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Der Israelit · 1892-08-08 · Heft 63 (8.8.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 63 (8.8.1892)
Date
1892-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1191 Judenhause lebt noch meist Gehorsam und Pietät. So grausam der Jude dem verschuldeten Bauern da- Fell über die Ohren zieht, so zärtlich besorgt ist er als Gatte und Vater. Was soll aus dem ganzen Dinge noch werden? Man mache sich in Darmstadt nicht so viel Sorgen. Die Bewegung wird von selbst in ruhigere Bahnen kommen- Es wird schließlich nicht anders kommen, als wie es nach Busch's Buche einst Bismarck in Versailles sagte. (Gemeint ist hier „das häßliche Wort von dem Christen-Hengst und der jüd. „Stute. D. Eins.) Wir werden uns die Juden „eingliedern", „die Antisemitenfrage (?) wird verschwinden. Und „zwar, indem wir das Beispiel befolgen, das längst von unserem höchsten und ältesten Adel gegeben wird." Ueber das, was der Herr Verfasser im Antisemitismus als „berechtigt" anerkennt, können wir hier kurz hinweggehen: Die Wiederholung der Ver. leumdung, daß der Jude die Gefühle seiner christlichen Mitbürger mißachte, macht diese Lüge noch nicht zur Wahrheit. Ob Consumvereine und Raiffeisen'sche Kassen segensreiche Einrichtungen sind oder nicht, ist lediglich eine volkswirthschastliche Frage, wobei wir als Juden nicht betheiligt sind. Was endlich die „judenreinen" Märkte anlangt, so haben diese ihr kurzes Dasein bereits beendet, da sie nicht nur „judenrein", sondern auch „besucherrein" blieben. Viel interessanter ist uns das, waS der Artikel als „Unberechtigtes" im Antisemitismus verdammt. Hier zeigt sich uns ein Vollblut-Antisemit — als solcher hat sich der Verfasser durch die von uns citirten Sätze genügend gualifizirt —, der zugebeü muß, daß die ganze antisemitische Bewegung, ihrer Natur nach, praktische Folgen nicht haben wird und nicht haben kann. Dies Zugeständniß hier festzunageln, ist der Grund, warum wir für jenen Artikel der „Grenzboten" die Geduld der Leser in Anspruch genommen haben. M. L. Merzig a. Saar, awa njnpn. Unsere Gemeinde hat am Mittwoch den 3. Ab einen Verlust erlitten, für dessen Größe es vielleicht keinen besseren Maß« stab giebt, als der heutige Tag, an dem die ganze jüdische Diaspora das Gedächtniß der Zerstörung Jerusalems und des Tempelheiligthums fastend und trauernd begeht. Rabbi Chajim Gerson Schn erb ist uns durch den Tod entrissen worden. Wird doch das Hinscheiden der Gerechten mit der Einäscherung unseres Nationalheiligthums wiederholt gleichgestellt. Und wahrlich ein solcher Gerechter war es, den wir, die ganze Gemeinde, die ganze Gegend und der weit über ihr Weichbild htnausreichende weite Kreis seiner Freunde und Verehrer verloren. Der Verblichene stammte aus Lothringen — wenn wir nicht irren, aus Toul — und kam schon als 13jähriger Knabe hierher, um die Tan?» des berühmten R. Moscheh Levy (bekannter unter dem Namen: R. Moscheh-Merzig, Schüler von R. Herz Scheuer b*x) zu besuchen. Der Verblichene war ein Urenkel von Rabbi Gerschon Koblenz b"v\ und Enkel von Rabbi Jakob Koblenz, Verfasser des nn mp -ibd. Im 26. Jahre wurde der Heimgegangene als pn der hiesigen Gemeinde angestellt, und verwaltete dieses Amt 38 Jahre bis zu seinem Ableben mit einer Hingebung und Meisterschaft, die ihn hoch über das Niveau erhob, auf dem viele seiner Kollegen stehen. Mit herrlichen Stimmitteln, mit gründlichen musikalischen Kenntnissen ausgestattet, besonders aber von einer innigen Gottesfurcht erfüllt, riß er mit seiner Begeisterung die Hörer in einer Weise hin, die man selbst mit erlebt haben muß, um sie richtig würdigen zu können. Vieles hat er selber mit der ihm eigenen Virtuosität componirt, und seine Compositionen haben weit über den engen Kreis seiner Gemeinde hinaus die verdiente Anerkennung gefunden. Sein nun war ihm Gegenstand fortgesetzten Studiums, und mit den Werken unserer shnagogalen Tonmeister, wie Naumburg, Sulzer u. a. hatte er die innigste Vertrautheit. Er hat einen Synagogenchor ins Leben gerufen und ihn unter unsäglichen Bemühungen izu einer Entwickelung gebracht, die der größten Gemeinde zur Ehre gereichen würde. Herr Moses Schnerb, der zweite Sohn des Verblichenen, der zur Zeit als Dirigent eines Synagogen-Chors sungirt, verdankt seine Ausbildung der väterlichen Anregung und Leitung. Dabei war der Verblichene ein großer i'obn wn, der jede freie Mußestunde der Beschäftigung mit unserer heiligen nun widmete. Man konnte ihn nicht sehen und sprechen ohne herrliche Goldkörner aus dem reichen Schatze seines Wissens mit sortzunehmen. Derselbe hatte dabei eine so herzgewinnende, klare und faßliche Art der Mittheilung, daß er auch den Unkundigen für das zu erwärmen vermochte, was in Heller Gluth in seinem Geiste lebte. Noch vor kurzer Zeit hat der Schreiber dieses den nunmehr uns Entrissenen ersucht, seine herrlichen Bemerkungen und Erklärungen der Thora niederzuschreiben und sie so der Vergessenheit zu entreißen. Vieles ist in hebräischen Zeitungen, im Libanon und Hamagid von ihm erschienen; erst in der jüngsten Peßachnummer des „Israelit", habe ich von ihm die Erklärung einer schwierigen Stelle aus dem nos bv nnno veröffentlicht. Derselbe war ein ganz seltener Meister in der Handhabung der heiligen Sprache, so daß nicht nur der kernige Gehalt seiner Gedanken, sondern ebenso sehr die vollendete Form der Darstellung in jeder Zeile den tiefen Denker und vollendeten Stilisten bekundeten. Dabei war er üni«', Lehrer, und hatte für alles Zeit, Sinn, Begabung und Hingebung, und bewährte sich als genialer Meister, in allem, was er in seine Hand nahm. Die Heiterkeit, die

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