Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 63 (8.8.1892)
- Date
- 1892-08-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448278--34646-2482595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Jever 1× ep/1047966
OCR text
1198 Es ist sehr erfreulich, daß die „N. D. Ztg." den Juden im Großherzogthum Oldenburg trotz aller Anstrengungen nichts Böses nachsagen kann, ja nicht einmal den Mädchenmord in Achtermeer am 20.( Juli zu einem Ritualmorde stempelt. Aber es ist doch ein Judenland, dies Oldenburg, denn trotz der geringen Anzahl der Juden hat noch kein antisemitischer Agitator dort Glück gehabt, und die „N. D. Ztg." will rechtzeitig dafür sorgen, daß die paar Juden nicht das Land ruiniren. Liebermann von Sonnenberg wollte das schon zweimal durch augekündigte Vorträge, aber es wurde ihm bedeutet, daß er kein Glück haben werde, und er zog vor, zu Hause zu bleiben. Ja, ein Localblatt in Oldenburg, das früher mehrere Tausend Abonnenten hatte, wurde von einem alten Schullehrer ins antisemitische Fahrwasser geleitet und verlor dadurch über die Hälfte seiner Abonnenten, so daß am 1. Januar der Redakteur seinen „Jrrthum" öffentlich verkündete und dem Herrn Lehrer den Laufpaß gab. Daß keine Juden Hypotheken haben, ist ein gewaltiger Jrrthum, es sind hier sehr reiche Juden, die bescheiden leben. Ebenso unrichtig ist die Behauptung, daß die Juden auf den Viehhandel völlig einflußlos sind; sie haben im Gegentheil großen Einfluß auf den Viehmarkt, und als der Landrabbiner Dr. Mannheimer an eine antisemitische Versammlung die Frage richtete, wer jemals von einem jüdischen Viehhändler betrogen worden sei, meldete sich Niemand. Ja es trat nachher ein Landwirth auf und sagte, daß er seit Jahren den Inden Vieh verkaufte, ohne den geringsten Grund zur Klage gehabt zu haben. — Was Dr. Mannheimer, den „pfiffigen" Landrabbiner anbetrifft, der Mitglied der höchsten hiesigen Gesellschaftskreise ist, wie die „N. D. Ztg." berichtet, so ist das sehr schön. Der Landrabbiner ist aber auch überall thätig, wo es sich um allgemeine Institutionen handelt. So war er der Erste, der im Lande Oldenburg zum Besten des „Allgem. deutsch. Schulvereins zur Hebung des Deutschthums im Auslande", in mehreren Orten unentgeltlich öffentliche Vorträge hielt. Das war freilich Pfiffig, meint die antisemitische Zeitung. — Die Juden leben hier sehr friedlich mit den Christen und ebenso wenig wie es Dr. Danneil in Jever gelang, diesen Frieden zu stören, ebenso wenig wird es den Männern der „N. D. Ztg. gelingen. Es werden die Oldenburger Sorge tragen, daß das Land von antisemitischen Hetzern nicht „ruinirt" wird. Frankreich. Paris, 4. August. Der „Figaro" publizirt eine Unterredung der bekannten Schriftstellerin Severine mit dem Papst über den Antisemitismus. Der Pabst sagte, die Kirche müsse überreden, nicht verfolgen. Religion und Krieg seien unvereinbare Worte. Ein Rassenkrieg sei unzulässig, da alle Menschen vor Gott gleich seien. Selbst als ein Ghetto noch in Rom existirte, begaben sich die katholischen Priester dorthin, plauderten mit den Israeliten und pflegten ihre Kranken. Als Volkshaufen die Juden niedermetzeln wollten, habe der Papst ihnen Schutz gewährt. Der Papst beklagte schließlich die heutige Herrschaft des Geldes, mit dem man die Kirche und das Volk Niederdrücken wolle. Er stehe auf der Seite der Enterbten. (Nach einer neueren Depesche aus Rom wird diese Aussage des Papstes theilweise dementirt.) Rußland. Petersburg, 3. August. Ein heute veröffentlichcs Gesetz gestattet der jüdischen Kolonisations-Gesellschaft die Eröffnung ihrer Thätigkeit in Rußland; dem Gesetze ist ein Reglement für ihre Thätigkeit beigegcben. Auflösung des Mäthseks in M. 60: - 15 p-13 - p-13 - ip.2 - ipp - -|jP2 •p?l ~ ~ -PR. — — “Dp — Dpp Richtige Lösungen sandten ein: Glistav Schlesinger in Mainz. Jsaac Rosenthal in Wronke. Cantor S. Coblenz in Pienzlau. N. Perlmann in London. S. M. Bachrach in Elmshorn. Lehrer Bernhard Hönigsberg in Dippach. Wochen - Kalender. Freitag, 12. August, 19. Ab. Sabbat-Anfang 7 Uhr — Min. (Mainzer Uhr.l Samstag, 13. August, 20. Ab. 3 p y. Sabbat-Ausgang 8 Uhr 15 Min. (Mainzer Uhr.) In denjenigen Staaten, in welchen mitteleuropäische Zeit eingeführt ist (also bis jetzt in Baden, Bayern, Elsaß und Württemberg), ist die oben angegebene Zeit, abgesehen von der Umrechnung der Mainzer Uhr in die betreffende Ortszeit, um etwa 25 Minuten später zu berechnen. WM- M n z e i g e n. -W» Für den folgenden Theil ist die Redaetion nicht verantwortlich. f fttl'fltl’flt cin tüchtiges, properes Mäd-jt^in Mädchen, mosaischen Glaubens oder f VWJJv ♦ j\5/U|UUJ4chen, gegen hohen Lohn, wel-!^2, eine Wittwe ohne Anhang, wird zur Wem ist ein geeigneter Platz für die^ches alle häuslichen Arbeiten verrichten und, Leitung einer größeren Wirtschaft von Unterbringung eines norn *YDD bekannt? Offerten unter Nr. 4934 an die Exped. dss. Bi. dankend erbeten. der Küche mit vorstehen kann Gest. Offerten unter Nr. 4908 an die Exped. d. Bl. einem Wittwer p. 15. September cr. gesucht. Meldungen nimmt Herr Cantor Leipziger in Thorn entgegen. (4911