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Der Israelit · 1892-08-08 · Heft 63 (8.8.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 63 (8.8.1892)
Date
1892-08-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1197 durch alle Zeit und Fahrn iß zu tragen. — Wiederum ziehen sich von allen Seiten schwere Wolken über den Häuptern der jüdischen Zerstreuten zusammen und Gott allein weiß, ob, wann und wie sie sich entladen werden. — Was aber auch die Zukunft bringen möge, unser Weg ist uns gewiesen. Unsere ganze Vergangenheit bezeugt jeder Gegenwart die Wahrheit des Prophetenworts: '2 lunr mo’ nso1 hi 'n mpa .'“1 nS D"n D’D "Npv 13TV „Israels Hoffnung und Sammlung bleibt Gott; alle die Dich verlassen, werden zu Schanden werden, meine Abtrünnigen, werden schon auf Erden verzeichnet, weil sie verlassen haben den Quell des lebendigen Wassers — Gott." (Jermijahu XVI113). Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Hildesheim. Die Wahl des Bezirksrabbiners Herrn Dr. Levinsky zum Landrabbiner für den Regierungsbezirk Htldesheim erhielt vom Oberpräsidenten der Provinz Hannover die Bestätigung. Witten, Ans. August. Der Heerd des Antisemitismus Westfalens befindet sich in unserer Gegend. Der Hauptschürer hat es verstanden, ein nationalliberales Blatt, das in Hagen erscheint, zu gewinnen und es in einigen hundert Exemplaren mit einem aus Witten datirten lokalen Theil versehen, täglich von hier aus zur Ausgabe zu bringen. Während dieser Herr unter nationalliberaler Flagge die Geschäfte der Antisemiten besorgt, bearbeitet sein Bruder, ein evangelischer Geistlicher, der im Winter mit aller Macht für den Schulgesetzentwurf eintrat, unter hochkonservativer Flagge den hiesigen evangelischen Arbeiterbund. Bei Beiden ist die antisemitische Hetzarbeit der Deckmantel, um auf lokalem Gebiete eine Herrscherrolle zu spielen, sei es im Stadtrath, sei es im Schul- und Kirchenwesen. In Wirklichkeit wird aber durch diese Propaganda die Zwietracht in die hiesige Gegend getragen und lediglich der politischen Reaktion der Boden bereitet. Was an Verhetzung einzelner Persönlichkeiten geleistet worden ist, das scheint unglaublich. Selten oder nie hat man die Quelle, aus der die unreinen Fluthen des Rassen- oder Klaffenhasses, oder der persönlichen Verlästerung entsprangen, mit voller Sicherheit ausfindig machen können, obwohl in jedem Fall über den Ursprung kein Zweifel herrschen konnte. Die letzte Heldenthat war die Aufbauschung eines leider sehr traurigen Falles zu einer antisemitischen Haupt- und Staats-Aktion. Ein Knabe hatte auf der Straße einen jüdischen Mitbürger beschimpft und war deswegen von seinem Klassenlehrer gezüchtigt worden; einige Tage darauf verstarb er. Sofort waren die abenteuerlichsten Gerüchte im Gange. Dem Knaben seien die Eingeweide aus dem Leibe geprügelt worden, die Beleidigung eines Juden werde heutzutage mit dem Tode bestraft. Nicht allein die Provinzblätter wurden mit den schrecklichsten Darstellungen überschüttet, auch die Berliner gleichgesinnte Presse bemächtigte sich des „sensationellen Falles". Festgestellt wurde durch gerichtliche Obduktion, daß der Knabe an Bauchfellentzündung gestorben ist und daß die Krankheit in keinerlei Beziehung zu der geschehenen Züchtigung gestanden hat. Nichtsdestoweinger wird munter weitergehetzt, denn die Agitation macht sich auf andere Weise bezahlt. Das hier eingeschmuggelte Blättchen von Hagen erfreut sich bereits der städtischen Anzeigen, die ihm jährlich mit einer ganz respektablen Summe bezahlt werden. Oldenburg. Die Leipziger „R. deutsche Ztg." brachte dieser Tage folgende Korrespondenz aus Oldenburg : Unter den 279000 Einwohnern des Herzogthums befanden sich nach der letzten Volkszählung nur 947 Juden, und diese haben direct lange nicht die Macht, wie dies anderswo der Fall ist. Güterausschlachtungen durch Juden sind bei uns unbekannte Dinge, auf den so sehr bedeutenden Viehhandel unseres Landes sind die Juden völlig einflußlos und Hypotheken besitzen sie so gut wie gar nicht. Unseren Bauern steht zu 3*/, bis 4 Procent Geld genug zur Verfügung, wenn sie ordentlich wirthschaften, woher wir denn auch einen blühenden Bauernstand haben. Das ist so wahr als erfreulich —; aber dennoch ist unser schönes Land von jüdischem Geiste leider arg durchseucht; denn Alles, was irgendwie Einfluß hat, vom ersten Minister bis zum letzten Amtsboten, ein erheblicher Theil der lutherischen Geistlichkeit, der Handelsstand, soweit er lutherisch, die Bauern im lutherischen Landestheile sind deutschfreisinnig-nationalliberal, prangen doch als unsere Reichstagsabgeordneten die berühmten Herren Loueeeerus Alb. Träger, Heinze. Der katholische Landestheil ist, soweit Beamte nicht in Betracht kommen, ultramontan und sendet den Grafen Galen in den Reichstag. Dies ist um so mehr zu beklagen, als das Oldenburger Land erheblich „über seine ihm der Größe nach gebührende Machtsphäre hinaus, Einfluß ausübt durch die nahen, verwandtschaftlichen Beziehungen des Großherzoglichen Hauses zum preußischen Königs- und zum russischen Kaiserhause, welch' letztere besonders sehr sorgfältig gepflegt werden. Unser Gymnasialdirector ist jüdischen Stammes, unsere sogenannte Landesbank, eine Aktiengesellschaft, eine Mache des „Baron" Erlanger und Herr Dr. Mannheimer, der pfiffige Landrabbiner, Mitglied der ersten hiesigen Gesellschaftskreise. Ist es bei uns also noch nicht so schlimm, wie anderswo, so hat das Judenthum doch auch hier schon Wurzel gefaßt, und man muß rechtzeitig Vorbeugen, daß es auch unser Land nicht ruinirel Hierzu wird Gräbner's Mittheilungen geschrieben:

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