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Der Israelit · 1892-08-11 · Heft 64 (11.8.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 64 (11.8.1892)
Date
1892-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1209 in einer antisemitischen Broschüre beleidigt zu haben, bringen gegenwärtig die politischen Blätter spaltenlange Berichte, die in Berlin stattfindenden Verhandlungen wiedergebend. Der Prozeß hat nur in sofern jüdisches Interesse, als daß der Verfasser, der den obenerwähnten Nichtjuden alles erdenkliche Schlechte nachsagt, behauptet, daß die Betreffenden das Alles nur deßhalb thun oder gethau haben, weil sie entweder Juden, verjudet, Judensprößlinge oder von Juden abhängige Leute seien. Die Verhandlungen befinden sich noch im Anfangsstadium, und wurden heute behufs Vernehmung des deutschen Gesandten in China vertagt. Aus den blödsinnigen Machwerken werden viele hundert Seiten vorgelesen und beneiden wir Richter und Anwälte ob dieses Genusses nicht. Der Staatsanwalt Hoppe macht geltend, daß es ganz gleichgiltig sei, wer die Vorfahren der beleidigten Herren gewesen seien; die Beleidigung liege in der Bezeichnung „Judensprosse" in Verbindung mit der Behauptung, daß Juden unehrliche Leute und zur Bekleidung öffentlicher Aemter unfähig seien. Oppenheim. Man hat sich schon oft Mühe gegeben, dem Antisemitismus hier Eingang zu verschaffen , aber immer ist der Versuch mißglückt; doch es spukt noch immer. So werden seit einigen Tagen die Schulkinder in eine Wirthschaft gelockt und wird ihnen daselbst: „Kauft nicht bet Juden!" mit Gummistempel auf Hand und Arm gedruckt. Man fragt sich hier mit Recht, ob gegen die Anstifter solchen Unfugs nicht § 360 Anwendung finden könnte? Stuttgart. Der im Hotel Eisig dahier stattgehabten Versammlung der israel. Lehrer des Landes wohnten auch die Rabbiner Dr. Stö ß e l von hier und Kahn von Heilbronn an. Der Vorstand, Oberlehrer Stern von Eßlingen, eröffnete die Versammlung und widmete dem hochseligen König Karl Worte des Dankes und der Trauer. Bet der Neuwahl des Vereinsausschusses wurden in den engern Ausschuß die Herren Stern-Eßlingen, Sch mal-Ludwigsburg, M e tzg er-Cannstadt, in den weiteren die Herren F r a n k-Weikersheim, Straßburger-Buchau, Forchheimer-Ernsbach und Preßburger-Creglingengewählt. Vereinsvorstand Stern hielt nun einen freien, sehr anregenden Vortrag über Jes. 21, 11, 12, über gegenwärtige Zeitströmungen und wie sich die Schule betreffs ihrer zu verhalten habe. Dem Redner wurde für seinen inhaltsreichen und formvollendeten Vortrag der Dank der Versammlung ausgesprochen. Die hierauf beginnenden Verhandlungen über verschiedene Schulfragen dauerten bis 2 Uhr. Ein gemeinschaftliches Essen reihte sich an, wobei der Vereinsvorstand den mit Begeisterung aufgenommenen Trinkspruch auf S. M. den König ausbrachte. Ans dem bad. Oberlande. Unsere extrem neologen Herren Geistlichen sind mit der Aufstellung stets neuer Programms für ihre „gottesdienstlichen" Vorstellungen (zur Heranziehung möglichst zahlreichen Publikums) von jeher noch erfindungsreich gewesen. Leider sind die Erwartungen, die man an diese gottesdienstl. Reformen stellte, nicht eingetroffen und glaubten die Herren im weißen Bäffchen vielleicht damit mehr Erfolg zu haben, wenn sie Beginn und Ende der Vorstellungen gleich den Theaterdirektoren dem Geschmack tit. Publikums anpaßten. So wird uns aus einer süddeutschen Stadt berichtet, daß das Programm für den Vorabend des verflossenen Tischah beaf folgendermaßen lautete: Punkt 7 Uhr Nachmittags Mincha- und Maribgebet — dann Predigt und Rezitation der Kinos. Schluß 8 Uhr. Die bedauernswerthen Gemeindemitglieder mußten dieses schönen Programms wegen über eine Stunde früher den Fasttag beginnen. Leipzig, 3. August. In der heutigen Nummer des „Leipz. Tageblattes" erläßt „Eine Anzahl Leipziger Bürger jüdischen Glaubens" einen Appell an die Antisemiten Sachsens, der die Ueberschrift „Die Juden in Handel, Handwerk, Ackerbau und Handarbeit" trägt, und welcher durch seinen ruhigen überzeugenden Ton besonders hervorgehoben zu werden verdient. Er gipfelt in dem Schlußsätze: „Wir Juden sind freudig bereit, mit unseren christlichen Mitbürgern an der Aufdeckung der Schäden und an ihrer Beseitigung mitzuarbeiten!" „Predige und schließe man endlich Frieden. Es wird in unserer Zeit wahrlich schon genug gehetzt zum Schaden der Allgemeinheit. Der Judenhetze lasse man es genug sein. Verfolge man den schlechten, den strafbaren Juden wie den schlechten und strafbaren Christen, aber man verallgemeinere nicht. Hat der Jude Uebles gethau, so sage man nicht die Juden haben Uebles gethan. Es sst das ein einfaches Gebot christlicher, menschlicher Gerechtigkeit." Altena i. W. Der Thatbestand des Artikels über die hiesige Schule in der Päd. Beilage zu Nr. 63 beruht auf Unwahrheit. Die Schule ist nicht aufgelöst und die jüdischen Kinder besuchen nicht die evangelischen Volksschulen, sondern die isr. Elementarschule, wie bisher und dieselbe wird von einem von der Königl. Regierung zu Arnsberg bestätigten Lehrer geleitet. Der Vorstand der isr. Gemeinde: L. Hanf. N. Schnitzler.

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