Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 67 (22.8.1892)
- Date
- 1892-08-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1278 Vor Gericht verantwortete sich Brat folgendermaßen: „Ich war so b'soffen, daß i gar net g'wußt Hab', wiar i. auf d'Polizei kommen bin. Drinnet is der da (auf Blum weisend) herum'hupft, so daß i eahm no ane g'schmiert Hab'." Zeuge Franz Roslifka, Schuldiener, stand vor dem Schulgebäude, als der Vorfall ans der Straße stattfand. Er bestätigt, daß Brat ohne jede Veranlassung den Blum beschimpfte und schlug und ausgerufen habe: „Wenn Alle so war'n wiar i, war'n kane Juden mehr da!" — Wenzel Doms und Johann Knirsch, Polizei- Agenten, schildern den Auftritt im Amtsloeale des Polizei- Commissariates conform obiger Darstellung. Alle Zeugen bestreiten entschieden die Volltrunkenheit des Angeklagten. — Richter (zum Angeklagten): Haben Sie schon irgend etwas gethan, um die Affaire, so weit es sich um die Ehrenbeleidigung handelt, auszugleichen — Angekl.: I? I kenn' eahm ja gar net. Herr Blum erklärte sodann, daß er acht Tage in Folge der Geschwulst am Auge seinem Geschäfte nicht nachgehen konnte, 2 fl. für das ärztliche Parere zahlen mußte und für eine sünsköpfige Familie zu sorgen habe. — Richter (zum Angeklagten): Ihr Vorgehen ist unqualificirbar! — Angekl.: I zahl' Steuer! — Blum: Ich bitte sehr, auch ich! — Richter: Ob Sie Steuer zahlen oder nicht, der Steuerbogen ist kein Freibrief für Brutalität! Der klägerische Vertreter Dr. Max Deutsch wies ans die Erschwerungsnmstände hin, welche in der Geringschätzung gegen eine Religions-Genossenschaft, in der Verhöhnung des Amtsortes und der Wiederholung gelegen sind, und beantragte strenge Bestrafung. — Der Richter erkannte Anton Brat der Uebertretung der §§ 411 und 496 schuldig und verurtheilte ihn zu einer fünftägigen Arreststrafe, Ersatz von 5 ft. Verdiensteutgang und 2. fl. für das Parere an Blum, sowie zur Tragung der Proceßkosten. — Richter (zum Verurtheilten); Sie können gegen die Strafe berufen. — Angekl.: A nix! Mi ärgern nur die 7 fl., die i eahm zahl'n soll. I zahl' s' eahm halt nur in Raten! . . . Dann möcht' i bitt'n, daß die G'schicht' net in d'Zeitung kommt, es schadet mir bei meinen jüdischen G'schästsleut'n. Wien, 16. August. Der Comptoirist Herr Ludwig Bittner und der Stud. med. Herr Rudolph Schreiber wurden am 11. v. M. gegen 10 Uhr Abends im Prater, nächst der Restauration Calasatti, von vier jungen Leuten aus gar keinem anderen Grunde überfallen und mit Stockhieben mißhandelt, als — weil sie für Juden gehalten wurden. Die Uebersallenen setzten sich zur Wehre, und es gelang ihnen, einen der Angreifer, den Schneidergehilfen Johann Ezermak, fesinchmen zu lassen, während die anderen drei die Flucht ergriffen. Die Herren Bittner und Schreiber erlitten Verletzungen leichteren Grades. Ihrer Angabe nach war Johann Ezermak derjenige, der den Uebersall veranlaßte und mit den Worten: „Was wollt's denn hier haben, Juden!" ans sie eindrang und auf die harmlos Lustwandelnden ohne jede Veranlassung mit seinem Stocke losschlug. Die drei anderen Bursche, die ihm hiebei Succurs leisteten, konnten nicht eruirt werden. Johann Ezermak, der sich heute vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Leopoldstadt zu verantworten hatte, behauptete, sie nicht näher zu kennen. Der Richter Dr. Sedlaczek verurtheilte den Angeklagten zu einer zehntägigen Arreststrafe. .Kolornea (Galizien), 15. Aug. Dem „N. W. T." wird von hier berichtet: Der Ausstand der Tales (Gebettuch)-Weber dauert fort. Es striken gegenwärtig ungefähr 400 Weber, unter deren Familien eine große Roth herrscht. Der gestern hier eingetroffene Gewerbe- Inspektor sucht zu vermitteln und unterhandelt mit dem Führer der Sinkenden. Da einige Weber den Strike brachen und doch arbeiteten, kam es zn einem Exceß, bei dem zwei Arbeiter verhaftet wurden. Lübeck, 4. Aug. Der Senat hat auf der der Stadt gegenüber am Hafen liegenden Wallhallainsel, die mit Wohnhäusern nicht bebaut ist, einen bewohnbaren Schuppen errichten lassen, in dem die aus Rußland kommenden jüdischen Auswanderer bis zu ihrer Weiterfahrt untergebracht werden sollen, um auf diese Weise deren Berührung mit der Bevölkerung zu verhindern und die Einschleppungsgekahr der Cholera herabzumindern. Der Vorstand des Vereins für Ferienkolonien hat sein an: Seestrande stehendes Kolonistenhaus dem Senate als Spital zur Verfügung gestellt, falls auf einem aus Rußland kommenden Schiffe ein Cholerafall konstatirt werden sollte. Feuilleton. „Fiirstengunst/ Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (10. Fortsetzung.) Die Dame, des reichen Banquiers Aron Arnsteins Gattin und als Jsak Brilins Tochter, Wertheimers Nichte, mochte sieben bis achtunddretßtg Jahre zählen und war noch jetzt eine schöne stattliche Frau. „Onkel" sprach sie, „Du bist die Krone unserer Familie, Du bist ebenso weise als gut, Du weißt, daß Niemand in unserer ganzen Familie einen entscheidenden Schritt unternimmt ohne Deinen Nath eingeholt zu haben, — und ich bedarf eines solchen." „Schon der Talmud spricht es aus, daß Frauen plauderhaft sind"/) meinte Werthetmer mit einem feinen Lächeln, „und jetzt erkenne ich, daß auch die Klügsten unter ihnen — zu diesen zähle ich Dich, liebe Ella, — von diesem Fehler nicht freizusprechen sind. Wozu bedarf es unter uns, dieser Einleitungen und Schmeicheleien, die ich entschieden zurückweisen muß? — Um was handelt es sich, liebe Nichte?" „Um mein einzig Kind, um meine Tochter- Lea." 1) Berachot Fol. 48 b.