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Der Israelit · 1892-08-16 · Heft 65 (16.8.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 65 (16.8.1892)
Date
1892-08-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. M 65. Der Israelit. Ein Eentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Dienstag, den 16. August 5652 (1892). Leitender Artikel. Heörechen der Zeit. Von Joseph Wechsler, Fürth. „Was ist gegen den Antisemitismus zu thun?" Dieser Frage begegnen wir heute in jüdischen Kreisen auf Schritt und Tritt. Fromme und Neologe, Jung und Alt, Vornehm und Gering, im Caföhause oder im stillen Gemach, a.uf der Eisenbahn, in den Eomptoiren, kurz, wo zwei jüdische Männer sich kurze Zeit mit einander unterhalten, gar bald gelangt das Gespräch an diesen Punkt an und oft hört man die wunderlichsten Ansichten darüber. Wir möchten in Beantwortung dieser Frage auf einen pDr> aufmerksam machen, der trotz vieler Deutungen, die ihm von vielen Erklärern gegeben werden, doch sehr schwer verständlich ist. Als Israel den egyptische.» Verfolgern kaum entronnen war und die großen Wunder gesehen hatte, durch welche der Ewige sein Volk trockenen Fußes durchs Schilfmeer führte, dessen Verfolger aber in den Fluthen umkommen ließ; da fehlte dem Volke bald darauf das Wasser zum Trinken. Israel murrte darüber, und betete nicht, wie es hätte thun müssen, nachdem ihm Gott erst gezeigt hatte, daß er. bereit sei, auf sein Flehen hin die ganze Weltordnung umzustoßen lypw 'Ul D'DH. Da spricht Gott zum Volke: wdv dn "iiqx’i 'un ntpyn vjyn -itrm '*7 b^pb yotwi Wenn du gehorchst der Stimme des Ewigen, deines Gottes, du thust was Recht ist in seinen Augen und du vernimmst seine Gebote und beobachtest alle seine Gesetze: alle .Krankheiten, die ich in Mizraim gesetzt habe, werde ich nicht auf dich legen, denn ich, der Ewige, bin Dein Arzt. — Nicht weniger als sechs Fragen sind es, die bei diesem Verse zu beantworten sind. Wie kommt es erstens, daß Gott auf ein so kleines Vergehen, wie dieses, gleich mit Krankheiten droht, während wir bei späteren großen Versündigungen nichts derartiges findend Ein zweite Frage ist die folgende: Gott verspricht dem Volke, wenn es so ziemlich Alles thut, was er nur je von uns verlangt hat (denn selbst ein Moses hätte Gott zu lieb nicht mehr thun können, als hier verlangt wird), dann werde er die Krankheiten Mizrajims nicht auf uns legen. Soll das der ganze Lohn dafür sein!? Hat uns denn Gott nicht tausendmal mehr Lohn schon auf dieser Welt versprochen, wie wir in den nra"D vor der nroin finden (n"3 xwn ’d)? Und drittens müssen wir uns fragen: Hat denn Israel hier gegen ein Gesetz Gottes sich verfehlt? Sie haben doch blos auf unanständige Weise das verlangt, was sie ein Recht hatten, zu verlangen; denn ohne Wasser konnten sie ja nicht leben. Warum also die Mahnung: Wenn du gehorchst der Stimme re.? Auch finden wir nirgends, daß Gott besondere Krankheiten über die Egypter gebracht hätte, daß er dem Volke damit droht; die zehn Plagen können doch nicht damit gemeint sein, denn diese waren doch keine Krankheiten, sondern Plagen, außer rn& und dies war euch nur äußerlich? Und fünftens: Wenn Gott keine Krankheiten auf uns legt, brauchen wir auch keinen Arzt, warum also der Schluß des Satzes: denn ich, der Ewige, bin Dein Arzt? Schließlich enthält das Ende des Satzes einen scheinbaren Widerspruch: Legt denn der Arzt die Krankheiten auf, weil der Vers sagt: ich werde keine Krankheiten auf dich legen, denn ich bin dein Arzt? Zur Beantwortung dieser Fragen müssen wir etwas weiter ausholen. Wie entstand eigentlich die Unterdrückung unserer Väter in Mizrajim? Sind die Egypter etwa über sie hergefallen und haben sie unterjocht, wie etwa die Araber heute noch über die Neger herfallen, um sie zu Sklaven zu machen? Oder haben sie Krieg mit ihnen geführt, und nach dem Siege der Egypter wäre Israel unterjocht worden? Nein, alles dies nicht. Im Anfang waren die Juden sehr angesehen bei den Egyptern, und Josef erwies ihnen und ihrem Könige Pharao als Minister die größten Wohlthaten. Er sammelte durch seine kluge Politik die größten Reichthümer und erhielt das Volk durch kluge Maßregeln während der schweren Hungerjahre. Die Juden, bei Hofe wohlgelitten, wurden rasch wohlhabend und breiteten sich aus; sie belebten Handel und Wandel und lebten in Frieden mit ihren Mitbürgern — das war aber der Anfang der nachfolgenden langen Unterdrückung. Die Egypter sahen bald, daß die Juden ihnen in manchen Dingen

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