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Der Israelit · 1892-08-16 · Heft 65 (16.8.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 65 (16.8.1892)
Date
1892-08-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1241 Kassenbericht pro 1891 hatte der Verein eine Einnahme von 6854 Mk., darunter Beitrag von ordentlichen Mitgliedern 777 Mk. und von außerordentlichen Mitgliedern 1327 Mk., sowie 1216 Mk. an Spenden und Geschenken. Die Ausgaben beziffern sich auf 5902 Mark, davon 1020 Mk. aus Unterstützungen. Der Kassenbestand beträgt demnach 952 Mk. Das Vermögen des Vereins stellt sich auf 22,558 Mk. Nach Dechargeertheilung gab Hr. Schriftführer Eschwege einen Rückblick auf die Vereinsthätigkeit seit der letzten Generalversammlung, an welchen sich die Wahl anschloß. Gewählt wurden als Vorsitzender, nachdem Hr. Lehrer Schlenker die auf ihn gefallene Wahl ablehnte, Herr Lehrer Goldstein-Maßbach, zum Schriftführer, da Herr Lehrer Eschwege seine Wiederwahl ablehnte, Herr Lehrer Mandelbaum, zum Kassier Herr Dr. Braunschweiger hier (Wiederwahl), zu Beisitzern die Herren Lehrer Fränkel-Bamberg, Ehrenreich-Höchberg, Frank-Rödelsee und Neumann-Oberaltertheim. Hr. Lehrer Oppenheimer-Leitershausen refcrirte alsdann über Besserstellung der israelitischen Religionslehrer, nach einer in einer Commission von 7 Vereinsmitgliedern stattgehabten Vorberathung, in ausführlicher Weise und stellte die Anträge, die Verwaltung möge geeignete Schritte Vorkehren, zur Erreichung des Zwecks die größeren Kultusgemeinden, wie München, Augsburg, Nürnberg, Fürth, Bamberg und Würzburg, zur Unterstützung der kleineren Gemeinden zu veranlassen; ferner der israelitische Lehrerverein solle in einer Denkschrift dem kgl. Staatsminifterium die Verhältnisse der israelitischen Religionslehrer vorführen; endlich seien behufs Besserstellung der Lehrer im Alter in Form einer Altersuntstützung die Vereinsbeiträge zu erhöhen. Nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Herren Rabbiner Dr. Mayer-Regensburg, Dr. Braunschweiger-Würzburg, Seminarlehrer Schlenker hier, Eschwege- Würzburg, Fränkel-Bamberg betheiligten, wurde beschlossen, daß die in der Sache aufgestellte Commission auch ferner fortbestehen solle. Wegen Feststellung eines Lehr- und Stoffvertheilungsplanes waren Seitens der Verwaltung an 25 Rabbinate Ersuchschreiben ergangen, von welchen indeß nur 5 beantwortet wurden. Herr Dr. Braunschweiger legte nun der Versammlung einen von ihm ausgearbeiteten Lehrplan vor, welcher vervielfältigt und den Vereinsmitgliedern zur Prüfung und Abgabe etwaiger Erinnerungen mitgetheilt werden soll. Am Schluffe der Versammlung sprach Namens derselben Herr Lehrer Dingfelder-Gunzenhausen der Verwaltung für ihre mühevolle Arbeit und Hingabe an die Sache den Dank aus und brachte derselben ein von der Versammlung lebhaft aufgenommenes Hoch aus. Die Mitglieder der Versammlung fanden sich Abends im „Köhlers-Keller" zu einer gemüthlichen Abendunterhaltung zusammen. O esterr.-Ungar. Monarchie. Wien. In der am 30. v. M. stattgehabten Sitzung des Präsidiums der Baron Hirsch-Stiftung wurde die Ernennung der Leiter und Lehrer für zehn in Galizien neu zu eröffnende Schulen vollzogen. Demnach werden im September dieses Jahres einclassige Schulen eröffnet werden in Rawaruska, wo von 458 jüdischen schulpflichtigen Knaben blos 18 die Schule besuchen, in Sassow von 228 blos 4. in Gwozdziec von 220 keiner, in Horodenka von 274 blos 45, in Monasterzyska von 249 blos 2, in Zworow von 336 blos 21, in Mielec von 204 bloS 30, in Rozwadow von 158 blos 7, in Brzesko von 295 blos 52, in Wisnicz von 281 blos 12. Außerdem werden Abendschulen für Handwerkslehringe und Analphabeten mit Beginn des neuen Schuljahres eröffnet werden in Zloczow, Kolomea, Boryslaw, Buczacz. Sambor, Rzeszow und Tarnobrzeg. — In Mtelec wurde am 1. Juli d. I. eine Korbflechtereischule eröffnet. Die Vorarbeiten zur Einführung von Schulen für Kammfabrication in Sassow, für Schlosserei in Rzeszow und für Weberei in Kolomea dürften im September beendet sein. Frankreich. Paris, 9. August. Es war vorauszusehen, daß die Herren von der klerikalen und antisemitischen Presse über die Unterredung des Papstes mit Madame Saverine sehr entrüstet sein würden. Diese Leute, die päpstlicher als der Papst sind, würden es diesem noch verziehen haben, daß er Frau Söverine empfangen hat, daß er sich aber ihr gegenüber gegen die Judenverfolgungen im neunzehnten Jahrhundert ausgesprochen hat, das will ihnen durchaus nicht in den Kopf! Sie haben daher sofort Alles aufgeboten, um die Bedeutung dieser Aeußerungen des Papstes abzuschwächen und erklärt, daß Frau Severine gar nicht vom Papste in Privataudienz, sondern mit anderen Pilgern empfangen worden sei und die Aeußerungen des Papstes theils entstellt, theils erfunden hat. Frau Severine legte diesen Leuten aber das Handwerk. Sie erzählt heute im „Figaro", „wie sie den Papst interviewt hat", und diese Mittheilungen werden ohne Zweifel Klerikale und Antisemiten zum Schweigen bringen. „Ich bin nicht", schreibt Frau Söverine, „mit Empfehlungsbriefen nach Rom gekommen. Eine einzige Empfehlung wurde von Paris abgesandt gleichzeitig mit dem Briefe, in welchem ich den Kardinal Rampolla um eine Audienz beim Papste ersuchte."

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