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Der Israelit · 1892-08-16 · Heft 65 (16.8.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 65 (16.8.1892)
Date
1892-08-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1243 der Gewißheit nähernden Wahrscheinlichkeit, würde die Werbung seiner Majestät des Königs von Polen für höchst dessen Sohn die erwünschteste Aufnahme finden. — Da wir Beide von Spionen umgeben sind, die wir gar nicht kennen, rathe ich, auch dieses harmlose unschuldige Schreiben unbemerkt sofort zu vernichten und dagegen beiliegendes Billet, in welchem ich höchst Ihnen zu Ihrem Geburtsfeste meine herzlichsten Wünsche ausspreche, auf dem Schreibtische liegen zu lassen. Mit dem Ausdrucke meiner höchsten Verehrung Eurer kaiserlichen Hoheit ausrichtigst ergebener Eugenio von Savoyen. Zu derselben Stunde sandte Graf Althan an densardinischen Gesandten, Marquis von St. Thomas folgendes Schreiben: Euer Excellenz! Der Prinz von Asturien, ein Pferdeliebhaber, war heute zur Besichtigung der kaiserl. Marställe, eine Stunde in diesen, er wurde wie gewöhnlich beim Kaiser zur Hoftafel geladen und war früher i n A u d i e n z bei ihrer Majestät der Kaiserin. Der Kaiser findet an dem Prinzen Gefallen, ist für ihn günstig gestimmt und sehr für ihn eingenommen. Der Prinz gefällt hier allgemein, er will, wie seine Freunde behaupten, keinen Einflüsterungen der sich an ihn drängenden Schmeichlern Gehör geben, nur Wahrheit hören; selbst Lhatsächliche Beweise kaiserlicher Gunst, die ihm zu Theil werden, scheinen in der That ihn nicht zu veranlassen, sich in den Strudel des Hoflebens zu st ü r z e n. Der Kaiser will ihn unterhalten wissen und un sere Aufgabe, der wir eifrig Nachkommen wollen, muß es sein, Amüsements für ihn zu finden oder solche zu schaffen. Ich halte es aus dem Grunde für eine Pflicht, Ew. Excellenz von der Sachlage sofort in Kenntniß zu setzen, weil die Angelegenheit drängt. Ew. Excellenz würden nämlich seine Majestät den Kaiser verbinden, wenn Sie die Gnade hätten, seinem illustren Gaste eine Einladung zu Ihrem übermorgtgen Ballfeste zu senden. Mit vorzüglichster Hochachtung Ew. Excellenz ganz ergebenster Graf Michael Althan, kaiserlicher Oberstallmeister. Dieser zwar nicht glänzend sttlisirte, dagegen aber ganz harmlos erscheinende Brief war so geschrieben, daß der letzte Satz die zweite Seite einnahm. Allein Marquis St. Thomas wußte, daß in Althans Briefen nur das erste Wort, oder die ersten Worte jeder Zeile des ersten Blattes die eigentlichen Mittheilungen enthielten, die andern aber nur bezweckten den Inhalt einem Uneingeweihten unerkennbar zu machen. Das erste Wort oder die ersten Worte jeder Zeile des ersten Blattes, mit Auslassung der Zwischenworte, lauteten, wie sich der geehrte Leser leicht selbst zusammenstellen kann, folgendermaßen: Der Prinz war heute eine Stunde lang beim Kaiser in Audienz. Der Kaiser ist für ihn eingenommen, er will keinen Einflüsterungen Gehör geben. Nur thatsächliche Beweise werden ihn stürzen. Unsere Aufgabe muß es sein, solche zu schaffen. Sechstes Kapitel. Des Oberhoffaktors und Oberrabbiners Samson Weriheimer gewöhnliche Audienzstunde hatte begonnen und ein alter Mann trat in dessen Kabinet. „Wer sind Sie und was wünschen Sie V frug Wertheim er höflich. „Ich heiße Nathan Heller und bin aus Raudnitz in Böhmen. Ich hatte das Unglück einen wohlgerathenen Sohn ins Grab zu senken, mußte dessen ganz verwaiste Tochter, meine Enkelin, als dreijähriges Kind in mein Haus nehmen und habe sie zu einer braven, sittsamen Jungfrau erzogen. Einige Jahre vorher hatte ich einen halbwüchsigen Burschen, der, wie er behauptete, frühzeitig seine Eltern verloren und bettelnd die Welt durchzog, aus Barmherzigkeit in mein Haus und Geschäft ausgenommen. — Vor einigen Jahren, als meine Enkelin das heirathsfähige Alter erreicht hatte und ich ihr mittheilte, daß sich mehrere brave, junge Leute um ihre Hand bewürben, erklärte sie mir zu meiner größten und unangenehmsten Ueberraschung, daß sie nur mit Josef Hollitsch, wie der vorerwähnte junge Mensch sich nannte, glücklich werden könne. Ich hatte vieles gegen ihre Wahl einzuwenden. Da das ungarische Dorf, das dieser als Geburtsort bezeichnete, während des Krieges gänzlich zerstört wurde und die Mitglieder der dortigen jüdischen Gemeinde sich zerstreut hatten, konnte ich über seine Familie keine Auskunft erhalten und da er in meinem Hause eine untergeordnete Stellung einnahm, hatte ich ihn nie einer genauem Beachtung gewürdigt und hatte nur mehrmals Gelegenheit zu bemerken, daß er leicht in leidenschaftliche Aufregung gerieth. Aber ich besaß auf der ganzen Welt keinen andern Menschen als meine Enkelin und da sie mich unter heißen Thränen, mit innigen Flehen bestürmte, ihrem Glücke nicht in den Weg zu treten, ließ ich mir endlich meine Genehmigung zu einer Ehe mit Josef Hollitsch abpressen. Ich hatte es als selbstverständlich vorausgesetzt, daß ich meinem Schwiegerenkel bei dessen Verheirathuug mein Geschäft übergeben und den Rest meines Lebens bei

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