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Der Israelit · 1892-08-08 · Heft 63 (8.8.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 63 (8.8.1892)
Date
1892-08-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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geradezu provoctrenden und dann beschönigenden Folgen der Beschäftigung mit der Philosophie ha. den die besonnenen, gesetzestreuen Führer der spanischen Judenheit laut und eindringlich ihre Stimme erhoben. Das war nicht Bildungsfeindschaft und Freude an der Unwissenheit, welche diese beredten Mahner zum Worte drängte, wie es ihnen Gr ätz insinuirt, wenn er schreibt: „Die Wissenschaft war bereits im jüdischen Kreise Spaniens verdächtig, geächtet und als Verführerin verschrien. Prediger und Rabbiner wie Isaak Arama eiferten mit Entschiedenheit, um ihr die letzten Anhänger zu entziehen. — Aramas Schrift nwp nun ist gegen die Wissenschaft gerichtet. Die meisten spanischen Juden waren bereits stolz ans die Unwissenheit und blinde Gläubigkeit" u. s. w. (Bd. VIII, S. 116 ff.) Die Wissenschaft war nicht als Verführerin verschrieen, sie war es in der That, man braucht nur ihre herzzerreißenden Verwüstungen nachzulesen, die in dem Werke nrvp nnn so ergreifend geschildert werden. Wer Jsak Arama nur aus der Grätz'schen Schilderung kennt, muß ihn für einen zelottschen, jeder wissenschaftlichen Bildung abholden Dunkelmann halten. Wer aber weiß, daß Jsak Arama niemand anders als der mpy Vya ist, wird auch hier in jedem Zug die Grätz'sche Geschichtsmacheret in ihrer ganzen Eigenart wiederfinden. Wer auch nur je einen Blick in die Worte des mpy tya geworfen , weiß doch, daß dieser Meister der Thora wie wenig andere, die ganze Wissenschaft und Bildung seiner Zeit in ganz ungewöhnlicher Weise beherrschte, und dieser Mann sollte gegen die Wissenschaft geschrieben haben! — Es möge hier nur ein einziges Citat aus dem VIII. Kapitel des Buches nvp rwn folgen, das von der Richtung spricht, welche die Philosophie, die er bekämpft, damals eingeschlagen hatte, um die fundamentalsten Wahrheiten der Thora zu erschüttern. Er weist nach, wie diese Richtung aus verschiedenen Gründen der Thora gefährlicher ist, als jede andere, denn, so fährt er fort: „Man hat sie von vornherein ganz eigentlich in den Dienst der Thora gestellt, viele wesentlichen Punkte der Thora finden ja durch sie eine Erklä. rung, auch ist sie von einer Fülle von guten, herrlichen und süßen Momenten degleitet, alle wären zu billigen, wenn man sie nur nicht im Innersten des Heiligthums zur Anwendung bringen möchte. So aber sind alle diese Momente in ihrer Hand zu Schwertern und scharfen Pfeilern geworden, um auf trügerische und täuschende Weise den Kampf zu führen. Denn mit ihren süßen und glatten Worten, leitet sie ihre Darstellung mit Schlauheit ein, gedenkt des Namens Gottes mit Preis und Lob, und dann artet sie in Bemängelung und Profanistrung des Göttlichen aus. Sie lehrt zuerst wie Gott keine körperlichen Attribute anhaften könne. Mit der Beseitigung alles Körperlichen und seiner Behelfe, stellen sie dann auch die Möglichkeit der nur auf sinnlichem Wege zu vermittelnden Wahrnehmung und Erfassung alles Geschehenden in Abrede, und leugnen die Allwissenheit Gottes" u. s. w. Man wird gestehen müssen, daß dies kein wissenfeindlicher Köhlerglaube ist, der aus diesen Worten spricht, sondern die Lebensanschauung eines Mannes, der selber im Dienste der Wissenschaft steht, ihren unberechtigten Ausschreitungen aber aus Liebe zur Wahrheit mit der ganzen Kraft seiner Ueberzeugung entgegentritt. Wenn die spanischen Juden auf solche Unwissenheit und aus eine Gläubigkeit stolz waren, wie sie der Verfasser des mpy repräsentier, so brauchen sie sich dieses Stolzes, wenn Stolz je eine Berechtigung hat, wahrlich nicht zu schämen. — Diese Unwissenheit und Gläubigkeit hat sich in der Stunde der Entscheidung glänzender bewährt, als jene hohle, blendende Scheinwissenschaft. Aus den Belegen dafür möge hier nur eine Aeußerung von R. Josef Ja abez aus seiner Schrift cm-, m« folgen, welche wörtlich lautet: ba 'D ’jtn-i ’j’ya »j« ,V)DD mVjo pay* rpn 'jk ny’Tn nso nmiötw now noana nsDnnff rbyrb US’ ns üva oniaa won d^d tayoa ,mvyn WD6W pNn nayi cmn ^>ax unayj »a »*w no rwnp by oosy noo nnto ab? npapn tsd rra 'na — .n"» „Ich Josef Jaabez von den spanischen Exulanten, habe es mit eigenen Augen gesehen: Alle jene Männer, die sich ihrer Wissenschaft rühmten und behaupteten, ihre religiöse Ueberzeugung gründe sich auf ihr speculatives Wissen, alle diese haben ihren Glauben gewechselt am Tage der Roth und haben sich gegen den Allerhöchsten mit den Worten gewendet : Was ists auch mit dem Allmächtigen, daß wir ihm dienen sollten. Aber die Frauen und Unwissenden, die auf Gott — gesegnet sei er — auf Grund der Ueberlteferung vertraut haben, haben sich alle einmüthig hingeopfert für die Heiligung des Gottesnamens, gesegnet sei er!" Wahrlich sie durften stolz sein auf eine Unwissenheit und Gläubigkeit, die solche Helden schuf, an deren Gedächtniß, an deren leuchtendem Beispiel sich noch nach 400 Jahren die späten Enkel zu gleicher Treue begeistern. Wenn daher wieder ein Geist falscher Bildung und Aufklärung sich in den jüdischen Reihen bemerkbar macht, so möge die Mahnung, die aus der Leidensgeschichte der spanischen Vertriebenen nach 400 Jahren zu uns spricht, uns aufs neue bestärken in unerschütterlicher Treue das Erbe der Väter

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