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Der Israelit · 1892-08-08 · Heft 63 (8.8.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 63 (8.8.1892)
Date
1892-08-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1192 Lebensfreude und die selbstlose Bescheidenheit, an diese und an unzählige Vorzüge des Geistes und Herzens, die den edlen Mann auszeichneten, kann man nicht denken, ohne in den Klageruf auszubrechen: ivonro ah bv — Es bedarf nicht erst der Versicherung, wie die Würdigung und Anerkennung desselben Mannes, den wir verloren, sich nicht auf die hiesige jüdische Gemeinde beschränkte. Die „Merztger Zeitung" berichtet darüber: „Heute Nachmittag wird einer der geachtetsten Bürger unserer Stadt in den kühlen Schoß der Erde gebettet. Herr G. Schnerb war seit 1854 Cantor der israelitischen Gemeinde Merzig und hat seine 38-jährige Amtszeit in Demuth und Bescheidenheit verbracht. Er war in seiner Herzensgüte und edlen Gesinnung der Freund, Rathgeber und Helfer so manches Bedrängten und hat sich durch seine Opferwilligkeit und Mildthätigkeit große Liebe und Achtung wohl all seiner Mitbürger, weß Glaubens sie auch sein mögen, erworben. Die Theilnahme an dem Leichenzuge wird dies gewiß bestätigen. Der Heimgegangene ruhe in ewigem Frieden!" „Wohl selten hat unsere Stadt ein solches Trauergefolge gesehen, als gestern bei der Beerdigung des allverehrten Cantors Herrn G. Schnerb, der, wie bereits in voriger Nummer mitgetheilt, im Alter von 64 Jahren uns durch den Tod entrissen wurde. Genoß der Verewigte durch seine Leutseligkeit die Liebe und Hochachtung aller Derer, die ihn kennen und schätzen gelernt, so fand diese ihren unverkennbaren Ausdruck erst recht in der allgemeinen Theilnahme an dem Leichenbegängniß; denn ohne Unterschied des Bekenntnisses eilte Jeder in dem Gefühle herbei, daß er einen Mann zu Grabe geleite, dem gleich es heute nur wenige gibt. Wie sehr der Verblichene geehrt wurde, beweist der Umstand, daß alle seine Glaubensgenossen in hiesiger Stadt während des Leichenbegängnisses ihre Läden geschlossen hielten. In bewegten Worten, seiner Rührung kaum mächtig, sprach als erster am Grabe, im Aufträge der Gemeinde, Herr Dr. Baßfreund, Rabbiner zu Trier. Nach ihm sprachen noch die Herren Michael Levy und Dr. Blumenftein aus Luxemburg, als langjährige Freunde des Verewigten. Seine zahlreichen Verehrer werden ihm ein dankbares Andenken bewahren." Der Verblichene hinterläßt eine tief trauernde Gattin, die Tochter seines großen Lehrers, welche in 37jähriger, überaus glücklicher Ehe mit ihm verbunden war, sowie 4 Söhne und 3 Töchter, die sämmtlich würdige Kinder des Heimgegangenen, unvergeßlichen Vaters sind und es gewiß für alle Zeit bleiben werden. Der Name ihres theueren Vaters, den sie in Ehren tragen, wird ihnen ein Geleitsbrief an die Theilnahme und Achtung aller braven Menschen sein. Möge der himmlische Vater der trauernden Familie Trost, der Gemeinde einen würdigen Ersatz und dem Verblichenen den himmlischen Frieden für sein reiches Leben und Wirken gewähren! rrzjxjn Frankreich. Paris, 21. Juli. Herr Drumont, der offenbar nicht das Zeug zu einem wahren Journalisten hat, und unter der auf ftch genommenen Last zusammenzusinken droht, zieht sich allmählich von der obersten Leitung der „Libre Parole" zurück, die dann freilich, wenn der ermüdete Chefredakteur auf seinem durch den Verkauf der Kranes Juive erworbenen Gute dem Zwitschern der Vögel lauscht, genöthigt ist, an leitender Stelle thörichte politische Gedichte von Dichterlingen fünfter und sechster Ordnung abzudrucken. Der Financier des Blattes, Herr Gerin, der seinen Aktionären ein gerade vermöge seines Skandalmachens zur Blüthe emporzuhebendes Blatt versprochen hatte, erinnerte Drumont an die ursprüngliche Abmachung, und so wagte es dieser, auf der ängstlichen Suche nach einem Reclamestoffe in seiner gestrigen Nummer nicht nur der spanischen Inquisition ein Lobeslied zu singen, sondern seinen Mitbürgern allen Ernstes die Errichtung eines ähnlichen Tribunals seitens der Antisemiten in Aussicht zu stellen! Die betreffende Hauptstelle des D'schen Artikels verdient im Originale festgenagelt zu werden: „Les antisämites ne bläment pas l’Inquisition, ils 86 rendent parfaitement compte des conditions dans lesquelles eile a ete stabile; ils sont convaincus qu’elle a assure la grandeur et Findependance de l’Espagne, et leur premier soin, s’ils etaient au pouvoir, serait d’etablir un tribunal qui serait exclusivement laique, il est vrai, mais qui ressemblerait beaucoup a l’Inquisition espagnole!“ Das ist klar und unzweideutig gesprochen. Und wir müssen Drumont zu Danke verpflichtet sein, daß er bei seinem Mangel an Diplomatie aus der Schule geschwatzt hat: die Herren Antisemiten wollen also durch die Errichtung eines geheimen und gehässigen Vehmgerichtes das sociale Leben der Völker vergiften, wie es im finsteren Mittelalter geschah. Die Frage: cuiprodest? muß auch hier einmal energisch aufgeworfen werden, denn, wie Renan in seinem Interview sehr richtig bemerkte, hinter Drumont,Morss & Cie. stecken finstere Gewalten, welche wieder in der Welt zur Herrschaft gelangen möchten. Caveant consules! Denn die Juden sind blos der günstige Vorwand; das Ziel ist ein höheres. Die so schwer errungenen politischen und religiösen Freiheiten sollen wieder verschwinden.

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