Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 63 (8.8.1892)
- Date
- 1892-08-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448278--34642-2482591- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1194 in seiner Handweite, und Spanien sowohl als Frankreich würden eine Schwächung Oesterreichs zu Gunsten des ihnen ungefährlichen Savoyens mit Freuden begrüßen und dessen ungerechte Ansprüche, wenn es seine Scheingründe durch mäßige Kompensationen bei den genannten Mächten verstärken würde, gewiß mit Waffengewalt unterstützen. Der zukünftigen Kaiserin stände eine Koalition der drei Mächte, Frankreich, Spanien und Savoyen entgegen. Ich bin überzeugt, wenn Karl Emanuel allerhöchstdero Schwiegerneffe würde, wäre Italien für die zukünftige Kaiserin Maria Theresia verloren." Kaiser Karl liebte sein Töchterchen abgöttisch und eS war sein unablässiges Bestreben ihr die Erbfolge zu sichern. Wer für die Zukunft seines Kindes sorgte, erschien ihm als sein treuester, ergebenster Freund, und er rief in dem Tone höchsten Entzückens, der gegen sein sonstiges, ruhiges majestätisches Wesen sonderbar abstach: „Prinz, Sie haben vollkommen recht; — ich erkenne es; man kann sprechen, was man will. Sie ... . „der Kaiser hielt betreten inne; er hätte bald mit überströmendem Vatergefühle mehr gesagt, als der Monarch sollte und er ergänzte rasch, „Sie sind der klügste und treueste meiner Räthe. Aber Prinz, Sie sprachen auch von andern außerpolitischen Motiven. Wollen Sie mich nicht auch diese hören lassen?" „Sire", erwiederte Eugen, „ich habe keinen Grund sie zu verheimlichen. Die Erzherzogin Maria Josefa, die sich schon als kleines, herziges Prinzeßchen an mir angeschmeichelt und die ich unverheiratheter und von meinen Geschwistern, von Jugend an, getrennter Mann, wie mein eigen Kind liebte, hat sich mit der Bitte an mich gewendet, ich möge von allerhöchst Ihnen, Sire, als höchste Gnade erflehen, allerhöchst Dieselben mögen allergnädigst geruhen, die Werbung des Sardenprtnzen um ihre Hand abzulehnen, Sie könne sich nicht entschließen seine Gemahlin zn werden." Die Züge des Kaisers verdüsterten sich, sein Argwohn erwachte von Neuem; in seinem aufgeregten Geiste sah er, daß der weit ältere Prinz ihn überlebe, sich an die Spitze, der ihm blindlings gehorsamen Armee stelle, um für Kaiser Josefs Tochter die Krone zu gewinnen. Was Wallenftetn im 17. Jahrhundert versuchte, die ganze Armee gegen den rechtmäßigen Monarchen zu führen, konnte Prinz Eugen von Savoyen noch viel leichter vollführen. Graf Althan, des Kaisers Günstling, hatte diesem schon oft zugeflüstert, daß Eugen zu mächtig sei, daß er zu viele und wichtige Aemter in seiner Person vereinige, daß er nicht weniger hoch stehe als der Kaiser, sich selbst noch höher dünke — und er hatte dem Kaiser auch zugeflüstert, daß Erzherzogin Maria Josefa dem Prinzen heimlich Besuche abstatte, daß Gräfin Eleonore Bathiany, die schöne und geistreiche Freundin des Prinzen, oft mit der Erzherzogin zusammenkomme, daß es leicht zu erkennen sei, daß er zu Gunsten der Erzherzogin conspirire; — und nun hatte es der Prinz ja offen eingestanden, daß er Maria Josefa wie sein eigen Kind liebe! „Prinz", sprach der Kaiser, „der zweite Grund, den Sie für die Zurückweisung der Werbung anführen, hat bei mir eine Ihrer Absicht entgegengesetzte Wirkung hervorgerufen. Die Neigung oder Abneigung eines unverständigen, unreifen Mädchens, das schon als Kind so unlenkfam war, daß sie mein Bruder Josef in nachsichtiger Milde, seine wilde Hummel nannte, sollte meine Entschließungen beeinflussen? Vielleicht hat sie auch ihr Auge schon auf irgend einen Prinzen geworfen?" „Sire, allerhöchst Dero Weisheit hat auch diesmal das richtige getroffen. Erzherzogin Maria Josefa hat mir ihr junges Herz ausgeschüttet, sie liebt in der Thal einen jungen Prinzen, der ihre Neigung erwiedert und mit ihrer Bewilligung bei allerhöchst Ihnen um Ihre Hand zu werben beabsichtigt." (Fortsetzung folgt.) ffcr „Ißraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jede-mal in mindestenr zwei Bogen, fufl vcf Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 18 Reichs-Mark, für's Ausland IS Reichs-Mark. Man abonntrt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel I* bestehe«, »et C. /. Dtetnachrr, Leipzig, Dahplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Itatm. — Oesterreichische Banknoten laut SourS. — Directe strancozufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «ch Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. -fterr., fSr'S Ausland IS Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt <Hanptdlatt>: feilender Artikel: Die russischen Juden. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Merzig a. Saar. — Frankreich: Paris. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der BeÜage: Leitender Artikel: Ein vierhundertjähriges Jubiläum (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hildesheim. Witten. Oldenburg. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. Pädagogische Beilage. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierz« zwei Beilage«.