahre dort als Lehrer und Cantor gewirkt, solcher viele bekannt sind. Und wenn auch im Laufe der Jahre die alten gottesfürchtigen Männer nach dem Jenseits abberufen sind, so können wir doch mit Genugthuung, zu unserer Freude konstatiren, daß auch die Heranwachsende, jüngere Generation in den Fußtapfen ihrer frommen Vorfahren fortwandelt und unserm beseligenden und beglückenden Religionsgesetze treu anhängt. Sollten Dich, l. Leser, Deine Schritte einmal nach hiesiger Gegend führen und willst Du, um Deine rel. Bedürfnisse zu befriedigen, die Synagoge besuchen, so wirst Du, wenn es am Freitag Abend und Schabbos Morgen ist, staunen.