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Der Israelit · 1892-08-08 · Heft 63 (8.8.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 63 (8.8.1892)
Date
1892-08-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1189 von Crottingen dorthin ausgewanderten Juden unter sich aufgebracht hatten. Wir fuhren gemeinsam hinüber nach Crottingen, um das Geld nach der schon in Sunderland festgestellten Liste zu vertheilen. Heute wohnen schon 28 jüdische, aus Crottingen stammende Familien in Sunderland." Diese Vorschläge scheinen sachentsprechend und klingen einleuchtend; allein die Frage, was mit denen geschehen soll, die ein Reiseziel angeben können und in der Fremde keine Angehörigen und Freunde haben, bedarf doch noch einer Beantwortung; hoffentlich gelingt es auch, diese Schwierigkeit zu lösen. Daß der Verf. es sich nicht leicht gemacht hat, ersieht man daraus, daß er den Fragen, die hier auftauchen können, nicht aus dem Wege geht, und so macht er auch auf Folgendes aufmerksam: „Bilden denn aber auch diese Masseneinwanderungen russischer Juden keine Gefahr für die Bevölkerung, zu welcher sie hingelangen, keine Gefahr für ihre Glaubensgenossen, die bereits dort eingebürgert sind? Wer solches auch nur zu denken vermag, der ist wahrlich schlecht bedacht und berathen. Wohin sie auch gelangen mögen, bilden diese auswandernden russischen Juden doch nur eine verschwindende Minorität gegenüber der Gesammtbevölkerung des Landes, gegenüber der Gesammtbevölkerung, welche so ein Land überhaupt ernähren kann. Denken wir an Amerika, wohin der Hauptstrom doch nun einmal gerichtet ist. Der Erdtheil, welcher noch hundert, ja viele hundert Millionen Menschen benöthigt, um seine Lande genügend zu bevölkern, um auch nur die Bevölkerungs-Dichte der alten Mutter Europa zu erreichen — diesem Erdtheile sollte eine handvoll russischer Juden beschwerlich und gefährlich werden können? Freilich wird sich die große Masse zunächst in den großen Hafenplätzen sestsetzen. Während nun aber auch diese allein schon befähigt sein dürften, die eingewanderten Juden amalgamiren und assimiliren, verdauen und vertragen zu können,*) so werden sie doch daselbst lange nicht alle verbleiben, wenigstens werden ihrer nicht mehr dort verbleiben, als für alle Theile zu-, träglich ist. Sie sind ja nicht in Rußland, sie können hingehen, wohin sie wollen und werden von dieser Licenz ausgiebigen Gebrauch machen. Der russische Jude ist rasch entschlossen, seinen Wohnsitz zu verlassen und anderwärts denselben aufzuschlagen, wenn er dort besser an-, unter- und auszukommen vermeint." Ist aber den zurückbleibenden Juden in Rußland mit dieser Theilauswanderung geholfen? Gewiß; für diese tritt eine bedeutende Entlastung ein, die ihnen Raum und Luft zum bessern eigenen Fort¬ *) Die Herren Delegirten aus New-Aork, welche im vergangenen Winter die amerikanischen Juden auf der Berliner Versammlung vertraten, hatten eine dem Herrn Vers, entgegengesetzte Ansicht. Red. d. Jsr. kommen gewährt; denn man muß sich doch erinnern, daß die russischen Machthaber so weit ihr Interesse verstehen, daß sie durchaus nicht alle Juden im Lande entbehren möchten. Wird die Auswanderung dann so eingeleitet, so meint der Verf., werde man nur noch kurze Zeit die Hilfe der Reichen in Anspruch nehmen müssen; sie werde sich dann von selbst reguliren und sich ohne weitere Beihilfe vollziehen. „Ein Auswanderer", so schreibt der Verf., „zieht ganz unfehlbar auch den andern nach sich. Die Auswanderung mit und ohne unsere Beihülfe steigt progressiv in dem Maße und Grade, jemehr Menschen bereits ausgewandert sind. Ohne und mit unserer Beihülfe werden schon nach zwei Jahren so viele ansgewandert sein, daß eine weitere Beihülfe nicht mehr nothwendtg sein wird. Durch die bereits ausgewanderten angeregt und theilweise von denselben mit Geld oder Schiffskarten unterstützt, werden noch weiterhin so viele auswandern, daß, um die Sache nicht zu gefährden, man eher hemmend als fördernd einzugreifen haben wird. Heutzutage schon wandern dreifach mehr aus ohne, als mit unserer Unterstützung." Sollte nun noch gar die Nachricht sich bewahrheiten, daß Baron von Hirsch mit der russischen Regierung einen Auswanderungsmodus für 3'/z Millionen Juden vereinbart habe, so wären ja heute schon die Reichen entlastet. Wir sehen, es sind wohl durchdachte und reife Vorschläge, die Herr Dr. Rülf hier dem Publikum vorlegt, und wir empfehlen die vorliegende Broschüre, sowohl um ihres Inhalts willen, als auch um der guten Sache willen, da ihr Ertrag ja einem wohlthätigen Zwecke gewidmet ist, zur weitesten Verbreitung und bemerken dabei, daß der Preis derselben in das Belieben des Käufers gestellt ist. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Die „Grenzboten", jene Zeitschrift, die innerhalb der grün-weißen Grenzpsähle für alle reactionären Bestrebungen eintritt, bringen in ihrer Nr. 30 einen Artikel: „Der Antisemitismus in Hessen." Eine ruhige Würdigung der Ursachen und des Ganges dieser Bewegung hier zu finden, dieser Jllussion wird sich Niemand hingeben, der je nur ein Heft der „Grenzboten" in den Händen gehalten hat, aber etwas besser hatten wir uns den Inhalt doch gedacht, als er uns bet der Lektüre entgegentritt. Der Verfasser scheint sich in der Hauptsache auf eine Blumenlese aus dem „Reichsherold" beschränkt zu haben; es sind die bekannten alten Redensarten, die man ob ihrer Unbestimmtheit nicht widerlegen kann. Wo Thatsachen auftreten, werden sie mit Unwahrem ge-

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