Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1892)
- Date
- 1892-08-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1242 Diese Schreiben enthält folgende für uns bemerkenswerte Stelle: „In bin von dem „Figaro" abgesandt, von Herrn Magnard, seinem Direktor bestätigt, um Se. Heiligkeit zu bitten, sich über eine Frage auszusprechen, die die Menschen nochmals zu entzweien und blutige Kämpfe heraufzubeschwören droht. Ich möchte, daß Se. Heiligkeit sich über den Antisemitismus ausspreche, da ich überzeugt bin, daß, nachdem er gesprochen, kein Christ sich mehr gegen seine Ansichten auflehnen wird." Auf das Schreiben gab der Kardinal Rampolla eine zusagende Antwort. Frau Severine bemerkt noch, daß sie nicht in einfacher Audienz empfangen wurde, wie sie der Papst allen Pilgern gewährt, sondern als Abgesandte des „Figaro'" und zu einem bestimmten Zweck. Sie trat in den Salon, wo Leo XIII. sich aufhielt, um 12*/* Uhr Nachmittags, und verlieb denselben um 1 Uhr 25 Minuten. Die Unterhaltung hatte also über eine Stunde gedauert. Der Empfang beim Papste fand am 31. Juli statt und den Rest des Tages verbrachte Frau Severine damit, sofort die Eindrücke, die Worte niederzuschreiben, um jeden Jrrthum zu vermeiden. Am folgenden Tage um 11 Uhr unterbreitete sie dem Kardinal Rampolla ihr Manuscript; derselbe ersuchte sie, vier Zeilen persönlicher Beurtheilung zu streichen, welche dem Papste Schwierigkeiten bereiten könnten, und im klebrigen ist der ganze Artikel erschienen, wie er den Vatikan verlaffen hat. Was wird die klerikale Presse hierauf antworten? Rußland. Petersburg, 2. August. Ein Projekt von Maßregeln zur Regultrung der Thätigkeit der jüdischen Wohlthätigkeits- Gesellschaften ist im Departement für geistliche Angelegenheiten ausländischer Konfessionen ausgearbeitet worden und geht im kommenden Herbst an den Reichsrath zur Durchsicht. Das Ministerium des Innern giebt dem Projekt ein umständlich und eingehend bearbeitetes historisches Material über den Ursprung und die Entwickelung der jüdischen Wohlthättgketts-Gesellschaften in Rußland mit. P a l ä st i n a. Jerusalem, 6. Juli. Aus Ungarn hat Rabbiner S. B. Schreiber den Betrag von 20.000 fl., welche er daselbst zur Unterstützung der nothleidenden Juden in Palästina gesammelt hat, eingesendet. Von dem Gelde erhielt der Kollel Ungarn den zehnten Theil. Um 1320 Napoleond'or wurden 16 Häuser in einiger Entfernung von der Stadt für die Nothleidenden errichtet. Der Rest wird durch ein zu diesem Zwecke gewähltes ComltL vertheili werden. Von Constantinopel sandte das dortige Comit« zur Unterstützung der russischen Juden zweihundert Auswanderer nach Salonichi (europ. Türkei) und zweihundert nach Smyrna (Kleinasien), woselbst sie nach Abgabe der Erklärung, in den türkischen Unterthanenverband zu treten, vom Staate unentgeltlich Grund und Boden zur Bearbeitung erhalten. In nächster Zeit wird wieder ein Trupp nach den genannten Bestimmungsorten abgehen. -£• Vermischtes. < Aus Breme«, 3. Aug. Die Antisemiten in Bremen bilden eine nur kleine Schaar, die vielleicht Nichts zu bedeuten haben würde, wenn sie nicht in der Person eines Rechtsanwaltes einen so rührigen Führer hätte. Die Herren planen nun die Herausgabe eines antisemitischen Wochenblattes, da ihre Ideen bei der hiesigen Presse natürlich keine Unterstützung finden. Hier ist kein antisemitisches Feld. Es sei nur daran erinnert, welche Rolle der Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Lewinger, spielt. In allen möglichen, gemeinnützigen Vereinen, in Krieger-, Bürger-Vereinen rc. hält er gern gehörte Vorträge. Am letzten Sonntag weihte er vor Tausenden von Personen die Standarte des Vereins der 15. Husinnen, unter denen kein Jude ist. Es ist dieses ein merkwürdiges, aber bezeichnendes Resultat. Für Buschhoff wurden hier fast unter der Hand nur durch Christen 2000 Mk. gesammelt. Feuilleton. „Mrstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (8. Fortsetzung.) Sofort nach seiner Heimkunft sandte Prinz Eugen durch einen bewährten Diener ein Billet an die Erzherzogin Maria Josefa; dasselbe lautete: Euere kaiserliche Hoheit! Durchlauchtigste Frau Erzherzogin! Ich hatte eine lange Unterredung mit dem Kaiser. Es waren politische Gründe, die ihn veranlaßten höchst Sie zu einer Ehe mit Karl Emanuel zu drängen. Der Kaiser ist edel und gütig und will sich, wenn ihn die Staatsraison nicht dazu zwingt, nicht höchst Ihrem Glücke entgegenstellen. Mit einer sich