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Der Israelit · 1892-08-18 · Heft 66 (18.8.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 66 (18.8.1892)
Date
1892-08-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1255 Wohlan, lernen wir es von einem Volke, dem das Walten der Geschichte auch übel mitgespielt hat. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen. Deutschland. Alsbach in Hessen, 7. August. Heute feierten Herr Koppel David und Frau Gemahlin aus Alsbach ihre goldene Hochzeit. Um 3 Uhr wurde in der mit Blumen geschmückten und festlich beleuchteten Synagoge das Minchagebet verrichtet, sodann betrat Herr Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt die Kanzel und hielt eine schwungvolle und begeisterte einstündtge Rede, die alle Anwesenden zu Thränen rührte. Ueber hundert Personen hatten sich in der Synagoge versammelt, davon ca. die Hälfte Nichtjuden, darunter der evangelische Geistliche, Bürgermeister und Gemeinderath. Bei der Tafel hielt Herr S. Bentheim aus Bickenbach, Vorstand der Reltgionsgemeinde und des Friedhofsverbands Alsbach eine Ansprache, worin er das 40jährige Wirken des Herrn David als Rechner in den beiden Gemeinden hervorhob und schloß mit den Worten: wer rastet — rostet. Im Aufträge der beiden Gemeinden gab Herr S. Bentheim Herrn David zwei prachtvolle Geschenke. Außerdem übergab er dem Jubelpaar einen Glückwunschbrief des Großherzogl. Kreisamts von Bensheim. — Herr Koppel David bedankte sich herzlich für die vielen Geschenke, sodann hielt Herr Lehmann David aus Mainz (Sohn des Jubelpaars) eine Dankrede an Herrn Rabbiner Dr. Marx sowie an die beiden Gemeinden und deren Vorsteher. Berlin, 25. Juli. Wie man aus St. Petersburg schreibt, hat die strenge Durchführung der Gesetzesbestimmung, welcher zufolge Juden in den Dörfern des Gouvernements Volhynien keinen Jmmobilienbesitz haben dürfen, und die Ausweisung vieler Juden aus ihren bisherigen Wohnsitzen für den Detailhandel in den Dörfern viele Unbequemlichkeiten nach sich gezogen. In Folge dessen hat der Gouverneur von Volhynien ein Circular verlautbart, in welchem er ausführt, es sei zu seiner Kenntniß gekommen, daß in einigen Dörfern, aus denen sämmtliche Juden entfernt seien, der Handel mit Gegenständen bäuerlichen Bedarfes gänzlich aufhört habe, so daß die Bauern oft selbst zur Anschaffung der gewöhnlichen Bedarfsartikel gezwungen seien, sehr bedeutende Strecken zurückzulegen. Um diesen Mtßstand zu beseitigen, wird den Jsprawniks und Friedensrichtern anempfohlen der Entwicklung des Kleinhandels auf den Dörfern ernste Aufmerksamkeit zuzuwenden und darauf hinzuwirken, daß in den Dörfern Gemeindebuden für den Detailhandel eröffnet werden. — Die Maßregelung der Juden und überhaupt aller Nichtslaven in Rußland wird noch ganz andere verderbliche Folgen für Rußland haben. Noch jedes Land hat am eigenen Leibe den Schaden verspürt, den es seinen wirthschaftlich regsamen Bewohnern zudachte und zufügte. Berlin, 13. August. Gegen mehrere antisemitische Führer, die jüngst in einer Charlottenburger Versammlung bei Besprechung des Prozesses Buschhoff Unglaubliches geleistet und unter Anderem behauptet hatten, der Kaiser habe angeordnet, daß Buschhoff auf alle Fälle freigesprochen werde, und der Justizminister habe das Gericht beeinflußt, ist jetzt Anklage wegen Majestätsbeleidigung, Beleidigung des Schwurgerichts, des Staatsanwalts, des Landgerichtsraths Brixius und des Kreisphysikus Bauer erhoben worden. Köln, 13. Augüst. Der frühere Vorsitzende des hiesigen antisemitischen Vereins, Julius Grüner, wurde heute von der Strafkammer wegen Unterschlagung und Diebstahl zu fünf Monaten und einem Tage Gefängniß verurtheilt. Luxemburg. Durch Erlaß des Herrn Generaldirektors des Innern vom heutigen Tage erhält die jüdische Gemeinde staatlicherseits ein Subsid von 15,0O0 Franken zum Bau der neuen Synagoge. Da die Stadt Luxemburg eine Beihilfe in gleicher Höhe zu gleichem Zwecke bewilligt hat, so verfügt die jüdische Gemeinde jetzt über 30,000 Fr. Hilfsbeiträge. Diese Thatsache ist gewiß ein schöner Akt religiöser Toleranz seitens der staatlichen und städtischen Behörde, welcher in unserer Zeit doppelt erfreulich ist. Freiburg, 24. Juli. Handelsmann Marx Josef Mayer von Müllheim, das Opfer des antisemitischen Bürgermeisters Müller von Rheinweiler, wurde von der hiesigen Strafkammer von der Anklage des Betrugs und falscher Anschuldigung kostenlos freigesprochen und die Kosten für drei Bertheidiger der Staatskasse auferlegt. Aus Thüringen. Die reine ozonreiche Thüringer Luft scheint gewissen Kreisen jeder Spur von Toleranz entführt zu haben. In früheren Jahren gehörte der reizende Badeort „Liebenstein" zu den besuchtesten unter den Bädern Thüringens. In diesem Sommer ist eine auffallende Leere zu verzeichnen, aus der gewisse Kreise eine noch auffallendere Lehre ziehen werden. Ich war neu- und wißbegierig nach dem Grunde dieser Erscheinung zu fragen. Da erfuhr ich denn, daß man die „Juden habe raus" haben wollen. Infolge dieses Wunsches hatte man von der Besitzerin des nach jüdischem Ritus streng geführten Restaurants den „kleinen" Betrag von 600 Mark

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