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Der Israelit · 1892-08-16 · Heft 65 (16.8.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 65 (16.8.1892)
Date
1892-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1238 überlegen waren, und der Neid, der nun entstand, ließ ihnen die Juden zehnmal so mächtig und zahlreich erscheinen, als sie in der That waren. Da entstanden Parteien, die es in ihrem Interesse fanden, gegen die Juden zu Hetzen, und bald waren die Feinde der Juden so mächtig, daß sie den König zwangen, gegen die Juden vorzugehen 7b Dp’i □nsD „ty" tnn es stand ein neuer König auf „wegen" Mizrajim. Man vergaß rasch, was die Juden dem Lande genützt hatten und nützten. Die Antisemiten von damals sahen eben nur Laster an den Juden und schließlich dichtete man ihnen auch noch Landesverrath an (Judenflinten!) Nachdem einmal der König für die Antisemiten gewonnen war, fand man auch bald politische Gründe genug, um die Juden zu verderben, und alle politischen Maßregeln wurden daraufhin geprüft, ob sie geeignet waren, die Juden in ihren Rechten zu beschränken. Anfangs waren alle Maßregeln indirekte (Betäubung des Viehes vor dem Schlachten, Beschränkung der Gewerbefreiheit 2c.!!), später, als man sah, daß diese indirekten Maßregeln nichts halfen, ging man auch zur offenen Gewalt über. Unsere mm bezeichnet uns die damaligen Machinationen unserer Feinde in wenig Worten, aber dieses i^> noanru mn „wohlan , wir wollen ihnen mit List beikommen", sagt uns Alles. Der Ewige hat das ganze damalige schwere rvb durch eine Zeit kr an kh eit über unsere Väter gebracht, die einmal aufgetaucht, nicht wieder verschwinden wollte und die Geister der damaligen, in allen Wissenschaften hochgebildeten Egypter so sehr verwirrte, daß sie schließlich sogar gegen sich und ihre Angehörigen blind wurden, ihre so hoch entwickelte Kultur der Vernichtung Preisgaben und ihre eigenen Kinder opferten, um die verhaßten Juden zu verderben, 'm -ntm pn b „alle männlichen Kinder. auch die der Egypter, wurden einen Tag lang ins Wasser geworfen." Diese Zeitkrankheit war auch damals der Antisemitismus, eine geistige Influenza, welche wie sämmtliche Zeitkrankheiten die Runde um die ganze Erde machte. Auch in späteren Zeiten waren es Zeitkrankheiten, in deren Gefolge das Unglück über Israel kam; wir erinnern nur an die schwarze Pest, Kreuzzüge re., welche die größten Leiden über uns Juden brachten. Der Antisemitismus ist eine Wahnvorstellung, die den davon Betroffenen nicht mehr los läßt und die mit Vernunftgründen ebenso wenig geheilt werden kann, wie wenn man einem an Verfolgungswahn Leidenden beweisen wollte, daß sein Wahn nichts als Einbildung sei; und damit verstehen wir nun auch den oben angeführten piov. Als die Kinder Israel aus der Gefangenschaft befreit waren un) sahen, daß ihre Feinde sämmtlich ins Meer geschleudert wurden, da erst fühlten sie sich sicher, daß sie nie mehr in diese Knechtschaft zurückzukehren brauchten, und sie hielten sich so frei, daß sie rasch auch den vergaßen, der ihnen die Freiheit verschaffte. Sie ließen ihren natürlichen Trieben bald die Oberhand, und als ihnen Gott nicht gleich Wasser gab, da murrten sie gegen ihren Helfer aus der Noth. Da sprach Gott zu ihnen, indem er gleich beim ersten kleinen Vergehen auf die große Wichtigkeit des richtigen Gebrauchs der Freiheit hinwies: Wenn Ihr mir gehorcht und meine Gesetze und Gebote haltet, werde ich die Zeitkrankheiten nbion b nicht wieder gegen Euch (f»ty) bringen, welche ich in Mizrajim gesetzt habe, um Euch zu unterjochen; selbstverständlich aber, wenn ihr meine Gesetze nicht haltet und glaubt, die Freiheit könnte Euch nicht mehr genommen werden, dann kann ich Euch wieder die Freiheit entziehen; glaubt aber nicht, daß es gegen diese Krankheiten auch natürliche Mittel gäbe, um sie zu heilen; nein, diese kann nur der Arzt heilen, der sie auferlegt hat, *pNsn 'n »a — und damit erledigen sich alle Fragen auf diesen pivv. Eine weitere, Obiges ergänzende Erklärung ist folgende: Bekanntlich waren alle Strafen, die Gott über die Mizrajim brachte mo mo. Eine der ekelhaftesten und abscheulichsten Plagen, die der Ewige über die Mizrijinl brachte, waren die Frösche. Diese häßlichen Thiere verbreiteten sich derart im Lande, daß kein Fleckchen frei blieb, ja sogar in die Speisen verirrten sie sich und kamen dadurch in das „Innerste der Egypter", wie es heißt 70501 pi. Wie aber kamen die Frösche ins Land? Es heißt daselbst: onso px nN Dam jmexn bm, Raschi erklärt hierzu: Es kam erst ein Frosch ins Land, und als die Mizraim auf ihn schlugen, da vermehrte er sich fortwährend, bis er das ganze Land bedeckte. Wem fällt hier nicht gleich der Vergleich mit dem Antisemitismus ein! Es giebt wohl nicht leicht eine verdammenswerthere Erscheinung im sozialen Leben der Völker, als der Antisemitismus. Trotzdem sich nun tagtäglich mehr herausstellt, daß es nicht ein Laster giebt, das einen Menschen in den Augen seiner Nebenmenschen verächtlich macht, womit der Antisemitismus nicht behaftet wäre; ja, daß Alles das, was man uns andichtet, sich gerade dort am Meisten findet, wo man dem Antisemitismus huldigt; und trotzdem man von allen Seiten von Anfang an demselben mit den Kolbenschlägen der Wahrheit entgegentrat, vermehrt sich diese Plage immer mehr, und je mehr alle Freunde der Wahrheit, Christen oder Juden, sich abmühen, diese Feinde aller gebildeten Menschen durch Aufklärung und Aufdeckung ihrer wahren Absichten zu entlarven, desto mehr haben sie sich

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