Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1892)
- Date
- 1892-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1213 „Nein Sire! Es ist Prinz August Friedrich, der Sohn August des Starken, Churfürst von Sachsen und König von Polen." Der Kaiser war durch sein rasch wieder gewecktes Mißtrauen bis zur Urtheilsunfähigkeit aufgeregt worden und sprach: „Euer Ltcbden; gerade von Ihrem Standpunkte aus scheint mir der zukünftige Churfürst von Sachsen, der wohl auch König von Polen werden wird, weit gefährlicher als Karl Emanuel von Savoyen, jener wäre wohl nicht so bescheiden sich mit den italienischen Provinzen zu begnügen — der würde mit beiden Händen zugreifen und meine arme Waise ihres ganzen Vatererbes berauben wollen. Er besitzt eine kriegstüchtige Armee und könnte von drei Seiten in unsere Erblande einfallen, und die aufrührerischen Ungarn würden sich daran erinnern, daß sie einst gastliche Aufnahme in Polen fanden und würden sich dem Usurpator dankbar beweisen. Prinz, ich habe stets Ihre Rathschläge hochgeschätzt; aber ich bedauere in diesem Falle von denselben keinen Gebrauch machen zu können!.Die Wünsche eines unerfahrenen, halbreifen Mädchens dürfen unsere Entschließungen nicht alteriren. Ich bin entschlossen die Werbung Karl Emanuels anzunehmen; vor Gründen der hohen Politik, wo es das Staatswohl erheischt, muß das Interesse des Einzelnen zurücktreten!" „Sire", sprach der Prinz nach einer kurzen Pause. „Gestatten allerhöchst Sie die Bemerkung: Die Worte, welche allerhöchst Sie so eben auszusprechen geruhten, sind mir nicht neu. Wir Beide hatten sie gemeinschaftlich aus dem Munde eines erlauchten, edlen, hochherzigen Mannes gehört! .... Allerhöchst Sie hatten sich meine Fürsprache bet allerhöchst Ihrem Bruder Kaiser Josef erbeten. Oesterreich befand sich in der härtesten bedrängtesten Lage, alle seine Alliirten standen im Begriffe sich von ihm abzuwenden, die Türken rüsteten, die Mißvergnügten in Ungarn regten sich; Oesterreich stand am Rande eines tiefen Abgrundes; — aber es gab ein Mittel es zu retten. Wenn allerhöchst Sie einer Prinzessin des mächtigsten Hofes in Europa, einer Königstochter, schön und geistreich, die Hand reichen wollten, dann wäre aus einem mächtigen Feinde Oesterreichs ein treuer, mächtiger Verbündeter geworden. Alle Minister befürworteten diese Verbindung, empfahlen dem Kaiser allerhöchst Ihnen zu erklären, daß, wenn Sie die Ihnen bestimmte Gemahlin refüsirten, Oesterreich seine Hand von allerhöchst Ihnen abziehen, Sie Ihrem Schicksal in Spanien überlasten würde; — aber Sire, Sie hatten schon gewählt, — Elisabeth Christine von Braunschweig, die Tochter eines zweitgeborenen Fürstensohnes, des winzigsten Regenten in Deutschland, des Fürsten von Blankenburg!" — „Und Sie liebten die wunderherrliche Prinzessin und hatten ihretwillen allem Anderen auf Erden entsagt — und als Ihr Bruder damals Ihnen dieselben Worte zurief, da trat ich an Ihrer Seite, vor ihn und rief ihm zu: Zerstören Sie um politischer Zwecke willen, nicht das Lebensglück zweier edlen Menschen, und fügte ich hinzu, wenn Sie, Sire, mich für die treuen Dienste, die ich Ihnen und Ihrem Vater geleistet, belohnen wollen, ertheilen Sie dem Herzensbunde Königs Karl und Elisabeth Christine Ihre Genehmigung. — Ihr Bruder war gütig und gab Ihnen Genehmigung und Brudersegen, — und Sie wurden der glücklichste Gatte der Welt! — Nun denn, sowie allerhöchst Dero Bruder huldreich gegen Sie gewesen, so möge auch allerhöchst Sie huldreich gegen dessen Waise sein — und so wie allerhöchst Dero Bruder meine Fürbitte für allerhöchst Sie erhörte, so mögen auch allerhöchst Sie, die Bitte, die ich für dessen Waise an allerhöchst Sie richte, allergnädigst gewähren. . . . Sire, allerhöchst dieselben geruhten mir mehrmals allergnädkgst zu schreiben: ich hätte Ihrem geheiligten Haupte die Krone, die oft auf demselben schwankte, erhalten, ich hätte Oesterreich, als es von äußern und innern Feinden bedroht war, vor dem Zerfall, vor völliger Vernichtung bewahrt; Sire allerhöchst Sie, hatten die Gnade mir zu schreiben, allerhöchst Sie wären mir zum ewigen Dank verpflichtet; Allergnädigster Herr und Kaiser! allerhöchst Sie haben mich mit Gnaden und Hulden überhäuft; — aber kaiserliche Majestät, ich habe mir während meiner mehr als dreißigjährigen Dienstzeit nie irgend eine Gnade erbeten, jetzt das Allererstemal flehe ich allerhöchst Sie an: Zertreten Sie nicht das Lebensglück allerhöchst Ihrer Nichte, lassen Sie die Waise allerhöchst Ihres verstorbenen Bruders nach ihrem Herzen wählen — und versagen Sie Ihrem treuesten ergebensten Diener seine erste und letzte Bitte nicht und glauben Sie, daß ich Ihr ergebenster, treuester Diener bin! Reißen Sie den Argwohn, den meine Feinde in Ihr großes, edles Herz gesäet aus demselben, glauben Sie den Verleumdern nicht! Ich liebe Maria Josefa, als wenn sie mein Fleisch und Blut wäre; aber ich, Eugen von Savoyen werde den Eid, den ich Kaiser Karl geschworen, halten; — und wenn — was gegen jede Voraussetzung wäre — Gottesfügung es bestimmt hätte, daß ich, Allerhöchst Sie den um zwanzig Jahre jüngern Mann überleben sollte; so werde ich, so lange ein Athemzug meine Brust bewegt, der zukünftigen Kaiserin Maria Theresia, ein so treuer Diener sein, als ich es ihren drei Vorgängern am Throne, den drei Kaisern, ihrem Vater, ihrem Oheim und ihrem Großvater gewesen!"