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Der Israelit · 1892-08-11 · Heft 64 (11.8.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 64 (11.8.1892)
Date
1892-08-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ohne Hirten gleichen, denn unser verehrter Oberrnbbiner Alessandro de Fano wurde soeben von der jüdischen Gemeinde in Mailand zu ihrem Oberrabbincr erkoren und hat derselbe diesen Posten auch angenommen. Zwar ist Korfu nicht nur eine ältere, sondern auch eine größere Gemeinde als Mailand, aber für unseren verehrten Oberrabbiner war hier nicht die Größe des Gehaltes maßgebend, sondern die Liebe zur Heimath und die Liebe zur Familie. Unser verehrter Oberrabbiner hat eigentlich sich schon längst danach gesehnt, in seinem Vaterlande Italien eine entsprechende Stelle zu erhalten, um dort in der Nähe seiner Familie leben und dabei zugleich auch seine Kinder gehörig erziehen lassen zu können. Der Ruf nach Mailand kam ihm daher wie erwünscht, und so wird er uns nach einer Anwesenheit von kaum einem Lustrum wieder verlassen, um nun die Leitung einer anderen Heerde zu übernehmen. Wer sein Nachfolger hier sein wird, ist einstweilen noch nicht bekannt, es heißt aber indeß jetzt schon, unser Vorstand werde ein größeres Interregnum eintreten lassen, um so unterdessen im Budget der Gemeinde das nöthige Gleichgewicht Herstellen zu können. Die vorjährigen großen Wirren dahier, durch die zahlreiche wohlhabende Familien sich veranlaßt sahen auszuwandern. haben nämlich das Einkommen unserer Gemeinde sehr geschmälert, wogegen die Ausgaben die alten geblieben sind. Wir werden daher voraussichtlich eine längere Zeit ohne Oberrabbiner bleiben, damit sich unterdessen die Kassen unserer Gemeinde gehörig füllen können. Auch wird das Gehalt des neuen Oberrabbiners ein wenig geschmälert werden müssen, da seine Heerde unterdessen abgenommen hat. Jedenfalls kann sich die Mailänder Cultusgemeinde zu ihrer neuen Acquisition gratuliren, da sie in Alessandro de Fano einen tüchtigen Oberrabbiner erhält. Türkei. Salonichi, 4. August. Die Königin-Regentin von Spanten, die bekanntlich ein Sproß des edlen, dem Judenthume immer wohlwollend gewesenen Hauses Habsburg ist, hat das Mitglied unserer Gemeinde, Herrn Saul Modiano, zu ihrem Eonsul in hiesiger Stadt ernannt. Also 400 Jahre nach der Austreibung der Juden aus Spanien, wird ein Nachkomme derselben — die Familie Modiano hier ward gleichfalls durch den tibd bhtj (spanische Judenaustreibung) gezwungen, ihre spanische Heimath zu verlassen und bei den damals und auch noch später als so grausam verschrienen Türken Schutz zu suchen — $itm spanischen Consul auf hiesigem Platze ernannt. Schärfer hätte die Königin- Regentin die Austreibung der Juden aus Spanien nicht verdammen können, als durch die Ernennung des Herrn Modiano zu ihrem Consul dahier. P a l ä st i n a. Jerusalem, im Juli, ninw nijnao mono Durch französische und englische Blätter geht jetzt die Nachricht, daß ein deutscher Forschungsreisender, Dr. Grotte, am Fuße des Berges Sinai zwei großeSchiefertafeln. mit verwischten Schriftzeichengefunden habe, und man vermuthet, daß dies die Bundestafeln wären. Die Tafeln wurden sogleich nach der egyptischen Hafenstadt El-Tor, die am Fuße des Berges Sinai liegt, gebracht, wo sie sich nun in Aufbewahrung befinden. Keinem Juden wird es einfallen, diese zwei gefundenen Schiefertafeln für die ursprünglichen Bundestafeln (man mrr6) zu halten. Es ist gar nichts Seltenes, daß am Fuße des Sinai Schiefertafeln mit verwischten Schriftlichen gefunden werden, da die dort im sogenannten Katharinenkloster hausenden, griechischen Mönche schon seit jeher die Gewohnheit haben, aus dem Berge Sinai Schiefertafeln zu schneiden, die sie dann als Pflaster für die Fußböden ihrer Zellen oder ihres Klosters selbst verwenden. Manche dieser Mönche pflegen dann in diese Schiefertafeln Bibelverse oder fromme Sprüche in griechischer oder chaldäischer Sprache zu gravtren, welche dann die Zeit, besonders, wenn die Tafeln gar nicht benützt werden und im Freien liegen bleiben, hinwegwischt. Feuilleton. „Mrstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (7. Fortsetzung.) „Als Allerhöchst Sie dem überraschten, zum Tode erschreckten Kinde mittheilten, allerhöchst Sie beabsichtigten sie Karl Emanuel zu vermählen. „Maria Josefa benahm sich hierbei höchst unpassend", unterbrach ihn der Kaiser, „sie wagte es mir in heftiger Weise zu widersprechen; es ist selbstverständlich, daß ich ihr kindisches Geschwätz nicht beachtete . . . .; und — ein solches Benehmen ist geradezu unerhört! .... sich verlieben! junge Leute untereinander Heirathsangelegenheiten besprechen! Das darf nicht einmal in einer anständigen Bürgerfamilie Vorkommen .... und wer ist der Prinz? wohl der nachgeborene Sohn der Seitenlinie eines Retchsgräfleins, der zweieinhalb Mann zumReichskonttngente stellen sollte und diese nicht aufzubringen vermag?!" und in seinem Eifer vergaß der Kaiser, daß ihm vor Kurzem ein solcher als der zweckmäßigste Gemahl für die Erzherzogin erschienen.

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