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Der Israelit · 1892-08-16 · Heft 65 (16.8.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 65 (16.8.1892)
Date
1892-08-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1244 meiner Enkelin verbringen würde; aber zu meiner peinlichsten Ueberraschung erklärte mir mein Schwiegerenkel, daß er nicht in Böhmen zu bleiben beabsichtige, daß er nach seiner Heimath, nach Ungarn zurückkehren wolle, wo er mit der Mitgift seiner Frau weit mehr als in Böhmen verdienen, bald ein sehr reicher Mann werden würde. „Ich versuchte vergeblich ihn von seinem Entschlüsse abzubringen und mußte mich, trotzdem es mir das Herz brach, von meinem geliebten Enkelkinde trennen. — Mein armes Enkelkind hatte schlecht gewählt, ihr Gatte entpuppte sich bald als unstäter, leidenschaftlicher und gewissenloser Mensch. Anstatt, wie er es versprochen, sich an einem Orte seines Vaterlandes seßhaft zu machen und ein Geschäft zu gründen, trieb er sich müßig in Ungarn, Polen, zuletzt in Deutschland herum und versuchte es nur auf Jahrmärkten und in Wirthshäusern, als Taschenspieler, wohl auch durch falsches Kartenspiel etwas Geld zu erwerben. Das Flehen feines Weibes, das ihn unter Thränen beschwor, sein wildes, unstätes Leben aufzugeben, fand ihn taub, ja er mißhandelte die Aermste in grausamer Weise. In einem Dorfe am Rhein verließ der niederträchtige Schurke sein Weib. Als sie eines Morgens in einer Scheuer, in der sie übernachtet hatten, erwachte, war ihr Gatte spurlos verschwunden und hatte alle ihre geringen Habseligkeiten — ihre Mitgift hatte er schon früher verpraßt — mitgenommen. Ein Wunder Gottes war's, daß das arme Weib nach einer langen Wanderung voll Mühsal, ihre Heimath, mein Haus erreichen konnte. „Ich bin ein achtzigjähriger Mann; wenn ich sterbe, bleibt mein Kind schutzlos allein zurück. Ich hätte Alles, was ich besitze, darum gegeben, wenn ich den Schurken aufsuchen, ihn vermögen hätte können, durch einen Get*) das Band der Ehe zu lösen, das meine Enkelin an den Unwürdigen kettet; aber wo ihn suchen? Da kamen vor einigen Tagen zwei Bale-battim2) aus unserer Gemeinde, Samuel Schiff und Salomon Deutsch, welche einen Pferdehandel bis nach Deutschland betreiben, von einer viele Monate währenden Reise heim und berichteten, sie hätten in einem Soldaten des Regimentes Westerlo o den Gatten meiner Enkelin sofort an einem Feuermale erkannt, das seinen sonst schönen Gesichtszügen ein so auffallendes Merkmal aufprägt, daß ihn jeder, der ihn nur einmal gesehen, sofort unter Tausenden wieder erkennen muß. — Wenn es mir nicht gelingt, in irgend einer Weise für mein Enkelkind einen Get von ihm zu erlangen, würde dieses ewig an ihn gefesselt bleiben und auch, wenn er in einer Schlacht fiele, wäre meinem Enkelkinde nicht zu helfen, man würde kaum, wie es der Din3) vorschreibt, zwei glaubwürdige Augenzeugen für seinen Tod aufzutreiben vermögen, und die arme Frau, die Niemanden als einen achtzigjährigen, an der Schwelle des Grabes stehenden Großvater besitzt, dürfte nie die Gattin eines anderen Mannes werden, würde keinen Schutz, kein Heim, nicht Raft und Ruhe finden, bis ans Ende ihres unglücklichen Lebens. Sie, Rabbi, der Sie auch Oberkriegs- und Oberhoffaktor sind, sind der einzige Mensch auf Erden, der uns mit Gottes Beistand helfen kann. Sie sind vom mächtigsten Einflüsse, wenn Sie die die Gnade haben wollen, meinem Kinde die Mizwa 4) zu erweisen, sich bei dem Kommandanten des Regimentes Westerloo, das vor acht Monaten am Rheine stand, zu verwenden." _(Fortsetzung folgt.) 1) Scheidebrief. 2) Familienväter. 3) Das rabbinischmosaische Gesetz. 4) Gutthat. Der »Zlraelit* erscheint wöchentlich zweimal, MantagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. PmiL de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'8 Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährtg, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel »» dytr-r« bei L. $. Ktrinackrr. Leipzig, Koßplatz IS. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Pelitzeile oder deren Rmnn. — Oesterretchische Banknoten laut Evurs. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'8 Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt <HauPtblatt): Leitender Artikel: Gebrechen der Zeit. Von Joseph Wechsler, Fürth. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Posen. Würzburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fnrstengnnst." Erzählung von S. liohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Westfalen. — Rußland. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Berantwortliche Redaclion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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