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Der Israelit · 1892-08-08 · Heft 63 (8.8.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 63 (8.8.1892)
Date
1892-08-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1193 Feuilleton. „Mrstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (6. Fortsetzung.) Fünftes Kapitel. Einige Stunden später, Nachmittags, saß der Kaiser in liefe Gedanken versunken in seinem Arbeitszimmer. Der Kammerdiener öffnete die Thüre und meldete: „Seine Durchlaucht der Prinz von Savoyen", und dieser trat unmittelbar darauf in das Kabinet. Der Kaiser war offenbar einen Moment unschlüssig, in welcher Weise er den Prinzen empfangen sollte, aber er erlag dem Zauber, den Eugen's Persönlichkeit ausübte, er erhob sich, ging dem Prinzen entgegen und reichte ihm die Hand, was als die höchste Auszeichnung bezeichnet wurde, denn es war bekannt, daß der Kaiser bei seiner Zusammenkunft mit König Friedrich Wilhelm von Preußen in Kladrub in Böhmen selbst diesem nicht die Ehre erwies, ihm die Hand zu reichen. „Euer Liebden", sprach er, „Sie haben sich in der heutigen Sitzung gegen die Verbindung unserer Nichte mit Karl Emanuel von Savoyen ausgesprochen. Ich bitte mir Ihre Gründe mitzutheilen." „Ich muß mich gegen diese Verbindung, sowohl als Staatsmann, wie als Mensch aussprechen. Gestatten allerhöchst Sie allergnädigst, daß ich meine politischen Gründe entwickle. Wenn der Präsident des spanischen Conferenzrathes, der Erzbischof von Valencia behauptete, Savoyen sei der einzige verläßliche Bundesgenosse Oesterreichs, so hat er die größte politische Unrichtigkeit ausgesprochen. Das Haus Savoyen hat während des spanischen Erbfolgekrieges so zweifellose Beweise seiner Unzuverlässigkeit gegeben, daß kein gewissenhafter Minister zu einem Bündnisse mit dieser Macht zurathen kann. Es wird mir ewig unvergeßlich bleiben, in welcher entsetzlichen Lage ich mich in Italien befand, als ich stündlich erwarten mußte, die Armee des Herzogs zum Feinde übergehen und mich mit meiner kleinen Armee in Feindes Lande zwischen zwei feindlichen Heeren eingekeilt zu sehen. Daß das verwandtschaftliche Verhältniß, welches zwischen Karl Emanuel und dem Hause Habsburg geschaffen, ihn diesem anhänglich machen würde, ist der gefährlichste Jrrthum, dessen sich ein österreichischer Staatsmann schuldig machen kann. Das Haus Savoyen kennt nur sein eigenes Interesse, verwandtschaftliche Bande halten es nicht fest. Der Herzog von Savoyen befand sich im Kriege mit Frankreich, trotzdem er mit dem Herrscherhause verschwägert war, und ich spreche meine innigste Ueberzeugung aus, Karl Emanuel würde, wenn dies seinem Vortheile entspräche, nicht anstehen gegen den eigenen Vater die Waffen zu erheben.*) Savoyen wird unsere Bundesgenossenschaft suchen, wenn es derselben bedarf — auch wenn die beiden Häuser nicht verschwägert sind und wird sich, wenn ihm dies zum Vortheil gereicht, zu unseren Feinden schlagen, auch wenn die Kaisers-Nichte sein hohes Gemahl wäre. Ein Nutzen kann Oesterreich aus dieser Verbindung nie erwachsen, wohl aber ein Schaden." „In welcher Weise?" frug der Kaiser hastig. „Wenn Karl Emanuel der Gemahl der Erzherzogin würde, so wäre er der Erste, der nach allerhöchst Dero Ableben seine Ansprüche geltend zumachen, die pragmatische Sanktion zu bekämpfen, aufzuheben versuchen würde." Des Kaisers Wangen errötheten sich vor Vergnügen. „Also ist es auch Ihr aufrichtiges Bestreben, Prinz, meinem Kinde meine Krone zu erhalten?" „Sire", sprach Eugen würdevoll, „konnten Allerhöchst Sie, je etwas Anderes, konnten Allerhöchst Sie meinen Feinden und Verleumdern glauben?" Der Kaiser antwortete nicht mit Worten, aber er ergriff des Prinzen Rechte und drückte sie kräftig. „Aber Euer Liebden", sprach der Kaiser nach kurzer Pause, „das wäre ja auch von jedem andern Gemahle unserer Nichte zu befürchten, der über eine Hausmacht verfügen würde, da könnte man sie ja nur an einen der kleinen deutschen Duodez-Fürsten verheirathen!" „Nein Sire; Vor Allem halte ich, außer den gegenwärtigen Familiengliedern des Hauses Savoyen keinen zweiten Fürsten Europas für fähig, seine offen vor den Augen der Welt gegebene Zustimmung zur pragmatischen Sanktion zurückzunehmen; — und auch der Neid der Mächte gegeneinander könnte die Vergrößerung des eines Staates auf Kosten des Rechtes verhindern. Man würde keinem Staate gestatten, sich durch die gesammten habsburg'schen Erblande in riesiger Weise zu vergrößern. Bloß Savoyen befände sich in anderer Lage. Karl Emanuel wäre so klug, nicht alle österreichische Lande für sich zu prätendtren, es würde nur das Heimfallsrecht an Mantua, Mailand und unsere italienischen Lande, aus welche es auch anderwärtig Ansprüche erhebt, beanspruchen; diese Provinzen liegen, wenn ich mich so ausdrücken darf, *) Es war dies auch später, nachdem Victor Amadäus zu Gunsten seines Sohnes abgedankt, und später, dies bereuend, wieder auf den Thron gelangen wollte, in der That der Fall.

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