Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 67 (22.8.1892)
- Date
- 1892-08-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1280 Arzte, und da sie diesen nicht zu Hause fand zu einem zweiten und so geschah es, daß schon die Dunkelheit hereingebrochen war, als sie allein zu ihrer erkrankten Freundin zurückkehren wollte. In der Himmelpfortgasse begegneten ihr drei trunkene Strolche, die sie gewaltsam anhielten und sie fortschleppen wollten. Es gingen wohl mehrere Personen vorüber, aber Niemand nahm sich des bedrängten Mädchens an, vielleicht besaß auch Niemand den Muth sich mit den wilden, rohen Burschen in Streit einzulafsen; — unser Kind befand sich in schrecklich peinlicher Lage. Da kam plötzlich um die Ecke ein Mann geschritten, er trat sofort an die Hallunken heran, befahl ihnen das Mädchen frei zu geben und als sie seine Aufforderung mit brüllendem Hohngelächter beantworteten, ließ er seinen starken Knotenstock so wuchtig aus das Haupt des Mannes, d er Lea am Arm hielt, niedersausen, daß dieser blutüberströmt, ohnmächtig zu Boden sank, und nun vertheidtgte er sich und Lea so lange gegen die beiden Andern, die wüthend auf ihn einstürmten, bis der Lärm die Rumorwache herbeiführte, bei deren Nahen die beiden anderen Männer, den verwundeten Genossen zurücklassend, die Flucht ergriffen. Die Wache kannte diesen, er war ein bekannter Raufbold und wüster Geselle, der sich schon oft in den Händen der Polizei befunden und schon viele Jahre in Gefängnissen zugebracht hatte. Da die Umstehenden, welche den Verlauf des ungleichen Kampfes mit angesehen, dem Retter unserer Lea bestätigten, daß er nur das Mädchen vor dem Anfall der elenden Wichte geschützt hatte, wurde nur der Verwundete in Haft genommen. Der Unbekannte bot sich nun unserem Kinde als Begleiterin, und Lea ersuchte ihn, sie zu Emanuel Oppenheimers Haus, bei dessen plötzlich erkrankten Tochter sie zu Besuch gewesen und für die sie den Arzt gerufen hatte, zu geleiten. — Der junge Mann schritt wortlos an ihrer Seite und auch Lea bedurfte längerer Zeit, bis sie sich so weit gesammelt hatte, ihn fragen zu können: „Darf ich den Namen des Mannes wissen, der mich aus so großer Gefahr gerettet?" und dieser erwiederte: „Sie überschätzen den kleinen Dienst, den ich Ihnen erwiesen. Auf Ihren Hilferuf mußte ja die Rumorwache erscheinen und die Unholde verscheuchen." „Sie un t er schätzen Ihre That", hatte Lea hierauf geantwortet. „Sie standen drei kräftigen, trunkenen, rücksichtslosen Menschen gegenüber. Vor kaum vier Wochen ist hier in dieser Straße in den Abendstunden ein Mann erschlagen worden. Die Rumorwache kam zu spät, sie vermochte es nicht einmal, die Thäter zu ergreifen." — So sprechend waren die Beiden bei Emanuel Oppenheimers Hause, vor dessen Thor eine Laterne brannte, angelangt, jetzt erst bemerkte Lea zu ihrem Schrecken, daß ihres Begleiters bleiches Gesicht blutüberströmt war. „Um Gott, Sie sind verwundet", rief sie, „treten Sie mit mir ins Haus, der Arzt den ich für meine Freundin geholt, wird, wenn er nicht schon hier ist, wird sogleich etntreffen." „Es ist wahrhaftig nicht der Rede werth", hatte der junge Mann ablehnend erwiedert, „eine leichte Wunde, die rasch vernarben wird", dann fügte er hinzu: „Jetzt bin ich überflüssig, im Hause des Herrn Oberhoffaktors Emanuel Oppenheimer sind Sie geborgen und dieser wird Sie wohl durch seine Diener heim geleiten lassen", dann wollte er sich nach einer ehrerbietigen Verbeugung rasch entfernen, allein Lea sprach vorwurfsvoll: „Warum wollen Sie mir Ihren Namen verschweigen?" „Der Name, den ich Ihnen nennen würde, klänge Ihnen unbekannt", erwiederte er, dann war er plötzlich fortgestürzt. (Fortsetzung folgt.) fttet erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjahrig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel j* besiegen drt E» $. K teinaekrr, Leipsig, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Ran». — österreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozuscnbung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland mck Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fi. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (.Hauptblatt): Leitender Artikel: Ein Rundschreiben des Wiener Cultusvorstandes. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Aus Nordschleswig. — Frankreich: Paris. — England: London. — Rußland: Astrachan. — Asien: Bokhara. — Vermischtes. —Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Literarische Notiz. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Hessen. Aus Westfalen. Wiesbaden. Gleicherwiesen. Lübeck. St. Wendel. — Rußland: Petersburg. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.