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Der Israelit · 1892-08-22 · Heft 67 (22.8.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 67 (22.8.1892)
Date
1892-08-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1276 stützung an die Dänenpartei gerichtet; dieselbe ist von vier Berliner Herren unterzeichnet: L. Schwennhagen und A. Braumann, Schriftsteller. A. Reinecke, Redacteur und Verleger, und Dr. Phil. Ottomar Schuchardt. Diese „deutschen Männer" sind es, die sich nicht scheuen, einen Pact mit den ausgeprägtesten Gegnern des Deutschthums abzuschließen. Es gehört doch eine völlig vaterlandslose Gesinnung dazu, um mit der Protestpartei einen Bund einzugehen. Frankreich. Pakts, 13. August. Eine Anzahl jüdischer Familien, im Ganzen 60 Personen, ist in Marseille zu Schiff angelangt. Sie lagern elend und hungrig vor der Synagoge, und eine Subskription ist für sie im Gange. Die Unglücklichen wurden am 18. April aus Odessa und kürzlich aus Konstantinopel ausgewiesen, wo sie ein Unterkommen gesucht hatten. Es sind Rumänen, aber der rumänische Konsul kann nichts für sie thun, weil sie das Land schon allzu lange verlassen haben. Pakts, 16. August. Die Schwenkung der Bonapartisten zum Antisemitismus, die der als Boulangist gewählte Deputirte Engerand gestern in einer Bankettrede ankündigte, gilt allgemein als das sicherste Zeichen, daß die Imperialisten sich nun selbst nicht mehr verhehlen, daß sie als politische Partei vollständig bankerott sind. Ebenso überzeugt ist man aber auch, daß sie, indem sie sich an die Rockschöße Drumont's hängen, die Bewegung zum Anschlüsse an die Republick unter ihren bisherigen Mandanten nur verstärken und beschleunigen werden. Der Temps bemerkt, die Bonapartisten, die früher mit Hilfe eines rebellischen Generals auf einen grünen Zweig zu kommen suchten, glauben jetzt ihr Heil im antisemitischen Demagogenthum zu finden. Man dürfe sich über dieses neueste Abenteuer nicht wundern. Schon andere sterbende Parteien haben in dieser Beziehung ein Beispiel gegeben und gezeigt, daß ein solches Delirium dem endgiltigen Zerfall vorausgehe. England. E. T. London, 14. August. Der Standard bringt in einer der letzten Nummern nachfolgende Depesche: Baron Htrsch's Colontsirungs - Projekt scheint nicht zufriedenstellende Fortschritte zu machen. Im letzten Monate wurden nicht weniger als 780 Einwanderer nach Europa zurückgesandt, die anscheinend von vornherein unzufrieden waren. Die ersten Ankömmlinge landeten, bevor die nöthigen Vorbereitungen für ihre Unterkunft getroffen worden waren. Ein aufrührerischer Geist bemächtigte sich bald ihrer, und sie machten Ansprüche, denen man unmöglich Nachkommen konnte. Diejenigen, die nach Europa zurückgesandt wurden, wollten weder arbeiten, noch Vernunft annehmen, und je länger ihre Anwesenheit dauerte, um so demoralisirender wirkte ihr Beispiel. Als letztes Mittel bot man ihnen freie Rückfahrt nach Europa an, was sie bereitwillig annahmen. Im Ganzen blieben nicht mehr als 3000 Seelen zurück, die bis jetzt fast nichts zur Kultivirung gethan haben, und einfach von den reichen Mitteln lebten, die Baron Hirsch zur Verfügung gestellt hat. In der That bat es allen Anschein, daß das Ansiedelungsprojekt, soweit Argentinien davon berührt wird, als mißglückt anzusehen ist. Die Cholera-Epidemie macht sich auch im Judenviertel von Teheran (Persien) fühlbar; 15—30 Todesfälle ereignen sich täglich. Das Ministerium für Angelegenheiten der nicht orthodoxen Religionen in Rußland beschäftigt sich, wie bereits berichtet, augenblicklich mit der Regelung der jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten und will selbe unter „staatliche" Controlle stellen. Dr. M. Mielzinger. Professor des Talmuds am Hebrew-Union-College, wird demnächst seine „Einleitung in den Talmud" veröffentlichen. Das Buch zerfällt in die „historische und literarische Einleitung", in eine „talmudtsche Hermeneutik" und „talmudische Terminologie und Methodologie". Rußland. Astrachan, im August. Bei den Cholera- Krawallen, die in den jüngsten Tagen hier herrschten, hatten auch die hiesigen Juden viel zu leiden, besonders aber die Gemischtwaarenhändler und die Branntweinschänker, da der plünderungssüchtige Pöbel die Gewölbe demolirte und sich hernach an Schnaps, Brot, Käse, gedörrten Fischen und sonstigen Eßwaaren gütlich that. Einem jüdischen Branntweinfabrikanten, der sich vor der Wuth des Pöbels mit seinem kleinen Töchterchen und einem bet ihm eben zu Gast weilenden jüdischen Arzte in seinen Hauskeller geflüchtet hatte, wurde der dort aufbewahrte Spiritus in Brand gesteckt. Zum Glücke exiftirte in dem Keller ein Nebenausgang, durch den sich die drei Flüchtlinge ins Freie retten konnten, sonst wären sie sicher ein Raub der Flammen geworden. Viele Juden der hiesigen Gemeinde sind durch diese Krawalle fast an den Bettelstab gekommen. Asien. Bokhara. Vier Jahre sind eben verflossen, seitdem die Transkaspibahn dem Verkehre übergeben wurde, und schon zeigen sich ihre Segnungen auch im hiesigen Judenviertel. Vor Allem sind es die vielen fremden Kaufleute, die aus Rußland und dem übrigen Europa hierherströmen, um hier Seide und andere Landesproducte einzukaufen oder hier Absatzguellen für europäische Fabrikate zu eröffnen, welche unserer jüdischen Bevölkerung zum Wohle gereichen, denn sie bedienen sich fast alle der Juden als Sensale oder Agenten (wekils) und lassen sie so ein schönes Stück Geld verdienen.

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