Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1892)
- Date
- 1892-08-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1239 bisher ausgebreitet. — Wer sieht hier nicht den Finger Gottes!! Man bedenke nur, wie der Antisemitismus in allen Ländern ganz klein anfing, und nur durch einige Schreier, die nicht beachtet wurden, vertreten war, und heute schon schickt sich eine große politische Partei in Deutschland an, den Judenhaß in ihr Programm aufzunehmen! Darum sprach Gott zu den Kindern Israel schon damals, gleich nach ihrer Befreiung aus Egypten: D’tw* >6 nnsoa mo» l»n rfcnon ba „Alle Krankheiten, die ich in Mizrajim gesetzt habe, werde ich nicht auf dich legen;" aber nur wenn ihr mir folgt und meine Gebote nicht verletzt. Werden wir warten bis die Folgen dieser riHnv sich in ihrer ganzen Schwere auf uns legen, oder werden wir dieses yoc^n pDw dk „dieses Gehorchen der Stimme des Ewigen" noch rechtzeitig eintreten lassen, bevor wir durch das Eintreten noch größerer Dämmerung auf das Nahen der vollen Nacht des vorbereitet werden? Wenn am Anfang eines großen Stromes ein Wolkenbruch niedergegangen, dann benachrichtigen wir durch den Telegraph sofort alle in der Nähe des Stromes Wohnenden, und Alles trifft in Eile Vorkehrungen, um sich vor der drohenden Gefahr zu retten. Wir, die in Rußland den Eintrit eines rvfo mit all seinen Schrecken vor uns sehen, wie das Mittelalter an Schrecken und herzzerreißenden Scenen keine ärgeren sah, was treffen wir für Vorkehrungen? — Wir freuen uns, wenn einzelne Persönlichkeiten, die wir für die Urheber des ganzen Antisemitismus halten, ihren wohlverdienten Lohn dadurch finden, daß ihnen die Maske vom Gesicht genommen wird und sie an den Pranger der Oeffentlichkeit gestellt, werden; wir freuen uns, daß so viele große und erleuchtete Geister unsere Sache vertheidigen und die Antisemiten verdammen; ja, wir freuen uns, daß einzelne Fürsten und Könige uns ihres Wohlwollens versichern, und träumen von dem baldigen Erlöschen der ganzen Bewegung, „n'üb'im n»'n", aber Maßregeln für den andern Fall treffen wir keine, und ruhig, als wenn nichts geschehen wäre, gehen wir unsern alten Gewohnheiten nach. Niemand denkt daran, daß Gott uv yu ^“ddi n’udi uv Tayo nW? pi, daß der Ewige den Tag weichen läßt und die Nacht bringt, aber einen Uebergang läßt vom Tag zur Nacht, damit wir Menschen nicht plötzlich von der Nacht überfallen werden, sondern Zeit haben, das die Nacht erhellende Licht (rosoi mm) vorzubereiten. Die verschiedenen Phasen, die diese Zeitkrankheit durchmacht, ihr manchmaliges Nachlassen an Heftigkeit, ist Täuschung, diese n*?no nimmt. leider ihren stetigen Fortgang, und wenn wir die heftigen Fiebererscheinungen nicht so deutlich sehen, dann ist die Gefahr desto größer. — Dieser Hinweis auf die mVno in Mizraim, zeigt uns aber auch anderseits wieder, wie wir die Antisemiten bekämpfen müssen. Wodurch sind denn die Frösche wieder aus Mizraim verschwunden? 'ui 'n bn ntPD pysri „Mosche betete zu Gott wegen der Frösche und er nahm diese Plage hinweg von Pharao." Der Monat Ellul naht; wenn unser Gebet zu dem Ewigen so rein und lauter aufsteigt, wie das Gebet unseres Führers Moscheh, dann wird Gott auch diese Plage wieder von uns nehmen. — Was an unserer muy auszusetzen und wie wir dieselbe wieder gestaltet haben möchten, dieses wollen wir mit Gottes Hilfe in einem zweiten Artikel auseinandersetzen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Berlin, 31. Juli. Prof. H. L. Strack richtete an die „Norddeutsche Allg. Ztg." nachstehendes Schreiben: Diejenigen Blätter, welche den Antisemitismus agitatorisch betreiben, sind unermüdlich im Aufsuchen neuer „Zeugnisse", „Beweise", „Thatsachen", aus denen hervorgehen soll, daß das Judenthum dem Christenblut eine ganz besondere Wirkung zuschreibe. Unter dem Eindruck meiner Schrift über den Blutaberglauben sind mehrere dieser Zeitungen mit den Aasdrücken „Blutritus" und „Ritualmord" vorsichtiger geworden; sie sagen nun „Blutmord" oder „jüdischer Blutaberglaube", als ob Blutaberglaube nur oder doch verwiegend bei Juden sich fände, und mit dem Nebengedanken, daß die gedankenlose oder doch ununterrichtete Mehrzahl der Leser doch an Vorhandensein eines Ritus glauben werde. Das „Volk" bringt in seiner Nr. 176 vom 30. Juli an leitender Stelle das 19. Kapitel der Schrift „Jüdisches Zeremoniel" von Paul Christian Kirchner, „zum Christenthum bekehrtem Rabbiner" (Frankfurt 1720). In den dort beschriebenen „Ceremonien bey Kreisser- und Kindbetterinnen wie auch bey der Beschneidung eines Kindes" heißt es: „im Fall aber gar nichts anschlagen und helfen wolle, . . . geben sie der kreissenden Frauen ein gedörrtes Blut, welches von eines unschuldig-ermordten Christen-Kindes Blut seyn soll, daß sie ihrer Barbarischen Gewohnheit zu Folge an ihren Ostertagen unmenschlicher Weise ermordet haben" u. s. w. Wer ist nun dieser Kirchner? Der Elberfelder Pastor Lic Joh. de le Roi, der lange Zeit Judenmissionar in Breslau gewesen, schreibt in seinem lehrreichen Werke „Die evangelische Christenheit