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Der Israelit · 1892-08-04 · Heft 62 (4.8.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 62 (4.8.1892)
Date
1892-08-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1168 Italien. Rom, 25. Juli. Vor einigen Tagen wurde dem Papste die Meldung gemacht, daß man in einer Nische der Umfassungsmauer des vatikanischen Gartens einen Stein entdeckt habe, der mit einer sonderbaren Inschrift bedeckt sei. Der Papst ließ nun diesen Stein vor sich bringen und er erkannte sogleich, daß die Inschrift ans demselben eine hebräische oder vielmehr eine phönicische sei. (Leo XIII. hat in seiner Jugend auch Hebräisch getrieben.) Es wurde nun schleunigst der Eonservator des Vatikans, der bekannte Orientalist De Rossi herbeigeholt, der bald herausfand, daß dies ein jüdischer Grabstein aus den Zeiten der jüdischen Könige sei, der später mit anderen jüdischen Alterthümern aus Jerusalem hierhergebracht worden war. Genannter Orientalist wird nun nächstens eine Uebersetzung dieser sonderbaren Inschrift veröffentlichen. Auch eine lithographirte Ausgabe dieser Inschrift soll ehestens erscheinen. A u st r a l i e n. Sydney, 22. Juli. D'e von dem Neuseeländer Repräsentantenhause seiner Zeit beschlossene Adresse an den Zaren, in welcher um Milderung d?r gegen die russischen Juden ergriffenen Maßregeln gebeten wurde, ist, wie vorauszusehen, nach Neuseeland zurückgeschickt worden. Ein von dem Chef des kaiserlichen Hauptquartiers Generaladjutanten, von Richter unterfertigtes Begleitschreiben enthält die kurze Miltheilung, daß das Gesuch, weil die inneren Angelegenheiten Rußlands berührend, dem Kaiser Alexander nicht vorgelegt worden sei. ■¥• Vermischtes. Homburg, 1. Aug. Die Antisemiten versammelten sich heute in Altona. Ihr Vorsitzender Naab sprach zwei Stunden lang über den Tantener Knabenmord und griff Landesgerichtsrath Brixius, Pros. Noeldecke, die Staatsanwälte und die Verteidigung in bekannter Weise an. Der Antisemit Steiger erdreistete sich auszurufen, das Rechtsbewußtsein des deutschen Volkes werde durch einen derartigen Prozeßausgang keineswegs gestärkt. All das war für 20 Pf. Entree in öffentlicher Versammlung zu hören. Posen. Der diesmalige Verwaltungsbericht der Jsr. Waisen-Knaben-Anstalt umfaßt einen Zeitraum von zwei Jahren. Nachdem 1890 der lange geplante Erweiterungsbau in Angriff genommen, wurde derselbe im Herbst 1891 vollendet und der Benutzung übergeben. Diese Erweiterung des Gebäudes besteht in dem Aufsetzen eines zweiten Stockwerkes und der Anlegung einer Nothtreppe. Die Verwaltung ist nun in der angenehmen Lage, einer größeren Zahl von Waisen Unterkunft bieten zu können, auch ist durch die Vermehrung der Räume den Kindern eine größere Bewegungsfreiheit innerhalb der Anstalt ermöglicht worden. Mit der Erweiterung der Anstalt war cs auch geboten, eine Hülfskrast zur Beaufsichtigung und Erziehung der Kinder einzustellen. Wahrend des Jahres 1890 wurden in der Anstalt 23 und 1890 19 Zöglinge verpflegt. Literarischer Bericht. Die jüdische Literatur ist soeben durch ein neues werth voll es Gebet- und Religionsbuch herausgegeben von De. Theodor Kroner, Direktor der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover bereichert worden, das im Verlage von Manz und Lange in Hannover-Linden erschienen ist. Der Herr Verfasser hat sich durch seine früheren Arbeiten „Hebräische Fibel mit Gebeten, „Leits, z. Uebers. d. Thora", Uebersetznngsbuch zu den Gebeten der Mittelstufe und Oberstufe, welche in zahlreichen Schulen im Gebrauch sind, bereits einen sehr geachteten Namen erworben. In dem Gebetbuche mit beigefügter deutscher Uebersetzung, das einen Umfang von 550 Seiten hat und gut ausgestattet ist, finden wir die gottesdienstliche Verwendung der einzelnen Gebete genau angegeben, so daß auch der sonst unkundige Beter sich leicht zurecht finden kann. Um das Verständnis der Gebete zu erleichtern und zu vertiefen, sind längere Gebete, Psalmen u. dergl. nicht nur mit Ueberschriften versehen, sondern gegliedert worden, so daß der wesentliche Gedankeninhalt leicht überschaut und sicherer behalten werden kann. Um die Gebetordnung und damit auch den Werth und die Stellung der einzelnen Gebete zu verstehen, gehen den Gebetsgruppen Belehrungen voran, die kurz und knapp das wichtigste hervorheben. Außerdem ist in ganz kurzen Bemerkungen, wie sie für den Leser erforderlich sind, angegeben, aus welcher Quelle die Gebete stammen und welche geschichtliche Veranlassungen ihnen zu Grunde liegen. Bei diesen und vielen anderen Vorzügen hoffen wir mit dem Herrn Verfasser, daß das Gebetbuch in dieser Fassung als Familienbuch sich bewähre und daß dasselbe den Lesern und Betern im Hause wie in der Synagoge ein lieber Freund und Führer werde. Feuilleton. „Mrstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (5. Fortsetzung.) „Diese Verbindung", fuhr der Erzbischof fort, erscheint aber auch vom Standpunkte der Staatsraison außerordentlich vortheilhaft für Oesterreich.

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