Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 66 (18.8.1892)
- Date
- 1892-08-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1257 in Jaffa gelandet; es werden dortselbst sowie in Smyrna weitere Zuzügler erwartet. Lemberg, 13. August. Wie mau polnischen Blättern aus Petersburg berichtet, wird durch ein neues Gesetz über die Erdwachsgewinnung im Kaukasus bestimmt, das; fortan russische Juden und Ausländer zur Erwerbung irgend welcher Naphthagruben nicht zugelassen werden sollen. Frankreich. Paris. Gelegentlich der jüngsten Pretsvertheilung sprach der llnterrichtsminister Bourgeois sich in gleichem Sinuc wie Freycinet scharf gegen den Antisemitismus aus. „In dem Augenblicke, wo gewisse Menschen sich nicht scheuen, religiösen Haß und Zwietracht zwischen den verschiedenen Klassen der Bevölkerung und selbst in das Heer zu säen, muß man diesen Leuten eine Lection ertheilen; sie soll ihnen zu Theil werden durch die polytechnische Gesellschaft, deren Geist der Eintracht Vielen zum Vorbild dienen sollte." Paris, 8. August. Der antisemitisch boulangtstische Depntirte des Vorortes Eourbevoi B o n d e a u, ist seit Kurzem verschwunden. Er hat vor etwa 14 Tagen heimlich seine Wohnung in Saint-Queu geräumt und dieselbe, ohne fällige Miethe zu bezahlen, verlassen. Der Hausherr reichte die gerichtliche Klage ein, doch ist der gegenwärtige Aufenthalt Bondeaus unbekannt. England. London. Die eben erschienene Nummer 19 des „Freien Blattes" veröffentlicht folgendes an die Redaktion dieser Zeitung gerichtetes Schreiben des Orientalisten Friedrich Max Müller in Oxford: Oxford, 7. August 1892. 7, Norham Gardens. Verehrter Herr! Ich habe schon zu wiederholtenmalen mein Mißfallen gegen das Treiben der Antisemiten ausgesprochen. Ich bin in allen Dingen gegen seichtes Gencralisiren. Wenn man die allgemeinen Urtheile über Engländer, Franzosen, Deutsche?c. hört, so möchte man immer fragen: Wie viel Engländer haben Sie denn gesehen und gekannt? Vielleicht zwanzig, und dennoch urtheilt man über zwanzig Millionen! Ich habe viele Juden gekannt, bin ja in Dessau geboren. Viele meiner besten Freunde waren Juden. Nun gibt es auch schwarze Schate unter den Juden, aber nach ihnen das ganze Volk zu beurtheilen und zu verurtheilen, das geht doch gegen alle Regeln der inductiven Logik! Ich habe seit, lange jedem Deutschen in England gepredigt, daß er als Einzelner für den guten Namen des deutschen Volkes in England verantwortlich ist. Dasselbe möchte ich jedem Juden predigen können. Jeder einzelne Jude ist für den guten Namen der Juden verantwortlich. Wenn jeder einzelne Jude das fühlte oder wenn die Gemeinde ihn das fühlen ließ', so würde es keinen Antisemitismus geben. Das in Bausch und Bogen Aburtheilen ist der Ruin aller Wissenschaft; was für Unheil es in der Gesellschaft und im Staate anrtchten kann, sehen wir in den Excessen der Antisemiten. Ich bin Anti-Antisemit und werde es bleiben. Hochachtungsvoll ergebenst F. Max Müller. Rußland. Petersburg, 24. Juli. Die heute pnblicirtc neue Städte-Ordnung bestimmt, daß bis zur Revision der Judengcsetze Juden weder zu städtischen Wahlen noch zur Bekleidung eines Communal-Amtes zuznlassen sind. Wo sie beständigen Aufenthalt haben, Kiew ausgenommen, ernennt die Behörde für die städtischen Angelegenheiten die jüdischen Stadtdeputirten auf Grundlage einer vorher angefertigten Liste. Ihre Zahl darf auf keinen Fall ein Zehntel der Gesammtzahl der Stadträthe übersteigen. Amerika. New-Aork. Ein amerikanisches Blatt, die „New- Borker Handelsztg.", Hab jüngst in derThat die bemerkenswcrthe Erscheinung hervor, daß der gegenwärtige Vizepräsident der Bereinigten Staaten, Morton, in der Präsidentschafts-Kampagne sang- und klanglos verschwindet. Nun heißt der Mann mit seinem vollen Namen Levi P. Morton, und dies hat auf die „Kreuzztg." so aufregend gewirkt, daß sie n. A. schreibt: „Wie das Judenthunl ans jeder Blume Honig zu saugen, bei jedem Anlaß für seine Leute Reklame zu machen weiß — unter Umständen auch da, wo diese Leute einmal auf die „Unrechte Seite" gefallen sind — das zeigt eine höchst beleidigende Auslassung, welche die „New-Sjorker HandelSzeitung" über die angeblich ungerechtfertigt schlechte Behandlung bringt, welche dem Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten Herrn Levi P. Morton von Seiten der Partei zu Theil geworden sei. Herr Levi P. Morton hat nicht einmal einen Dank für seine Leistungen erhalten. Wahrscheinlich ist er eben „zu gut" für diese undankbaren Leute, bei denen es ebenfalls an Verständnis; für die Vorzüge ihrer „Mitbürger mosaischer Konfession" zu fehlen beginnt u. s. w." — Hierzu bemerkt die „Nationalztg.", welche die Auslassung des amerikanischen Blattes abgcdruckt hatte: „Wir wollen der „Kreuzztg." noch einige hervorragende Amerikaner ans der Gegenwart und Vergangenheit nennen, die ihr zu ähnlichen Betrachtungen Anlaß geben können. Da ist zuvörderst der gegenwärtige Präsident Herr Benjamin Harrison, der Attorney-General Zacharias Montgomery, der Krösus Jakob Vanderbilt. Aus der Vergangenheit ist dem geschätzten Blatte vielleicht Abraham Lincoln bekannt, ferner der General des Sezessionskrieges Benjamin Butler,- und da wir gerade bei den Benjamins