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Der Israelit · 1892-08-18 · Heft 66 (18.8.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 66 (18.8.1892)
Date
1892-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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sind, fügen wir noch Benjamin Franklin hinzu. Lauter Juden, nicht wahr? Im Ernst zu sprechen: Herr Levi P. Morton ist mit den Juden so wenig „stammverwandt", wie die Redakteure der „Kreuzztg.", und weniger, als mancher intime Parteigenosse derselben. Aber ein Skandal ist es, daß eine Zeitungs-Redaktion nicht weiß, wie verbreitet in Amerika gerade in den kirchlichsten Volkskreisen alttestamentarische Vornamen sind." > Vermischtes. < Waldlaubersheim, 5. August. Eine?*n ntw, eine wahre und edle Tochter Israels, haben wir am Freitag un 'n zur letzten Ruhe gebettet. Frau Elise Kann, Tochter des kaum vor einem Jahre verstorbenen Alexander Grünebaum rv'y aus Bergen bei Frankfurt a. M., geboren am 3. Febr. 1849 und am 25. März 1874 vermählt mit dem edlen Menschenfreund W. Kann in Waldlaubersheim, hauchte nach einem mehrmonatlichen Leiden ihre reine Seele aus. In der Verblichenen verliert nicht allein ihr tief betrübter Gatte eine Stütze und Rathgeberin, sondern die hiesige Gemeinde, ja die ganze Umgegend hat ein Vorbild der Frömmigkeit und der Religiosität verloren. Die so früh von uns Geschiedene, verstand es durch ihre liebreichen, zu Herzen dringende Worte, Andersdenkende zu gewinnen und auf den rechten Weg zu lenken, so daß unsere Gemeinde ein Muster hiesiger Gegend wurde. Als Wolthäterin war ihr Namen in öffentlichen Blättern nie bekannt, weil sie eine yjyn war. Weit über die Grenzen, weit über den Ocean hat sie ihre Saat der Wohlthätigkeit gestreut, welche sie jetzt am Thron des Allgütigen reichlich ernten wird. Ihre Bescheidenheit, die liebreichen, tröstenden Worte, welche sie den Armen und Bedürftigen bei jeder Gabe gespendet, machten dieselbe erst recht werthvoll. Ihr edler Gatte ließ sie frei und freudig gewähren, sie gab mit vollen Händen, unterstützte die Bedürftigen, kräftigte die Kranken, labte die Schwachen und beherbergte die Müden. Ihr Streben war, die Kinder in ihrem Sinne zu erziehen und die Lehre Gottes in ihrem Hause heimisch zu machen. Zu ihrem Leichenbegängnis eilten Freunde und Bekannte von Nah und Fern herbei, ohne Unterschied des Glaubens, um der Edlen die letzte Ehre zu erweisen. Im Leichenhause schilderte Herr Dr. H. Sänger- Bingen die Verdienste der Seligen und mahnte in trefflichen Worten zur Nachahmung. G—n. Lodz, 10. August. Das Petrikaucr Bezirksgericht verurtheilte nach dreitägiger Verhandlung wegen der hier Anfang Mai stattgehabten Arbeiterunruhen und wegen Plünderung, Mißhandlung von Juden und Aufreizung zum Ausstand 2 Arbeiter zu 1'/, Jahren, 22 zu 1 Jahr, 6 zu mehrmonatlichen Gefängnißstrafen. Die Verhandlung gegen eine zweite Reihe von Angeklagten erfolgt im September. Der österreichische Reichsrathsabgeordnete Dr. Eduard Ritter v. Gniewos) hat auf die Stelle eines Mitgliedes des Präsidiums im Kuratorium der Baron Hirsch- Stiftung mittelst eines Schreibens an die Kuratoren resignirt und den Sekretär des Kuratoriums ersucht, dieses Schreiben den Kuratoren bekannt zn geben. Im Haag starb Herr Isaak Belinfante, einer der Veteranen der holländischen Presse. Als. sich die Journalistik in Holland noch so zu sagen in ihrer Kindheit befand, bemühte sich Herr Belinfante als Chef des Korrespondenz-Büreaus für die Tagesblätter in hervorragender Weise um ihre Entwickelung. Er leitete dieses Büreau zusammen mit seinem Sohne bis vor wenigen Jahren. Herr Belinfante nahm einen lebhaften und thätigen Antheil an der Führung fast aller jüdischen Institutionen im Haag. Seine Familie ist eine hervorragende und wird von den Tosaphisten in vielen ihrer Schriften erwähnt. Feuilleton. „Mrstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetznngsrechte Vorbehalten. (9. Fortsetzung.) Der Oberhoffaktor unterbrach ihn. „Westerloo steht nicht mehr am Rhein, er wurde schon vor einem halben Jahre nach Ungarn dislocirt, er hat auch an der Schlacht bei Belgrad und der Erstürmung der Festung theilgenommen." Wertheimer brach plötzlich ab und läutete mit der Tischglocke und als ein Diener eintrat, sprach er: „Ich lasse Herrn Levi bitten, herüber zu kommen." Nathan Heller blickte überrascht, verlegen auf, er mußte glauben Wertheimer habe sich plötzlich an irgendein wichtiges Geschäft erinnert, habe diesbezüglich einen Befehl zu ertheilen, und habe — bet der bekannten Ueberlast von Geschäften, die auf ihm ruhten, wareine solche Zerstreutheit immerhin denkbar — in dem Moment vergessen, daß er — Nathan Heller sich im Zimmer befinde. Er mußte seine Audienz als beendet betrachten und wollte nach einer tiefen Verbeugung, betrübt, in seinen Hoffnungen getäuscht zur Thüre schreiten, aber Wertheimer rief: „Warum wollen Sie sich entfernen, bevor wir die Angelegenheit, die Sie hierhergeführt, zu Ende besprochen?" „Ich glaubte, Herr Oberfaktor, Sie hätten Ihrem Commis einen Befehl zu ertheilen, da wäre meine Anwesenheit unbescheiden." „Das, was ich von meinem Commis zu erfahren wünsche, könnte möglicherweise in Beziehung zu Ihrer Angelegenheit stehen."

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