Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1892)
- Date
- 1892-08-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448280--34690-2482641- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1240 und die Juden" (Berlin 1884, H. Reuther) Band 1, S. 405: „Auch unter den Proselyten dieses Zeitraumes gab es einige gewöhnliche Betrüger. So werden Fälle erwähnt, in denen Getaufte noch einmal die Taufe begehrten, um das übliche Pathengeld zu erlangen. Paulus Christianus Kirchner, der eine Zeitlang am reformirten Gymnasium in Halle hebräischen Unterricht ertheilte, gehört zu jenen unlauteren Menschen und soll zuletzt wieder Jude geworden sein." — Seb. I. Jugendres, ein geborener Christ, welcher 1734 zu Nürnberg, eine neue, verbesserte und mit Bildern versehene Ausgabe des Kirchner'schen Buches besorgte, sagt in der Vorrede: „Mau sollte zwar vermeinen, als ob man bey den Convertiten die beste Nachricht einholen könnte.Allein . . so siehct jederman gar leicht . wie Wiele sich garsehr verdächtig gemacht, . . daß sie ihren neuen Glaubens-Genossen durch Anschwärtzung der alten nur einen Fuchs-Beltz verkauften und ihnen solche Dinge vorsagen wollen, von denen sie wol wußten, daß sie bey leichtgläubigen Gemüthern guten Ingreß finden und mit Plaisir angenommen werden würden. Was soll man erst von Denenjenigen sagen, von denen man leider erfahren müssen, daß sie die öffentlich bekannte Wahrheit wiederum abgeläugnet? . . Diese haben wohl nicht verdient, daß man ihrer Erzehlung, sie sey nun mündlich oder schriftlich geschehen, den geringsten Glauben beymefte. Ich will nun jetzo nicht melden, unter welche Claffe unser Autor . . gehöre, sondern nur so viel sagen, daß er in seinem Traktat . . sich nicht selten gar unrichtig finden lassen." In der Anmerkung zu der vom „Volk" angeführten Stelle, S. 150 sagt Jugendres: „Mit dieser Beschuldigung hätte der Autor zu Hcmß bleiben sollen; denn erstlich bekennt er selbst, er habe es nicht gesehen .... So ist auch schon der Brentz in seinem jüdischen Schlangen-Balg mit solcher Beschuldigung aufgezogen kommen, welcher aber gleichfalls gestehen müssen, daß sein Vorgeben Nur auf Muthmaßungen beruhet.Wer hierinnen nachzuforschen Lust hat, mag sich derjenigen Historie erinnern, welche erst kürzlich ohnweit Danzig sich zugetragen, da man auch ein todtes Christenkind in eines Juden Haus geworfen . . (Leicht hätten) viele hundert Seelen darüber in Gefahr laufen können, welches aber der gerechte Gott durch Bestrafung des recht Schuldigen noch verhütet hat." Diese Worte sind um so bedeutsamer, als Jugendres, wie seine Anmerkungen deutlich beweisen, nach dem heutigen Sprachgebrauch als „Antisemit" bezeichnet werden würde. Mein Ankämpfen gegen die „Blutbeschuldigung" trägt mir auch jetzt wieder verleumderische Angriffe ein. Trotzdem werde ich, gerade weil ich überzeugter, positiv christlicher Theologe bin, fortfahren, für die Wahrheit zu zeugen. Und die Wahrheit wird siegen. — Den christlichen Lesern dieses Blattes darf ich wohl noch sagen, was ich auch anderweitig hervorgehoben habe, daß ich weit entfernt davon bin, Apologet des Judenthums überhaupt zu sein, daß ich vielmehr nur einer falschen und durch ihre Folgen allgemein gefährlichen Beschuldigung der jüdischen Religion entgegentreten will. Posen, im August. Die Einführung der Sonntagsruhe ist sicherlich von den edelsten Motiven diktirt; denn wer im kaufmännischen Leben steht, der hatte wahrzunebmen Gelegenheit, daß oft — beispielsweise in Destillations-, Colonialwaaren- und ähnlichen Geschäften — die menschlichen Arbeitskräfte ärger wie die des Viehes ausgenutzt wurden, da das Vieh wohl ab und zu einen Ruhetag, die Menschen dagegen ihn kaum hatten. — Daß hier Wandel geschafft werden mußte, das lag auf der Hand. — Daß diese Einrichtung Manches zu Tage gefördert hat, das gewiß nicht in der Absicht dessen, der diese Einrichtung traf, lag, das steht fest. So haben sich beispielsweise manche Geschäftsleute — allerdings nicht taktfeste — veranlaßt geglaubt, den Sabbat preisgeben zu müssen, weil sie sich in dem Wahne befanden, sie würden zu Grunde gehen, wenn sie anstatt des früheren einen Tages gewissermaßen 2 Tage — die erlaubten 5 Arbeitsstunden rechnen sie nicht mit — feiern müßten. — Gottlob stehen derartige Fälle jetzt nur vereinzelt da. Wie würde es aber werden, wenn die von manchen Fabrikanten re. für den Freitag geplante Löhnung ihrer Bediensteten überall durchgeführt werden würde? Würden dadurch nicht noch mehr Abtrünnige geschaffen werden? Denn, wenn die Löhne am Freitag zur Auszahlung gelangen, so würden die Einkäufe am Samstag besorgt und dadurch vielleicht Mancher zum Oeffnen des bis jetzt am Sabbat geschlossenen Ladens einen Vorwand finden. Vielleicht ließe sich auch bei uns wie in England der Modus einführen, daß die Bediensteten am Samstag Abend ihren Wochenlohn erhalten und alsdann bis in die späte Nacht hinein ihre Einkäufe besorgen. Hierdurch hätte Niemand Nachtheil und den Leuten wäre der Vorwand genommen, den Sabbat nicht halten zu können. —ik. Würzburg, 9. August. Der israelitische Lehrer-Verein für Bayern hielt gestern im Hotel Schild-Pfeifer seine 13. Generalversammlung ab, welche von ca. 80 Mitgliedern besucht war. Der Vorstand Herr Seminarlehrer Schlenker begrüßte die Versammlung und brachte einen Toast auf Se. k. Hoheit den Prinzregenten aus. Nach dem von dem Kassier Hrn. Dr. Braunschweiger erstatteten